Fall Wastl: Ende mit Schrecken?. Familie entsetzt / Das Urteil gegen den Beklagten erschüttert Heidrun Wastls Angehörige.

Erstellt am 30. Juni 2013 (17:18)
Der Angeklagte: Seit vergangenem Mittwoch ein freier Mann.Schranz
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Von Mathias Schranz

Zwölf Monate Haft wegen Im-Stich-Lassen eines Verletzten lautet das rechtskräftige Urteil der Geschworenen am Landesgericht Wiener Neustadt: Der verdächtige Tischler im Fall Heidrun Wastl ist ein freier Mann. Die Strafe hat der Tischler bereits in der Untersuchungshaft verbüßt – er wurde noch am Mittwoch enthaftet. Dabei war es denkbar knapp: 4:4 entschieden die acht Geschworenen in der Mord-Frage; bei einer Patt-Stellung wird immer „im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden.

Für Ehemann Paul Wastl und die Familie von Heidrun Wastl ist das ein Schlag ins Gesicht. „Wir wissen jetzt genauso viel wie vor zwei Jahren. Was mit unserer Heidi wirklich passiert ist und wo sie ist, wissen wir noch immer nicht“, so ein Angehöriger der Familie zur NÖN. Deswegen will die Familie nochmals einen Aufruf starten: „Wir bitten darum, weiterhin Hinweise an das Bundeskriminalamt zu liefern. Vielleicht gibt es Beobachtungen, die doch noch weiterhelfen können.“ Denn was am Tag des Verschwindens, dem 29. September 2001, wirklich passiert ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. Bisher sind die Ermittler auf die Version des Tischlers angewiesen – und der hat im Laufe der Jahre viele Versionen aufgetischt. Beim Prozess behauptete er auch überraschend, dass auch Ehemann Paul Wastl beim gemeinsamen Spaziergang im Wald bei Ofenbach aufgetaucht sei. Im Zuge einer Stoßerei des Ehemanns sei Heidrun Wastl in einen Graben gefallen und hätte sich tödlich verletzt. Paul Wastl sei davongefahren, auch er selbst sei wenig später in Panik geflüchtet, so der Angeklagte.

„Du sitzt zu Hause und  kannst nur beten“

Bei der Verhandlung war Ehemann Paul Wastl sichtlich aufgebracht: „Das ist eine komplette Lüge!“ entgegnete er Richter Gerald Grafl, als ihn der auf die Version des Angeklagten ansprach. Das Leben hätte sich seit dem Verschwinden seiner Frau nicht normalisiert, mehrmals brach er während seiner Aussage in Tränen aus. „Du sitzt zu Hause und kannst nichts machen, außer beten“, beschrieb er seine Machtlosigkeit, „ich liebe meine Frau noch immer.“

Die Leiche von Heidrun Wastl, sie wurde mittlerweile offiziell für tot erklärt, wurde trotz zahlreicher Suchaktionen im Wald bei Ofenbach nicht gefunden. Erst vor wenigen Tagen wurden in den Gräben des Waldstücks neuerliche Grabungen vorgenommen, nachdem Metallsuchgeräte ausgeschlagen hatten. Allerdings sei nichts gefunden worden, erklärte Richter Grafl beim Prozess.

Mit dem Urteil ist der „Fall Heidrun Wastl“ für die Cold-Case-Einheit des Bundeskriminalamts nicht abgeschlossen. Man will weiterhin nach der Leiche suchen – dafür sind aber wohl neue Anhaltspunkte notwenig.

Und mit dem Fund der Leiche könnte auch das Verfahren wieder aufgenommen werden.