Pensionistin getötet: 16 Jahre Haft für Banker. Weil er eine 86-jährige Kundin im September des Vorjahres in Edlitz (Bezirk Neunkirchen) mit einer Frischhaltefolie erstickt haben soll, ist ein Bankberater am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Der Schuldspruch für den 62-Jährigen ist nicht rechtskräftig. Die Geschworenen bejahten die Hauptfrage nach Mord einstimmig.

Von APA, Redaktion. Update am 28. Juli 2020 (12:48)
Ein Urteil wird für Dienstag erwartet
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Am Landesgericht Wiener Neustadt ist am Dienstag der Mordprozess gegen einen Bankberater fortgesetzt worden. Dem 62-Jährigen wird vorgeworfen, im September 2019 in Edlitz (Bezirk Neunkirchen) eine 86 Jahre alte Kundin mit einer Frischhaltefolie erstickt zu haben. Im Mittelpunkt stand am zweiten Verhandlungstag zunächst die Persönlichkeit des Angeklagten.

Sigrun Roßmanith, die psychiatrische Gutachterin, sprach davon, dass der Beschuldigte grundsätzlich sehr auf seinen Ruf bedacht sei. "Er ist eine gloriose Bankerpersönlichkeit, die auf ihrem Weg viel weiterbringt und sich auch in Szene setzen kann", befand die Sachverständige. Auffälligkeiten in psychiatrischer Hinsicht ortete die Expertin jedoch nicht. Der Angeklagte sei ein "überlegter Mann, der sich Gedanken macht".

Weitere charakterliche Einblicke hinsichtlich des Beschuldigten lieferte der Sohn des Angeklagten. "Die ganze Aktion war ein ziemlicher Schock, weil es überhaupt nicht mit dem zusammengepasst hat, was vorher war", sagte der Mann im Zeugenstand über die Bluttat. Er bezeichnete seinen Vater als generell gut aufgelegt, kommunikativ und sehr gesellig. Als "im ganzen Haus angesehen und geschätzt" beschrieb ein ehemaliger Vorgesetzter den 62-Jährigen.

Angeklagter bereits als schuldig bekannt

Der Angeklagte hatte sich am ersten Prozesstag in der vergangenen Woche schuldig bekannt. Er soll der 86-Jährigen in deren Wohnhaus am 16. September 2019 mit einem mit Münzen gefüllten Socken etwa zehnmal mit voller Wucht gegen den Kopf geschlagen haben. Im Anschluss versuchte der Beschuldigte, mit einer mitgebrachten Frischhaltefolie die betagte Frau zu ersticken. Die Seniorin wehrte sich so heftig, dass der Angeklagte auch Nase und Mund mit den Händen fest zudrückte. Ob dies oder die Handlung mit der Frischhaltefolie zum Tod der Frau führte, sei "nicht eindeutig abgrenzbar", sagte der gerichtsmedizinische Gutachter Wolfgang Denk.

Die Attacke hatte eine lange Vorgeschichte. Der Bankberater soll über Jahrzehnte hinweg das Vermögen der Seniorin in Höhe von rund 700.000 Euro veranlagt haben. Über entstandene gravierende Spekulationsverluste informierte der 62-Jährige die Pensionistin jedoch nicht - aus Angst um seinen Ruf in der Finanzwelt, wie der österreichische Staatsbürger zu Protokoll gab.

Als die 86-Jährige im Vorjahr eine Transferierung und Zusammenlegung ihrer Wiener Bankkonten auf ein Geldinstitut in ihrer Nähe wünschte, wurde es für den Beschuldigten so eng, dass er Tötungspläne schmiedete. Verteidigerin Astrid Wagner sprach in Hinblick auf die jahrelange Nicht-Information der Kundin durch ihren Mandanten von einer Art Lebenslüge, Gutachterin Roßmanith von "einem Damoklesschwert, das er mit sich mitgetragen hat".

Erst kurz vor der Attacke informierte der Banker die 86-Jährige über die Vermögensverluste. Dass der Jurist dies so lange unterlassen hatte, begründete Roßmanith einerseits mit einer Fehleinschätzung, andererseits mit "der Angst vor der Vernichtung".

Nach den Schlussvorträgen zogen sich die Geschworenen gegen 12.15 Uhr zurück. Die Laienrichter beraten über die Hauptfrage nach Mord und die Eventualfrage nach Totschlag. Ein Urteil wurde für die Nachmittagsstunden erwartet.

Urteil gegen 14 Uhr eingetroffen

"Ich bereue zutiefst meine Tat", zeigte sich der Angeklagte selbst nach den Schlussvorträgen zerknirscht. "Es ist furchtbar, dass ich das nicht mehr ungeschehen machen kann. Es ist auch nicht mehr gutzumachen", betonte der Banker.

Die Geschworenen standen während der eineinhalbstündigen Beratung vor der Frage, ob die Tötung als Mord oder Totschlag zu werten ist. Einstimmig entschieden sich die Laienrichter für Ersteres. Hinsichtlich der Strafbemessung wirkten sich nach Angaben der vorsitzenden Richterin das Geständnis und die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten mildernd aus. Erschwerend wurde die Verwendung einer Waffe gewertet. Die Staatsanwaltschaft und die beiden Verteidiger gaben zum Urteil keine Erklärung ab.