Einbruchsserie geklärt: Verdächtige teilweise geständig. Beamte der Landespolizeidirektion Niederösterreich (LPD NÖ) landeten zu Beginn der Dämmerungseinbruchssaison Ermittlungserfolge bei gleich zwei Einbruchsserien. Gleichzeitig rüstet sich die Polizei für den verstärkten Einsatz gegen Dämmerungseinbrüche.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 29. September 2020 (13:32)

Eigentlich definiert die Polizei die "Saison" für Dämmerungseinbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser im Zeitraum von 1. Oktober bis 31. März. Noch vor Beginn derselben, gelang den Beamten der LPD NÖ aber bereits ein wichtiger Ermittlungserfolg. Das gaben der Chef des Landeskriminalamtes, Omar Haijawi-Pirchner und Landespolizeidirektor Franz Popp am Dienstag bekannt. 

So konnte eine Einbruchsserie geklärt werden, die vor drei Wochen ihren Anfang nahm. Drei rumänische Staatsbürger werden verdächtigt die mehr als 20 Einbrüche in Ober- und Niederösterreich begangen zu haben. Der zweite Ermittlungserfolg bezieht sich Taten, die ab Ende des Vorjahres verübt wurden. Ausgeforscht wurden zwei polnische Staatsbürger, denen 16 Einbruchsdiebstähle nachgewiesen wurden sowie ein 63-Jähriger Österreicher, der als Hehler für die erbeutete Ware fungiert haben dürfte. 

Fall 1: E-Bike überführte Duo

Mit der Festnahme der beiden polnischen Staatsbürger (47 und 59 Jahre alt) gelang es den Beamten gleich zwölf Einbrüche bei Juwelieren, zwei in Elektrofachgeschäfte, einer in ein Kosmetikfachgeschäft und der Diebstahl von zwei mit GPS-System ausgestatteten E-Bikes klären.  Die Elektro-Räder führten letztlich auch zu den Tätern.

LPD NÖ

Beim 59-Jährigen wurden laut Haijawi-Pirchner in Wien-Leopoldstadt ein russisches Maschinengewehr und am Zweitwohnsitz im Waldviertel, wo sich die E-Bikes gefunden hatten, mehrere weitere Waffen und Munition sichergestellt. Gegen den Mann bestand ein aufrechtes Waffenverbot. Der 47-Jährige wurde mittels Fingerabdrücken identifiziert, nachdem er Angaben zu seiner Identität verweigert hatte. Er ist bereits mehrfach einschlägig vorbestraft, saß zuletzt auch eine achtjährige Haftstrafe ab, die im Herbst 2019 endete. 

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Das Duo hatte es bei den Taten von Ende vergangenen Jahres bis Mitte Mai auf Schmuck und Bargeld abgesehen. Den angerichteten Schaden bezifferte Haijawi-Pirchner mit 147.000 Euro. Die Beschuldigten zeigen sich zu den Einbrüchen nicht geständig. Sie  sind in der Justizanstalt Wiener Neustadt in Haft. Der 63-jähriger Österreicher wurde als mutmaßlicher Hehler angezeigt.

Fall 2: Beschuldigte teilweise geständig 

Bei der Einbruchsserie in den letzten drei Wochen gingen die Täter äußerst dreist vor. Die Vorfälle ereigneten sich zwischen 22 Uhr und 4 Uhr Nachts. Die zunächst Unbekannten drangen in Wohnhäuser in Ober-und Niederösterreich ein, indem sie die Zylinderschlösser der Türen gewaltsam abdrehten und  Wohn-und Schlafräume durchsuchten während die Hausbewohner schliefen.

LPD NÖ

Bei einem Coup in der Nacht von 11. auf 12. September in Zelking-Matzleinsdorf (Bezirk Melk) waren die Täter allerdings unvorsichtig. Nach dem Diebstahl einer Geldbörse, in der sich eine Bankomatkarte samt Pin-Code fand, wurde mit derselben Karte in St. Pölten Geld behoben. Zeugen gaben schließlich die entscheidenden Hinweise. Die Ermittler forschten zwei "beschäftigungslose rumänische Staatsbürger" (33 und 52 Jahre) aus, so  Haijawi-Pirchner. Nach einem weiteren Einbruch am 21. September wurde zudem ein weiterer mutmaßlicher Täter, ein 49-jähriger rumänischer Staatsbürger, ermittelt. 

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Insgesamt werden dem Trio drei Einschleichdiebstähle sowie 20 Einbruchsdiebstähle in den Bezirken Horn, Waidhofen/Thaya, Gmünd, Bruck/Leitha, Melk, Amstetten und Scheibs sowie in Vöcklabruck und Grieskirchen (Oberösterrerich) zu Lasten gelegt. Erbeutet wurden vorwiegend Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände. Es entstand ein Schaden von mehr als 100.000 Euro. Der 33-Jährige und der 52-Jährige zeigen sich laut Polizei geständig, der 49-Jährige hingegen nicht. Alle drei wurden in die Justizanstalt Krems eingeliefert. Unterdessen ermittelt die Polizei weiter zu möglichen Straftaten. 

Prävention, mehr Personal und verstärkte Streifen

Für Popp und Haijawi-Pirchner sind die Ermittlungserfolge "wichtiges Zeichen im Kampf gegen Dämmerungseinbrüche". Für den Herbst gibt es daher erneut eine klare Strategie im Kampf dagegen. 

Als eine wichtige Maßnahme nennt Franz Popp Prävention. "Viel Licht, etwa durch das Verwenden einer Zeitschaltuhr kann Einbrüche verhindern", erklärt Popp, der auch darauf hinweist, dass das Land NÖ für gewisse Sicherheitsvorkehrungen an Häusern Förderungen ausgibt. Wichtig sei zudem das Entfernen möglicher Einstiegshilfen wie Leitern oder Kisten in Gärten und das Schließen von offenen oder gekippten Fenstern, wenn niemand zuhause ist. Dazu rät der Landespolizeidirektor zu einer guten Nachbarschaft. "Wenn jemanden etwas Auffälliges wahrnimmt, verdächtige Personen oder Fahrzeuge, ist es wichtig, das zu dokumentieren", so Popp. 

LPD NÖ

Bei verdächtigen Wahrnehmungen rät der Landespolizeidirektor unbedingt dazu, den Notruf 133 zu wählen. Zudem wies er darauf hin, dass der Kriminalpolizeiliche Beratungsdienst mit Tipps zur Seite stehe. Dazu zählt etwa, Eigentumsverzeichnisse anzulegen.

Polizeiintern wird für die Dämmerungssaison wie bereits in den  vergangenen zwei Jahren wieder eine temporäre Ermittlungsgruppe für die Bekämpfung von Wohnraumeinbrüchen eingesetzt. Außerdem sollen die Streifentätigkeiten am Vormittag und am Nachmittag erhöht werden. 

Schon in den letzten beiden Jahren haben derartige Maßnahmen zu einem Rückgang der Dämmerungseinbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser beziehungsweise zu einer hohen Aufklärungsrate geführt, erklärte Popp.