Fehltritt: 19-Jährige erfand ein Verbrechen. Fatale Lüge / Um die Untreue vor dem Freund zu vertuschen, bezichtigte 19-Jährige den „Gespielen für eine Nacht“ der Vergewaltigung.

Erstellt am 23. Juni 2013 (14:53)
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Von Jutta Hahslinger

Große Augen macht die Kremser Schulklasse, als die Beschuldigte den Gerichtssaal betritt. Ein Raunen geht durch die Reihen: „Die ist ja kaum älter als wir.“ Aufmerksam verfolgen die Schülerinnen dann das Prozessgeschehen und erfahren, wie schnell man vor einem Strafrichter stehen kann, wenn man vor Ermittlungsbehörden wissentlich die Unwahrheit sagt.

Nach einem Seitensprung plagte eine 19-jährige Kremserin gegenüber ihrem Freund das schlechte Gewissen. Um Beziehungsprobleme zu vermeiden, machte sie aus dem Fehltritt ein Verbrechen: Sie bezichtigte den Gespielen, einen Hadersdorfer, der Vergewaltigung.

Die folgenschweren Konsequenzen für den 30-Jährigen bedachte die Kremserin nicht. Auch bei der ersten Polizeieinvernahme zeigte sich die 19-Jährige noch abgebrüht und blieb bei der erfundenen Vergewaltigung. Doch die einfühlsamen und mahnenden Worte der vernehmenden Polizeibeamtin Olivia S. (35) punkto Wahrheitspflicht zeigten, zum Glück für den Hadersdorfer, Wirkung: Die Kremserin gab schließlich doch noch zu, gelogen zu haben. „Das war eine blöde Sache. Ich wollte vor meinem Freund einfach nicht zugeben, dass ich ihn betrogen habe. Ich habe mich bei einer Freundin ausgeweint, und die hat mich auf die Idee gebracht. Dann war das Ganze schon so weit gediehen, dass ich nicht mehr zurück konnte. Es tut mir sehr leid“, versucht die 19-Jährige, sichtlich beschämt, ihre Beweggründe zu erklären.

„Die Beschuldigte hat gut daran getan, ein reumütiges Geständnis abzulegen. Eine falsche Beweisaussage ist kein Bagatelldelikt. Der Strafrahmen beträgt bis zu fünf Jahre“, meint Richter Wittmann harsch. Er verhängt über die bislang Unbescholtene acht Monate bedingt mit einer dreijährigen Probezeit.

Für die anwesende Schulklasse erläutert der Richter: „Die Kremserin hat nun eine Vorstrafe und sie darf sich in den nächsten drei Jahren nichts zuschulden kommen lassen, sonst kann die Strafe widerrufen werden und sie muss ins Gefängnis.“