„Die ziehen mich alle über den Tisch“. Pensionistin aus dem Bezirk Melk wurde von Spekulanten betrogen und suchte ihr Heil bei Staatsverweigerern.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 07. Juni 2017 (01:29)
Geldforderungen an Richter und Justizangestellte brachten die 74-jährige Pensionistin selbst vorGericht.Fohringer
APA /Fohringer

Geld legte eine 74-Jährige bei einer Gewinn versprechenden Firma in Deutschland an, doch statt 100 Prozent Rendite binnen drei Monaten verschwanden die Hintermänner und die Firma ging in Konkurs. Die Frau aus dem Bezirk Melk musste erkennen: Sie war Opfer eines Schneeballsystems geworden. Unangenehme Post flatterte ihr dann ins Haus. Ein Insolvenzverwalter forderte sie auf, 3.000 Euro zurückzuerstatten. Als dazu noch ein Schreiben vom Amtsgericht München eintrudelte, verlor sie die Nerven. Sie recherchierte im Internet und wurde fündig: Eine Gruppe von Staatsverweigerern empfahl ihr, ein Schreiben an das Münchner Gericht zu schicken.

Einen Richter und einen Justizangestellten forderte sie dann auf, ein gegen sie geführtes Verfahren für null und nichtig zu erklären und drohte mit der Eintragung in ein Schuldenregister. Dem Bezirksgericht Melk verbot sie die Verwendung ihrer Daten und drohte mit Vollstreckung von 25.000 Euro Schadenersatz.

Wegen versuchter Erpressung sitzt sie nun vorm Richter. Was sie zu ihren Schreiben sagt? „Da wird mir schlecht“, meint sie. Und fügt hinzu: „Es tut mir sehr leid, ich hatte Angst, ich wollte doch nur, dass das alles aufhört.“ Warum sie sich nicht an einen Rechtsanwalt gewendet hat? „Ich habe mir gedacht, die ziehen mich doch alle nur über den Tisch“, antwortet sie.

Der Richter bietet Diversion an. 2.000 Euro Geldbuße muss die 74-Jährige berappen, damit ist sie einverstanden.