Die Polizei sucht dringend Ärzte. Haftfähigkeitsfeststellung, Leichenbeschau oder fremdenpolizeiliche Begleitungen: Innenministerium braucht Mediziner.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 06. März 2018 (03:00)
Medizinisches Personal der Polizei, Ärzte wie Sanitäter, müssen fremdenpolizeiliche Begleitungen vornehmen. Ein mitunter herausfordernder Aspekt des Berufes. Bewerbungen zum Polizeiarzt sind übrigens an die jeweilige Landespolizeidirektion zu richten.
BMI/Gerd Pachauer

Ein Krimineller wird von der Polizei festgenommen und ins Polizeianhaltezentrum überstellt. Aber ist dieser überhaupt hafttauglich? Innerhalb von 24 Stunden muss eine amtsärztliche Untersuchung stattfinden, bei der der körperliche wie psychische Zustand des Inhaftierten beurteilt wird, um dessen Hafttauglichkeit festzustellen. Das ist nur eine von vielen Aufgaben eines Polizeiarztes.

Aktuell sind bundesweit 68 Vollzeit angestellte Ärzte und 90 Honorarärzte, die pro Einsatz bezahlt werden, im Dienst des Innenministeriums (BM.I) tätig. Nicht genug. Derzeit sucht das BM.I mit einem Werbefilm via Facebook Mediziner, die als Polizeiärzte Karriere machen wollen. Initiiert wurde diese Kampagne von Yasmin Frank-Dastmaltschi, Chefärztin im Innenministerium.

Yasmin Frank-Dastmaltschi ist Leiterin des chefärztlichen Dienstes im BM.I.
privat

Warum gerade jetzt diese Werbekampagne läuft, erklärt sie damit, „dass Mediziner generell wenig Information über die Aufgaben eines Polizeiarztes haben“. Dass diese sich deutlich von der Arbeit im Krankenhaus und in der Ordination unterscheiden, liegt auf der Hand. „Dazu gehören unter anderem die Untersuchung und Einweisung psychisch Kranker nach dem Unterbringungsgesetz sowie die medizinische Betreuung von Angehaltenen in Haft“, erklärt Frank-Dastmaltschi.

Polizeiarzt entscheidet über Dienstfähigkeit

„Wird man bei einem Spaziergang von einem fremden Hund gebissen, erfolgt eine Überprüfung durch den Polizeiarzt zwecks Dokumentation der Verletzung“, nennt sie ein weiteres Beispiel. Kriminalpolizeiliche Leichenbeschau, die Feststellung des Grades der Alkoholeinwirkung oder der Suchtgiftbeeinträchtigung bei Verkehrsteilnehmern gehören ebenfalls zu den Aufgaben eines Polizeiarztes.

Ebenso die hygienische Überwachung der Amtsräume, Kontrolle von Ausrüstungsgegenständen, Schulungstätigkeit des Sanitätspersonals und die medizinische Betreuung im Einsatzfall. Ein Polizeiarzt entscheidet auch über die Dienstfähigkeit von Exekutivbeamten, wenn mitunter gröbere körperliche oder psychische Probleme auftreten.

Voraussetzung zur Bewerbung ist die Ausbildung zum Allgemeinmediziner oder eine abgeschlossene Facharztausbildung sowie ein gültiges Notarztdiplom. Das Innenministerium braucht vor allem Ärzte für den fremdenpolizeilichen Bereich. Ihre Aufgabe ist die medizinische Betreuung im Rahmen von FRONTEX-Einsätzen. „Das heißt, Polizeiärzte sind bei fremdenpolizeilichen Begleitungen dabei. Falls erforderlich, kann Erste Hilfe geleistet werden. Bei Bedarf ist noch ein Polizeisanitäter zusätzlich vor Ort.“