Niederösterreichs Erde bebte wie zuletzt 2000. NÖ erlebte schwerstes Erdbeben seit über 20 Jahren. Insgesamt waren es heuer bereits rund 130.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 07. April 2021 (02:02)
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Die Küche vibrierte, Gläser klimperten, im Regal wackelten die Gegenstände, ein lautes Grollen war zu hören: Das berichteten Bewohner des südlichen Niederösterreichs in der Vorwoche. Das Land erlebte im Raum Neunkirchen das stärkste Erdbeben seit 20 Jahren, gefolgt von zahlreichen, nicht mehr spürbaren Nachbeben.

Helmut Hausmann ist Erdbeben-Spezialist bei der ZAMG.
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Gemessen wurde eine Magnitude von 4,7. Erschrocken waren vom Rütteln der Erde auch noch einige Menschen im Zentralraum und in Wien, bemerken konnte man die Bewegungen sogar in der Slowakei und in Tschechien.

Insgesamt ist das bereits das sechste heuer von der Bevölkerung in Niederösterreich verspürte Erdbeben. Der südliche Teil des Landes, genauer der Raum Wiener Neustadt, war zuletzt erst im Februar von einem solchen Naturereignis betroffen. Ob so viele Erdbeben innerhalb so kurzer Zeit noch im normalen Bereich liegen, wollte die NÖN daher von den Experten der Zentrananstalt für Meteorologie (ZAMG) wissen.

Seismologe Helmut Hausmann weiß, dass es heuer noch um einige Erdbeben mehr gegeben hat: Zu den sechs verspürten kommen rund 130 schwache, die nur empfindliche Seismographen wahrnehmen. Den Eindruck des vermehrten Erdbeben-Vorkommens bestätigt er.

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Allerdings nur, wenn man einen kurzen Zeitraum betrachtet: Im Vorjahr ereigneten sich im gesamten Jahr nur fünf Erdbeben. 2019 und 2018 waren es jeweils sechs. Betrachtet man die langfristige Entwicklung (siehe Grafik links) ist die momentane Entwicklung aber nichts Ungewöhnliches: „Die Anzahl an Beben pro Jahr variiert sehr stark“, erklärt Hausmann. Größere Erdbeben wie das in der Vorwoche gibt es österreichweit ein bis zwei Mal pro Jahr. In NÖ im Schnitt alle fünf Jahre.

Das Wiener Becken ist die gefährdetste Region

Das in der jüngeren Geschichte heftigste Erdbeben, das auch schwere Schäden verursachte, ereignete sich übrigens 1972 nur wenige Kilometer entfernt von jenem der Vorwoche: Das Epizentrum lag damals in Seebenstein (Bezirk Neunkirchen).

Zufall ist die Nähe keiner. Das Wiener Becken zählt zu den gefährdetsten Regionen Österreichs: Grund dafür ist, laut Hausmann, ein Bruch in der Erdkruste unter dem Wiener Becken. Der erstreckt sich von Seebenstein bis Schwadorf und darüber hinaus bis in die Slowakei. Entlang dieser Linie liegen Wiener Neustadt und Ebreichsdorf, die oft Epizentren von Erdbeben sind. Ein ähnliches Risiko gibt es entlang des Inntals, in Teilen des Mur- und Mürztals sowie im südlichen Kärnten.