Waldbrände nehmen dramatisch zu. 64.368 Einsätze haben die freiwilligen Feuerwehren 2019 bewältigt. Das sind zwar um acht Prozent weniger als 2018, aber es zeigt sich, dass die Folgen des Klimawandels spürbar werden: 123 Waldbrände 2019 bedeuten einen Anstieg um 41 Prozent. Das Landesfeuerwehrkommando wird darauf mit Spezialausbildung und Spezialausrüstung reagieren.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 28. Januar 2020 (16:25)
Präsentierten die Feuerwehr-Bilanz 2019: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner und Landesrat Stephan Pernkopf.
NLK Burchhart

"99.600 Mitglieder haben die freiwilligen Feuerwehren Niederöstereichs jetzt", sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei der traditionellen Bilanz-Pressekonferenz des Landesfeuerwehrkommandos. Da sei der Hunderttausender nicht weit entfernt, sie sei sich sicher, der werde in ein bis zwei Jahren erreicht sein. "Die Einsamkeit der Menschen nimmt zu, das Ehrenamt kann hier eine gute Antwort sein", wirbt die Landeshauptfrau um Freiwillige.

2.200 Florianis am Hochkar

Und die wird es brauchen, wie die Ereignisse des Jahres 2019 zeigen: Alleine bei der Schneekatastrophe am Hochkar im Jänner 2019 standen 2.200 Feuerwehrmitglieder im Einsatz, leisteten 28.000 Arbeitsstunden.

Im aktuellen Winter ist Schnee noch kein Thema. Aber im Hinblick auf trockene und heiße Sommer schielt Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner ins ferne Australien, wo Buschfeuer eine Fläche von 800.000 km2 in Brand gesetzt haben. "Dort mussten 6.000 Reservisten aktiviert werden", sagt Fahrafellner. Im Vergleich dazu sei das das Feuerwehrsystem in NÖ "weltweit erstklassig".

Waldbrände: Sonderdienst und eigene Fahrzeuge

123 Mal gab es im Vorjahr Waldbrand-Alarm in NÖ, das ist ein Anstieg um 41 Prozent. Die Flurbrände sind um 12 Prozent angestiegen. Außer in den Bezirken Gmünd und Waidhofen musste im vergangenen Sommer in ganz Niederösterreich die Waldbrandverordnung in Kraft gesetzt werden. "Im vierjährigen Temperaturmittel ist die Temperatur um 1,9 grad Celsius angestiegen", informiert der zuständige Landesrat Stephan Pernkopf. Für die Feuerwehr ist das ein Auftrag, mehr in entsprechende Ausbildung und Ausrüstung zu investieren.

In Portugal und Kroatien haben sich schon im Vorjahr Teams der FF NÖ bei ihren Kollegen vor Ort über Waldbrand-Bekämpfung informiert. Nun sollen 500 Floriani eigens für die Waldbrandbekämpfung ausgebildet werden: Parallel zu Spezialdiensten wie Tauch- oder Stahlenschutzdienst wird ein Sonderdienst Waldbrand eingeführt werden. Und es werden 18 Waldbrandfahrzeuge - es sind dies extrem geländegängige Kfz - angeschafft werden.

Steuer-Rückvergütung: Hoffen auf Blümel

Ebenfalls einzigartig in NÖ ist die Rückvergütung der Mehrwertsteuer für vorgeschriebene FF-Fahrzeuge. Das, sagt Fahrafellner, solle bundesweit umgesetzt werden. "Der neue Finanzminister Gernot Blümel ist ausgebildeter Feuerwehrmann", sagt Fahrafellner; er sei daher guter Hoffnung, dass der Minister hier mit sich reden lasse.
In NÖ wurde die neue Regelung 2019 für 149 neue FF-Fahrzeuge in Anspruch genommen, 4,2 Millionen Euro wurden refundiert.

Die FF-Bilanz 2019 in Zahlen:

  • Einsätze insgesamt: 64.368 (-8%)
  • Brandeinsätze: 4.172 (+6%)
  • Technische Einsätze: 40.310 (-11%)
  • Brandsicherheitswachen: 14.481 (-5%)
  • Arbeitsstunden gesamt: 8 Millionen

Mitglieder 2019:

  • Gesamt: 99.608 (+1%)
  • Frauen: 7.844 (+6%)
  • Jugend: 6.237 (+5%)

Besondere Projekte:

  • Eröffnung Containerterminal: 80 Abstellplätze für Lkw-Container, beladen mit Einsatzgeräten für den Katastropheneinsatz
  • Kinderfeuerwehr: Seit dem Vorjahr dürfen 8-Jährige der Kinderfeuerwehr beitreten. Mit zehn Jahren werden sie von der Feuerwehrjugend übernommen, ab dem 15. Lebensjahr in den aktiven Dienst. Dann dürfen die Jugendlichen bei Einsätzen mitfahren.
  • KAT19 - Feuerwehr hautnah: 15.000 Besucher kamen am 21. September 2019 zum Tag der offenen Tür aufs Gelände des Landesfeuerwehrverbandes in Tulln.