Autodiebesbande gefasst: Vier Verdächtige in U-Haft. Die SOKO Kfz der Landespolizeidirektion Burgenland hat eine Diebesbande ausgehoben, die allein im heurigen Jahr 36 Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 630.000 Euro gestohlen haben soll.

Von APA Red. Erstellt am 26. September 2017 (15:03)
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Symbolbild

Die vier Serben waren im Juli erwischt und festgenommen worden, als sie in Wien zwei Autos stehlen wollten, teilte die Polizei am Dienstag mit. Alle vier befinden sich in U-Haft in Wien und sind nicht geständig.

Laut den Ermittlern waren die Verdächtigen im Alter zwischen 34 und 46 Jahren auf sehr professionelle Weise vorgegangen. Die zumeist in Parkgaragen und gesperrten Parkplätzen von Mehrparteienhäuser abgestellten Fahrzeuge waren bereits Wochen vor dem Diebstahl ausgewählt worden. Die Täter brachen diese mittels elektrischer Hilfsmittel auf, ohne dabei merkbare Spuren zu hinterlassen. Danach wurde die Bordelektronik ausgelesen um anschließend einen Schlüsselrohling passend für das Auto zu programmieren.

Die Daten wurden weiters dazu genutzt, um die Fahrzeugpapiere zu fälschen. Die Täter verwendeten dafür originale Blanko-Zulassungsscheine, welche sie aus einer Wiener Zulassungsstelle gestohlen hatten. Teilweise verwendeten sie auch die originalen Papiere, welche die Besitzer im Auto aufbewahrt hatten.

Die Diebstähle selbst fanden meist erst Wochen später statt. Für jeden Wagen gab es ein eigenes "Päckchen", in dem sich der nachgemachte Schlüssel, der gefälschte Zulassungsschein, Informationen zum Standort des Fahrzeugs und gegebenenfalls sogar die Garagenfernbedienung befand - "wie bei einer Autovermietung", erklärte Gerhard Braunschmidt von der SOKO Kfz. Die Diebstähle dauerten daher nur wenige Minuten und fanden meist in der Nacht statt. Die gestohlenen Autos wurden dann über Ungarn nach Serbien gebracht.

Zugriff erfolgte bei Coup in Wien

Die Autodiebesbande war am 13. Juli in Wien gefasst worden, als sie dabei war, zwei Autos aus Tiefgaragen zu stehlen. Dem Zugriff durch die Beamten war eine umfangreiche Observation vorausgegangen, teilte die Landespolizeidirektion Burgenland am Dienstag mit.

Im Mai sei verstärkt der Diebstahl von Fahrzeugen im Wiener Bereich festgestellt worden, berichtete Andreas Köck, stellvertretender Leiter der SOKO Kfz. In Zusammenarbeit mit FRONTEX und den serbischen Kollegen wurden die Diebstähle auf eine Tätergruppe eingegrenzt und mehrere Personen unter polizeiliche Beobachtung gestellt. Wie sich herausstellte, pendelten die Verdächtigen mit Reisebussen von Belgrad nach Wien und fuhren von dort mit gestohlenen Fahrzeugen wieder nach Serbien zurück.

Am 12. Juli identifizierte die Polizei bei der Einreisekontrolle in Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) schließlich in einem Reisebus zwei Verdächtige. Eine umfangreiche Observation ergab, dass sich diese in Wien mit zwei weiteren Personen trafen und zwei Tiefgaragen in den Bezirken Meidling und Floridsdorf aufsuchten. Als sie am Abend des nächsten Tages erneut zu den Tiefgaragen kamen und mit den Autos wegfahren wollten, erfolgte der Zugriff.

36 Taten in Wien und Niederösterreich

Bei der Durchsuchung einer Wohnung und eines Hotelzimmers in Wien, in dem die Täter übernachtet hatten, stellten die Beamten unter anderem die elektrischen Einbruchswerkzeuge, einen Laptop, die Blanko-Zulassungsscheine, fertige Päckchen sowie etwa 30 Schlüsselrohlinge sicher.

36 Taten in Wien und Niederösterreich konnten dem Quartett nachgewiesen werden, laut Köck dürfte es sich dabei aber nur um zehn bis zwanzig Prozent der tatsächlichen Diebstähle handeln. Es werden weitere Taten im Ausland vermutet.

Landespolizeidirektorstellvertreter Christian Stella lobte die Arbeit der SOKO Kfz. Seit der Installation der Sonderkommission im Jahr 2009 sei die Zahl der Kfz-Diebstähle um fast zwei Drittel zurückgegangen. Seither wurden etwa 1.500 Fahrzeugdiebstähle nachgewiesen und rund 300 Täter festgenommen.