Eine heikle Landung. Unfreiwilliger Stopp / Am 3. Juli musste der bolivianische Präsident Evo Morales von Moskau kommend in Wien landen, weil Teile des europäischen Luftraumes gesperrt worden waren.

Erstellt am 07. Juli 2013 (16:05)
NOEN, APA/HELMUT FOHRINGER

Von G. Wohlmann, G. Burggraf und St. Obernberger

Er hatte Edward Snowden nicht aus Moskau mitgebracht, wie eine freiwillige Nachschau in seinem Präsidenten-Jet ergab. Aber abgesehen vom heiklen diplomatischen Aspekt bedeutete die unfreiwillige Landung des bolivianischen Staatspräsidenten Evo Morales einige Aufregung – und die war vorwiegend medial.

Am Flughafen Wien-Schwechat gibt man sich ob des ungeplanten Gastes unaufgeregt: Laut Sprecher Peter Kleemann gibt es zwar ein Prozedere für Staatsgäste, das greift allerdings nur bei geplanten Besuchen. In diesem – ungeplanten – Fall war Evo Morales ein normaler Passagier, der sich nach einer von der Austro Control genehmigten Landung ganz normal bewegen durfte; er hätte aber auch im Flieger bleiben können. „Wien war hier nur Standort der Landung“, sagt Kleemann. Morales sei im General Aviation Center, wie der VIP-Bereich heißt, versorgt worden. Um die Betreuung der Medien habe sich die bolivianische Botschaft gekümmert.

Sicherheitstechnisch übernahm das Innenministerium das Kommando. Sprecher Karl-Heinz Grundböck: „Wir waren von Beginn an involviert, da wir im Einsatzkoordinationszen-trum (EKZ) des BMI vom Flughafen Schwechat über die Zwischenlandung informiert wurden. Hier laufen alle Informationen zusammen.“ Der operative Teil am Flughafen selbst oblag der Flughafenpolizei: Sie durfte die „Außensicherung“ des präsidialen Jets übernehmen.

„Kein Richter hätte  Erlass erteilen können“

In der Maschine befanden sich elf Personen, fünf von der Crew und sechs Leute von der politischen Delegation. Ihre Pässe wurden kontrolliert, und nachdem alle den Flieger verlassen hatten, gab es eine freiwillige Nachschau in der Maschine durch einen Beamten der Flughafenpolizei. „Man darf hierbei nie völkerrechtliche und diplomatische Aspekte wie die Immunität außer Acht lassen. Eine Durchsuchung durch die Polizei wäre aus diesen Aspekten heraus nicht möglich gewesen, auch kein Richter hätte diesen Erlass erteilen können“, sagt Grundböck. Und: „Herr Snowden war definitiv nicht an Board.“ Das Gerücht sei über die Medien aufgekommen. Wegen des öffentlichen Interesses sei es aber wichtig, dem sorgfältig nachzugehen, so Grundböck. Technisch gesehen war die Zwischenlandung „eine Routinesache, außergewöhnlich daran war nur das weltweite Interesse“.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz war informiert und involviert, auf Anfrage der NÖN wollte man aber keine Stellungnahme abgeben.