Engagiert trotz Lockdown und Krise. Covid hat auch das Ehrenamt verändert und gezeigt, wie sehr Niederösterreich auf seine Freiwilligen zählen kann.

Von Maria Prchal. Erstellt am 16. April 2021 (06:00)
Lara Melchart blieb nach einem Ersten Hilfe Kurs gleich beim Roten Kreuz.
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Gleichzeitig mit Corona schwappte eine zweite Welle übers Land: eine der Hilfsbereitschaft. Zahlreiche Freiwillige in Niederösterreich riskieren seit über einem Jahr ihre eigene Gesundheit, um anderen zu helfen. "Menschen besinnen sich durch die Pandemie auf die wesentlichen Dinge des Lebens, viele suchen eine Tätigkeit, die sinnstiftend ist", sagt Sonja Kellner vom Roten Kreuz NÖ. 

Corona hat aber auch für Veränderungen im Ehrenamt gesorgt: Statt dem „echten“ Besuchsdienst wird beim Hilfswerk Niederösterreich beispielsweise mehr telefoniert. Die Caritas hat das Plaudernetzwerk „füreinand“ ins Leben gerufen, und ein neues Projekt „Brieffreundschaften gegen Einsamkeit“ steht in den Startlöchern.

Dienst erhalten, aber Mitarbeiter schützen

Weil manche freiwillige Dienste wegfielen, sind die Zahlen der Ehrenamtlichen beim Roten Kreuz leicht rückläufig. Im Rettungsdienst dagegen mussten sogar neue Sanitäter eingeschult werden. Auch die „Team Österreich Tafeln“ blieben geöffnet. Genauso lief die Hilfswerk-Aktion „Essen auf Rädern warm“ weiter. 

Aber wie, wenn sowohl Kunden als auch viele Fahrer zur Risikogruppe gehören? Unter anderem über Aufrufe in der NÖN wurden junge Menschen gesucht, und der Erfolg war groß. Alleine in Zwettl haben sich innerhalb weniger Tage 60 Personen gemeldet. „Es waren so viele, dass gar nicht alle eingesetzt werden konnten“, erzählt Werner Preiss, Vorsitzender des Hilfswerks Zwettl. Das Hilfswerk NÖ hofft, diese Engagierten dann auch nach der Pandemie halten zu können.

Aktiv bleiben und dazulernen

Menschen würden jetzt wieder unmittelbar helfen wollen – nicht nur mit Abstand oder über das Internet, so der Generalsekretär der Caritas Diözese St. Pölten, Christoph Riedl. Ohne die Ehrenamtlichen hätte der Samariterbund die Krise gar nicht stemmen können, das meint auch Thomas Lenger vom ASBÖ.

Freiwillige sind meistens entweder in der Pension oder junge Menschen. Die hätten schließlich auch Zeit dafür, so Siegrun Karner, die in der Carla Krems aktiv ist: „Ich will etwas zurückgeben.“ Die ehemalige Pflegedirektorin des Klinikums Krems hat nach ihrer Pension eine neue Aufgabe gesucht, und Menschen seien eben ihre Leidenschaft.

Siegrun Karner engagiert sich in der Carla Krems.
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Seit der Covid-Situation tritt sie im direkten Kundenkontakt kürzer, aber in der Carla gäbe es auch genug im Hintergrund zu tun: "Durch den Lockdown misten die Menschen aus, bei uns stapelt sich die Ware." Auch Klaus Geer will nicht „zum alten Eisen gehören“. Deswegen hat der 61-Jährige bereits vor zehn Jahren beim Aufbau der Tafel Zistersdorf geholfen und Lesepatenschaften übernommen. Geer zu seiner Motivation: "Ich erlebe jetzt, wie sinnvoll es ist, sich verstärkt für das Wohlergehen anderer und für allgemeine Probleme einzusetzen. So ein Problemfeld ist für mich unser Umgang mit den begrenzten Rohstoffen der Natur und diese Verschwendung wird für mich so sichtbar, wenn Lebensmittel nicht genutzt werden, sondern vernichtet werden."

Klaus Scheer ist federführend bei der Team Österreich Tafel in Zistersdorf aktiv und hat Lesepatenschaften in der Region inne.
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Während es für die Älteren oft darum ginge, aktiv zu bleiben, so Caritas-Generealsekretär Riedl, wollen die Jüngeren fürs Leben lernen. Das bestätigt die 18-jährige Lara Melchart vom Roten Kreuz Bruck an der Leitha: „Bis heute nehme ich aus meinen Einsätzen viele hilfreiche Lektionen für meinen Alltag mit." 

Ihr Kollege Martin Fohringer von der Bezirkstelle Waidhofen an der Ybbs stimmt ihr zu: "Ich schätze am Ehrenamt die verschiedenen Persönlichkeiten, die die es verbindet. Es kommen Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht zusammen. Daraus entwickelt sich eine interessante Gruppendynamik, aus der man sehr viel für das Leben lernen kann."

Martin Fohringer fährt bereits seit 2014 beim RK als Sanitäter.
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Siegrun Karner von der Carla Krems betont, wie viel Wertschätzung ihr entgegen gebracht wird. Wer ein Ehrenamt innehat gibt nicht nur, es komme auch viel zurück.

Dem schließt sich Karolina Valentova, ebenfalls RK Bruck an der Leitha, an: "Das Ehrenamt hat mich gelehrt, was im Leben wirklich zählt. Es hat mich dazu gebracht, meine Prioritäten umzustellen. Denn die Gesundheit und Zufriedenheit sind wirklich die wichtigsten Aspekte im Leben, das sehr schnell und unerwartet leider enden kann", ergänzt die 20-Jährige: "Zusätzlich hat mir auch die ehrenamtliche Arbeit gezeigt, dass nicht immer alles darauf basieren muss, für die Arbeit bezahlt zu werden - man macht es, weil es einem Spaß macht, nicht weil man bezahlt wird!"

Karolina Valentova ist zwar erst 20, aber bereits seit vier Jahren beim Roten Kreuz.
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Zahlen und Fakten:

Caritas Diözese St. Pölten: 200 Anfragen zum Ehrenamt sind seit März 2020 eingelangt. 2020 haben sich 841 Menschen freiwillig engagiert.

Hilfswerk NÖ: 500 Ehrenamtliche sind für „Essen auf Rädern warm“ und 600 im Besuchsdienst aktiv.

Rotes Kreuz NÖ:  18.508 Freiwillige zählte das Rote Kreuz 2020, 13.228 Personen zusätzlich sind beim Team Österreich dabei. Das macht insgesamt 31 736 Freiwillige im Jahr 2020.

Samariterbund NÖ: 1.000 Ehrenamtliche sind aktiv im Rettungsdienst, die Zahlen sinken aber.