Drogenfabriken in Krensdorf, Breitenbrunn und Prellenkirchen

Erstellt am 13. April 2023 | 16:30
Lesezeit: 4 Min
In professionell ausgestatteten Containern hatten die Drogenzüchter Cannabispflanzen kultiviert.
In professionell ausgestatteten Containern hatten die Drogenzüchter Cannabispflanzen kultiviert.
Foto: Foto: LPD Burgenland, LPD Burgenland
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In Krensdorf, Breitenbrunn und Prellenkirchen (Bezirk Bruck/Leitha) hatten ein 57-jähriger Ungar als Kopf der Bande und zwei russische Staatsbürger Cannabis im Straßenverkehrswert von 700.000 Euro produziert. Am 30. März 2023 wurden sie verhaftet.

Der erste Hinweis auf die Drogenplantagen kam vom Stadtpolizeikommando Sopron. „Es gab Anfang des Jahres Hinweise, dass russische Staatsbürger in großen Containern Cannabisblüten ziehen, verarbeiten und gewinnbringend verkaufen“, berichtete der Leiter des Landeskriminalamts Gerhard Braunschmidt bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, 13. April.

Das LKA Burgenland nahm Ermittlungen auf und fand heraus, dass in einer leerstehenden Halle in Krensdorf und in einem Einfamilienhaus in Prellenkirchen (Bezirk Bruck/Leitha) Drogenplantagen betrieben wurden. In Verdacht stand auch ein weiteres Objekt in Breitenbrunn.

Am 30. März 2023 wurden an allen drei Adressen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Eisenstadt Hausdurchsuchungen durchgeführt.

800 Cannabispflanzen sichergestellt

Insgesamt wurden 800 Cannabispflanzen in Töpfen sichergestellt.

Zwei russische Staatsbürger im Alter von 43 und 57 Jahren, und der Kopf der Bande, ein 57-jähriger Ungar, wurden verhaftet.

In der offiziell nicht benützten Halle in Krensdorf standen drei Container, ein vierter war offenbar bereits vorbereitet worden, um die Produktion zu vergrößern.

Das Foto zeigt einen der Container, in denen hochprofessionell Cannabispflanzen herangezogen wurden. Aufgestellt waren die Container in einer Halle in Krensdorf.
Das Foto zeigt einen der Container, in denen hochprofessionell Cannabispflanzen herangezogen wurden. Aufgestellt waren die Container in einer Halle in Krensdorf.
Foto: Foto: LPD Burgenland, LPD Burgenland

„Auffällig im Vergleich zu anderen Plantagen von serbischen Tätern war, dass die Russen genau und sauber arbeiteten“, berichtete Suchtgiftermittler Ernst Paul Schlaffer.

Der Boden in den Containern war gefliest, alles sei sehr sauber gewesen, die Container waren abgedichtet und mit Filtern und Abluftanlagen ausgestattet, sodass kein Geruch nach außen drang. Von außen habe man aus der Halle keinerlei Wärme- oder Lichtabstrahlung feststellen können.

In der Halle in Krensdorf fand die Polizei 200 Stück Kleinpflanzen, die kurz zuvor aus Ungarn geliefert worden waren. In einem zweiten Container befanden sich 200 mittelgroße Cannabispflanzen und im dritten Container warteten 200 blühende Pflanzen auf die Ernte.

In der Halle hatten die Täter aus Stängeln und Blättern der Cannabispflanzen Cannabisöl hergestellt. Damit seien, so der Ermittler, Abfälle verwertet worden, die ansonsten ein Problem dargestellt hätten, weil man sie hätte entsorgen müssen.

 Suchtgiftermittler Ernst Paul Schlaffer, Landespolizeidirektor-Stellvertreter  Christian Wukitsch und Gerhard Braumschmidt als Chef des Landeskriminalamtes berichteten über den Schlag gegen die Drogenkriminalität.
Suchtgiftermittler Ernst Paul Schlaffer, Landespolizeidirektor-Stellvertreter Christian Wukitsch und Gerhard Braunschmidt als Chef des Landeskriminalamtes berichteten über den Schlag gegen die Drogenkriminalität.
Foto: Foto: BVZ/Kirchmeir, BVZ/Kirchmeir

In Breitenbrunn wurde in einem Einfamilienhaus ebenfalls am 30. März eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Hier hatte die Bande früher eine Plantage betrieben und versucht, selbst Cannabisstecklinge zu erzeugen, um Kosten für den Ankauf der Setzlinge zu sparen. „Diese Versuche waren bereits eingestellt worden“, sagte Schlaffer.

In einem Einfamilienhaus in Prellenkirchen hatte der Kopf der Bande mit seiner Frau - offenbar seit rund einem Jahr - eine eigene Cannabisplantage betrieben. Zehn Kilo Cannabis wurden in diesem Zeitraum hergestellt und verkauft. 200 Cannabispflanzen stellten die Kriminalbeamten in dem Haus sicher.

60 Kilo Cannabisblüten wurden in Krensdorf produziert

In Krensdorf waren von 2020 bis 2022 60 Kilogramm Cannabisblüten produziert worden. Alle vier bis acht Wochen war ein Durchgang fertig und konnte geerntet werden. In Betrieb war die Plantage in Krensdorf bereits seit 2016. Über die Produktion in diesen Jahren könne man nichts Genaues sagen, hieß es seitens der Kriminalpolizei.

Der Verkehrswert des insgesamt von der Bande hergestellten Cannabis beträgt laut Polizei 700.000 Euro.

In einer Grafik machten die Suchtgiftermittler die komplexen Beziehungen zwischen den Tätern sichtbar.
In einer Grafik machten die Suchtgiftermittler die komplexen Beziehungen zwischen den Tätern sichtbar.
Foto: Foto: BVZ/Kirchmeir, BVZ/Kirchmeir

Die bei der Cannabiszucht anfallende Abfallerde wurde, so der Ermittler, mittels PKW-Anhänger zu einem Ort südlich von Györ in Ungarn verbracht und dort entsorgt. Während den pandemie-bedingten Einschränkungen des Reiseverkehrs war eine österreichische Firma mit der Entsorgung der gebrauchten Pflanzenerde beauftragt worden.

Mit dem Befüllen der Pflanzsäcke war in Ungarn der Sohn des Bandenchefs beschäftigt gewesen.

„Die Tätergruppe betrieb ihre Produktion sehr effizient und wirtschaftlich“, berichtete der LKA-Ermittler. So sei das Einfamilienhaus in Prellenkirchen mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet und die verwendeten Pflanzensäcke seien wiederverwertbar gewesen.

Neben den Cannabispflanzen stellten die Kriminalbeamten 0,3 Kilogramm Kokain sicher, dazu 25.000 Euro Bargeld in Forint und Euro.

Der Bandenchef und die russischen Mittäter befinden sich in Untersuchungshaft. Im Rahmen des Nachweisbaren seien sie geständig, hieß es bei der Pressekonferenz der Polizei.

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