Drogenprozess gegen „Ibiza-Detektiv“ geht in zweite Runde

Zahlreiche Zeugen sagten heute im Fall Julian H. aus, darunter der Medieninhaber, den die Verteidigung als Verantwortlichen für die "konstruierten Vorwürfe" gegen ihren Mandanten sieht. Zwei weitere Prozesstage sind nötig.

Stefanie  Marek
Stefanie Marek Erstellt am 13. Oktober 2021 | 18:01
New Image
Julian H. wird zum Gerichtssaal geführt.
Foto: Stefanie Marek

Tag zwei im Strafprozess gegen den mutmaßlichen Ibiza Video-Macher, Julian H., am Landesgericht St. Pölten. Ihm werden Drogenhandel und Urkundenfälschung vorgeworfen. Strafdrohung: bis zu 15 Jahre Haft. In der ersten Verhandlung Anfang September hatte er sich als nicht schuldig verantwortet, auch an diesem Tag bleibt er dabei. Die Anschuldigungen gegen ihn seien konstruiert, er habe nie mit Kokain gehandelt.

Auftritt der Hauptbelastungszeugin: Die Frau, die den Gerichtssaal betritt, wirkt ruhig und gefasst. Das erste was sie dem Richter gibt, ist die schriftliche Bestätigung eines Psychiaters. Diese soll belegen, dass Katharina H. nicht psychisch krank ist. Beim letzten Mal musste der vorsitzende Richter die Befragung der Frau abbrechen, weil sie eine Panikattacke gehabt hatte. Die Verteidigung hatte in Frage gestellt, ob sie als Zeugin überhaupt geeignet sei. Nicht unerheblich, denn ihre Aussagen belasten Julian H. massiv.


Zeugenbefragung erneut abgebrochen

In mehr als zehn Befragungen durch die Polizei gab sie an, dass Julian H. ihrem Freund Slaven K. (ein ehemaliger Mitarbeiter des Angeklagten) in drei Fällen insgesamt über einen Kilo Kokain verkauft haben soll. Dabei weichen ihre Angaben zu den einzelnen angeblich verkauften Mengen aber voneinander ab.

 Auf genaueres Nachfragen des Richters spricht sie einmal von zwei, dann von drei und dann wieder von zwei Kokain-Übergaben durch Julian H. Während der Befragungen durch die Polizei erwähnte sie die dritte Übergabe überhaupt erst in ihrer achten oder neunten Einvernahme. Sie habe das erst so spät gesagt, weil Slaven K. sie unter Druck gesetzt hatte, nichts zu sagen, so die Zeugin. Der Richter findet das nicht logisch – dann hätte sie doch gar nichts erzählt und nicht von zwei statt von drei Übergaben, sagt er. Sie stehe unter viel Druck und vergesse daher viel, antwortet sie.

Sie beschuldigt Julian H. aber nicht nur der Übergaben von Kokain, sie sagt auch, dass er einmal mit ihr Kokain gepresst und ihr an diesem Tag auch eine Pistole gegen den Kopf gehalten habe. Nach zwei Stunden Befragung bricht sie erneut in Tränen aus. Der Richter muss ihre Einvernahme erneut abbrechen. Diese wird an einem anderen Prozesstag fortgesetzt werden. 

Einvernommen werden außerdem die Frau und der Sohn des Zeugen Slaven K., der schon beim letzten Mal aussagte, dass seine Mutter in Serbien Besuch von zwei Männern erhalten hatte. Diese sollen ihr gedroht haben und gesagt haben, sie solle Slaven K. ausrichten, dass er nicht gegen Julian H. aussagen solle. Das sei der Grund gewesen, wieso K. Julian H. erst nach dessen Verhaftung plötzlich belastete, nachdem er in seinen Einvernahmen zuvor das Gegenteil gemacht hatte. Dass Ks Mutter anrief und von der Drohung erzählte bestätigt Ks Sohn vor Gericht. 

Medieninhaber will Zeugen bezahlt, nicht „gekauft“ haben

Aber auch ein anderes Thema kommt an diesem Tag zur Sprache im Gerichtssaal. Schon am ersten Verhandlungstag ein Hauptargument der Verteidigung: Die Zeugin Katharina H. sowie Slaven K. und ein weiterer Zeuge S. (ebenfalls ein ehemaliger Mitarbeiter von Julian H.) seien gekauft worden um Julian H. mit falschen Drogenhandels-Vorwürfen zu belasten. Hinter all dem soll ein österreichischer Medieninhaber und Lobbyist im Glücksspielbereich stecken, sagt die Verteidigung.

Und dieser Medieninhaber ist heute ebenfalls als Zeuge geladen.
Ja, er hat K. und S. insgesamt 55.000 Euro für Informationen zu Julian H. gezahlt, sagt der Mann. (Das war bereits bekannt, das hatten auch K. und S. in ihren Einvernahmen gesagt.) Es ging dabei aber nur um Informationen zu Julian H.s Person und zu seiner Sicherheits-Firma, in der K. und S. arbeiteten, versichern alle drei. Drogen oder Drogenhandel in Zusammenhang mit Julian H. seien bei diesen Gesprächen nie Thema gewesen, sagt auch S. 

Laut Richter läuft ein Verfahren gegen den Medieninhaber in einer anderen Sache, weil er eine Person zu falschen Aussagen angestiftet haben soll, ein anderes solches Verfahren wurde eingestellt.
Er hat niemanden angestiftet, auch nicht im Fall Julian H., so der Medieninhaber. Wie dem auch sei: Sein Medium bezahle normalerweise nicht für Informationen, K. und S. hätten aber auf Bezahlung bestanden. Die Recherche rund um Julian H. sei ihm zu wichtig gewesen, er sei auch mehr an den Hintermännern und dem Lockvogel (Anm.: die falsche Oligarchen-Nichte) interessiert gewesen als an H. selbst.

Der Medieninhaber zahlte auch die Anwaltshonorare von K. und S. in deren eigenen Prozessen rund um den Fall. Das sei so abgemacht gewesen, falls sie durch die Informationen, die sie ihm geben, in rechtliche Schwierigkeiten kommen. Auch seine Befragung wird an einem anderen Verhandlungstag fortgesetzt. Zwei weitere Prozesstage sind für Ende November angesetzt.