Ein Tag für die Passagier-Sicherheit. Es ging ausnahmsweise einmal nicht ums Hochwasser: In Tulln wurde die Sicherheit auf Passagierschiffen thematisiert.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 06. März 2019 (03:25)
Brand auf dem Donau-Kreuzfahrtschiff A’Rosa Riva am 24. Juli 2017. Acht Personen wurden verletzt.
Plutsch

Die Donau ist Lebensader mit vielerlei Nutzungen: als Energieerzeuger, Wasserspeicher, Erholungs- und Siedlungsraum. Und als Weg für die Schifffahrt. 180 Passagierschiffe waren 2018 zwischen Passau und Hainburg auf der Donau unterwegs, wie Gerhard Skoff, Präsident der Danube Tourist Commission, am ersten Donausicherheitstag in der Landesfeuerwehrschule Tulln (nunmehr „Sicherheitszentrum, siehe unten) sagte. Und es werden mehr. Die Sicherheit der Passagiere auf der beliebten Wasserstraße zu gewährleisten ist daher oberstes Gebot.

Wie rasch ein Unglück passieren kann, hat der Brand auf der A’Rosa Riva 2017 bei Schönbühel-Aggsbach (Bezirk Melk) gezeigt. In der Sauna war ein Brand ausgebrochen, der rasch auf andere Kabinen übergriff, 190 Menschen mussten gerettet werden. Wie diese Rettungsaktion vonstattengegangen ist, schilderte der Melker FF-Kommandant Thomas Reiter, damals Einsatzleiter, in einem fesselnden Vortrag.

„Wir müssen überlegen: Wie kommen wir aufs Schiff und wie kommen wir wieder runter?“ Markus Unger, FF Tulln, über Rettungseinsätze am Fluss

„Sicherheit ist im Tourismus ein Wohlfühlfaktor“, sagt Gerhard Skoff, „die muss auch gefühlt und verstanden werden.“ Das beginnt bei der Besatzung, die geschult werden muss, die im Notfall Feuerlöscher einsetzen und Schlauchleitungen legen muss. Und die die Passagiere aus dem Schiffsinneren zu den Sammelstellen an Deck bringen muss. Hier muss vor allem der „typische“ Kreuzfahrtpassagier berücksichtigt werden, und der ist meist älter und oft in seiner Mobilität etwas eingeschränkt.

Damit die Feuerwehr auf Passagierschiffen üben kann, hat Viking River Cruises einen seiner Luxusliner auf der Donau zur Verfügung gestellt. 2018 gab es bei Viking, das weltweit mit 82 Schiffen unterwegs ist, 184 Havarien, von der vergleichsweise harmlosen Grundberührung bis zum Brand. Und aus jedem Problemfall lerne man, sagt Thomas Bogler, Vice President von Viking. Vor zwei Jahren verloren zwei Crewmitglieder bei Erlangen in Deutschland ihr Leben, weil das Schiffshaus nicht eingefahren war, als das Schiff unter einer Brücke durchfuhr. Heute gibt es dafür zahlreiche optische und akustische Warnsignale. „Aber“, sagt Bogler, „wenn wir in einer Schleuse sind und der Strom fällt aus, dann kann der Höhenunterschied bis zu 20 Meter betragen, dann können wir mit unseren Mitteln die Passagiere nicht mehr von Bord bringen.“ Zweimal gab es bereits so einen Ausfall, die Feuerwehr musste ausrücken.

"FF Tulln schildert Übung auf einem Großschiff"

Markus Unger von der FF Tulln schildert, wie eine Übung auf dem Großschiff vonstattengeht. „Wir müssen überlegen: Wie kommen wir aufs Schiff und wie kommen wir wieder runter mit den Passagieren, wenn evakuiert werden muss? Wie kommt ein Notarzt aufs Schiff und wie bringen wir einen Patienten mit Korbtrage wieder runter vom Schiff? Wie wird ein Brand bekämpft und wie läuft die Kommunikation?“ Dafür sei es essenziell zu wissen, wo am Schiff Brandbekämpfungs-Einrichtungen sind und auch, wie gut das Personal geschult ist. Unternehmen wie Viking etwa schulen ihr Personal regelmäßig selbst.

Die Passagiere wiederum müssen genau darüber informiert werden, was im Falle einer Havarie passiert. Vor allem, um Panik zu vermeiden.

Die Feuerwehr bildet im Ernstfall zwei Einsatzabschnitte, erläutert Unger: Einer operiert am Schiff, einer von Land aus. Auch eine Hubschrauber-Landung wurde schon geübt. Auf der Donau war das eine „Schwebelandung“, denn die Decks der Donau-Kreuzschiffe können das Gewicht des Fluggerätes nicht tragen.

Übungen mit Kreuzfahrtschiffen sollen ab jetzt jährlich stattfinden; Viking-Manager Bogler möchte den Florianis dafür künftig einmal pro Jahr ein Schiff zur Verfügung stellen.