Erstellt am 13. Januar 2017, 11:04

von NÖN Redaktion

Kostenverrechnung für Einsätze: Bergrettung klärt auf. In den letzten Tagen wurden die Einsatzkosten der Bergrettung in den Medien oft zum Thema. Anlass waren ein Einsatz in Salzburg, der den Verunfallten mit 10.000 Euro zu Buche schlägt und ein Einsatz in Oberösterreich, der mit 17.000 Euro verrechnet wird.

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Auch der Einsatz in den Ötscher-Tormäuern zur Rettung der beiden Eiskletterer wird vermutlich aufgrund der langen Einsatzzeit eher kostspielig werden, die genaue Summe liegt aber noch nicht vor. Es kursieren in der Bevölkerung einige Missverständnisse, die Bergrettung will mit ein paar FAQs ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und Verständnis für derartige Summen schaffen.

Bekommt der Verunfallte eine Rechnung von der Bergrettung?

Die Bergrettung stellt für die Einsätze eine Kostennote an den Verunfallten oder in Not Geratenen. Eine Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung, Mitgliedschaft bei alpinen Vereinen oder Zusatzversicherungen bei Kreditkarten, Automobilclubs oder der Versicherungsgesellschaft decken die Bergungskosten ab. Dieses Geld wird in erster Linie für Material- und Ausbildungskosten aufgewendet.

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Auch von an der Bergung beteiligten anderen Organisationen, wie Rettung, ÖAMTC (Hubschrauber) oder Feuerwehr werden Kostennoten an den Patienten gestellt. Sich zu versichern zahlt sich auf jeden Fall aus, vor allem, wenn man viel im unwegsamen Gelände unterwegs ist.

Wie funktioniert die Bergungskosten-Vorsorge für 24 Euro im Jahr?

Bei Unfällen im alpinen Gelände übernimmt die Sozialversicherung keine Bergungskosten. Mit einem Fördererbeitrag von mindestens 24 Euro jährlich wird man außerordentliches Mitglied der Bergrettung und die Generali-Versicherung übernimmt im Notfall anfallende Such- und Bergungskosten. Diese Vereinbarung gilt für die gesamte Familie beziehungsweise Lebensgefährtin oder Lebensgefährten und auch Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr im gemeinsamen Haushalt des Förderers.

Die Bergungskosten-Vorsorge gilt weltweit und beinhaltet Boden- und Flugrettung aus Berg- und Wassernot bis zu einem Höchstbetrag von Euro 15.000,–. Inkludiert sind auch Hilfeleistungen nach Pistenunfällen oder bei Flugsportarten wie Paragliding. Mehr Infos: https://www.oebrd.at/foerderer-partner/

Was verdient ein Bergretter?

Die Bergrettung in Österreich besteht zum Großteil aus freiwilligem Engagement, in Niederösterreich beträgt der Anteil 99,846 Prozent. Vom aktiven Bergretter in der Ortsstelle bis zum Präsidenten des Bundesverbandes arbeiten alle Mitglieder und Funktionäre ehrenamtlich, er verdient also für seine Arbeit kein Geld. Es gibt in der Landesleitung Niederösterreich/Wien nur zwei Angestellte, die sich um organisatorische und administrative Angelegenheiten kümmern.

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Wie finanziert sich die Bergrettung?

  •  Die Bergrettung NÖ finanziert sich zu 50 Prozent über Mitgliedsbeiträge der Fördererer
  • Zudem erhält die Rettungsorganisation Förderungen von der Landesregierung.
  • Als dritte Säule stellt die Verrechnung der Einsätze die veränderlichste Variable dar.

Von den 120.000 ehrenamtlichen Stunden, die Bergretter pro Jahr in Niederösterreich leisten, verrechnet die Bergrettung nur die ca. 4.000 bis 5.000 Einsatzstunden

Was passiert mit dem Geld?

Finanziert wird mit dem Geld unter anderem die Ausbildung und die Versicherung der Mitglieder sowie Material für Einsätze und Übungen. Die persönliche Ausrüstung wie Klettergurt, Schi und Helm oder Kleidung wird von den Bergrettern zu einem großen Teil selbst finanziert.

Obwohl Bergretterinnen und Bergretter ihre Freizeit fürs Ehrenamt aufwenden und keinen Euro als Person bezahlt bekommen, braucht die Organisation trotzdem viel Geld zur Bewältigung der Aufgaben. Über 60 Fahrzeuge (Autos, Skidoos, Quads) und über 60 Stützpunkte (Hütten und Meldestellen) und 30 Zentralen, Spezialgeräte, Material, Quartier und Verpflegung bei Kursen stellen die Handlungsfähigkeit der alpinen Rettungstruppe sicher.