Donau und Co.: Sterben die Fische aus?. Laut Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz sind heimische Fischbestände bedroht. Regulierungen, Klimawandel und Flusskreuzfahrt sind Gründe dafür.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 12. August 2020 (02:32)
Der Huchen, auch „Donaulachs“ genannt, kann bis zu 150 Zentimeter lang werden. Sein Verbreitungsgebiet hat sich laut einer BOKU-Studie aus 2019 halbiert.
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Gehen den Flüssen die Fische aus? Das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) warnt seit Jahrzehnten, dass der Lebensraum Wasser und damit auch seine Bewohner massiv bedroht sind.

ÖKF-Präsident Helmut Belanyecz schlägt Alarm.

ÖKF-Präsident Helmut Belanyecz sagt, dass dieser Prozess seit den großen Flussregulierungen, die seit dem 19. Jahrhundert im großen Stil betrieben werden, läuft. „Die Donau war vor der großen Regulierung zwischen 1870 und 1875 ein Aderwerk von vielen Nebenarmen, heute hat man Wasserautobahnen, man müsste den Flüssen wieder mehr Ellenbogenfreiheit geben.“

Mit dem Wegfall flacher und schattiger Ufergebiete seien auch die „Fischkinderstuben“ verloren gegangen.

34 von 58 heimischen Arten extrem gefährdet

Klimawandel und Flusskreuzfahrt haben das Fischsterben noch beschleunigt. Eine kürzlich erschienene Studie der Universität für Bodenkultur (BOKU) zeigt überdies, dass nur mehr 17 Prozent des gesamten Gewässernetzes ohne Hindernisse frei fließen kann.

Das wirkt sich etwa auf den Huchen dramatisch aus: Sein Verbreitungsgebiet hat sich halbiert. „Die BOKU-Studie zeigt auch, dass 34 von den insgesamt 58 heimischen Flussfischarten extrem gefährdet sind“, sagt der Fischexperte.

Die Verbreitung von Weißfischen, erzählt Belanyecz, wurde bei Fischamend 30 Jahre lang untersucht. Zu Beginn der 80er Jahre gab es noch Zehntausende davon, 2011 schließlich fand sich kein einziger Weißfisch mehr an den alten Laichplätzen.

„Wasserkraft zerstückelt die Wasserwege“

Ein Problem der Fischbestände ist die Wasserkraft. „Sie zerstückelt einerseits die Wasserwege, Fische finden keine Laichplätze mehr. Und wenn doch, dann folgt der Fisch flussabwärts immer der stärksten Strömung - und die führt direkt in die Turbinen der Kraftwerke.“

Ein anderes Thema ist die Schifffahrt. Die gemächlich dahinfahrenden Frachtverbände seien kein Problem, weil sie kaum Wellengang erzeugen, sagt Belanyecz. Wohl aber die flotten Passagierschiffe, von denen jährlich rund 3.500 auf der Donau verkehren. Ihre Wellen zerstören Laich, Eier und Brütlinge, die von den geschützten flachen Uferzonen entweder auf den Schotter geschleudert oder in den Strom gezogen werden, wo sie sterben. Denn dort ist das Wasser bis zu zehn Grad kälter als am Ufer, was für wechselwarme Tiere tödlich ist.

Coronakrise brachte Millionen Brütlinge

Die Coronakrise habe hier deutliche Auswirkungen gezeigt: Durch den Ausfall der Passagierschifffahrt habe es Millionen an Brütlingen an den Donauufern gegeben. Jetzt, wo der Twin-City-Liner wieder fahre, seien alle tot, beklagt Belanyecz. „Der City Liner fährt mit rund 60 km/h und wirft bis zu ein Meter hohe Wellen ans Ufer. Das überleben die wenige Millimeter großen Brütlinge nicht.“

Ein weiteres menschengemachtes Problem ist der Klimawandel. Bis zu 25 Grad habe die Donau im Sommer, „aber strömungsliebende Fische wie Forellen, Äschen oder Weißfische brauchen kaltes, sauerstoffreiches Wasser. Sie ziehen sich dann in tiefe Stellen zurück. Und dort sind oft Badegäste, die in diese Löcher springen und die Fische vertreiben.“

Renaturierungen, wie sie derzeit etwa an Url und Leitha durchgeführt werden, begrüßt der ÖKF daher ausdrücklich: „Die Fische können sich fortpflanzen und finden Schutz vor Feinden.“