Coronavirus: Fieber-Messungen für China-Fluggäste. Bei jenen pro Woche drei Flugzeugen der Air China, die am Flughafen Wien aus Peking ankommen, gibt es ab sofort bereits in der Maschine Körpertemperaturkontrollen. Diese Maßnahme zur weiteren Verringerung eines Einschleppens des neuen Coronavirus nach Österreich wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Tower des Airport präsentiert.

Von APA, Redaktion. Update am 06. Februar 2020 (11:30)
Temperaturmessungen am Flughafen Wien
APA (Symbolbild)

"Tatsächlich ist es so, dass es in China bisher etwa 30.000 Erkrankte gibt. In Europa sind es 28, in Österreich null. Das Virus ist in Europa angekommen. Es gibt absolut keinen Grund zur Panik", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Während sich 2019-nCoV in der chinesischen Krisenregion Hubei weiterhin sehr stark ausbreite, sei die Fallzahl in Europa bisher "sehr, sehr überschaubar".

Anschober stellte die neue Maßnahme am Flughafen Wien-Schwechat als einen der vielen Bestandteile getätigter und vorbereiteter Maßnahmen zur Kontrolle der Ausbreitung des neuen Coronavirus dar: "Die Einreise aus China kann auf verschiedenen Weg erfolgen." Reisende könnten ja auch in Bratislava oder München etc. landen und dann nach Österreich kommen.

Jedenfalls, so der Minister auch mit Verweis auf die chinesischen Behörden: "Es gibt schon bei der Ausreise in China eine Kontrolle. Es gibt eine Kontrolle im Flug (bei Ankunft in Wien-Schwechat; Anm.). Es werden Gesundheitsfragebögen an die Passagiere ausgeteilt und gehen dann an die Gesundheitsbehörde. Seit heute machen wir eben auch Temperaturchecks." Das erste von der Maßnahme betroffene Flugzeug aus Peking sollte wegen Verspätung erst Donnerstagnachmittag in Schwechat landen.

"Die Temperaturkontrollen werden von vier Rot-Kreuz-Mitarbeitern mit Schutzmasken, Schutzkitteln, Handschuhen mit Handscannern durchgeführt", schilderte die niederösterreichische Landessanitätsdirektorin Irmgard Lechner. "Falls eine erhöhte Temperatur (bei einem Passagier; Anm.) festgestellt wird, werden weitere Schritte gesetzt. Betroffene Personen kommen ins Krankenhaus Mödling oder in das Universitätsklinikum St. Pölten. Dort wird weiter untersucht", erklärte die niederösterreichische Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) das weitere Prozedere bei einem Verdachtsfall.

Die NÖ-Sanitätsdirektorin versicherte, dass das Bundesland als für die Gesundheit erstzuständige Institution genug Kapazitäten für die Isolierung von Patienten mit Coronavirus-Verdacht hätte. "Isolierzimmer gibt es in jedem Landeskrankenhaus. Es ist unser tägliches Brot im Gesundheitswesen, die Ausbreitung von infektiösen Krankheiten zu verhindern", sagte sie.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) betonte das Engagement auch der österreichischen Exekutive: "Wir sind alle froh darüber, dass die Situation in Österreich stabil ist. Die Gesundheitsbehörde kontrolliert die Flüge aus China. Die Polizei schützt diese Kontrollen." Der Ressortchef kündigte an, dass Österreich China 2.000 Schutzbrillen, 50.000 OP-Masken und 2,4 Millionen Einweghandschuhe zur Verfügung stellen wird.

Die Maßnahme der "Entry-Kontrollen" hatte auf politischer Ebene zunächst SPÖ-Chefin und ehemalige Sektionschefin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Pamela Rendi-Wagner, gefordert. "Temperaturscans für Reisende aus China sind ein richtiger und notwendiger Schritt. Hier geht es um die Gesundheit und die Sicherheit aller Menschen. Jede Möglichkeit, die das Risiko verringert, ist zu ergreifen", erklärte sie am Donnerstag gegenüber der APA.

In Österreich und weltweit setzen die Behörden derzeit immer konzertiertere Maßnahmen gegen das neue Coronavirus. "Kommenden Dienstag und Mittwoch werden wir bei der WHO einen weltweiten Expertengipfel haben. Morgen haben wir eine Telefonkonferenz der EU-Gesundheitsminister. Heute gibt es noch eine Sitzung der Gesundheits-Landesräte", sagte Anschober.

Die Frage, ob mit "Entry-Checks" die weltweite Ausbreitung von Infektionskrankheiten effektiv verhindert werden kann, ist unter Experten umstritten. Wirksamer sollen Ausreisekontrollen sein. Insgesamt gehört 2019-nCoV jedenfalls bisher nicht zu den ansteckendsten Krankheitserregern. Irmgard Lechner wies darauf hin, das die Basisreproduktionszahl - die Ansteckungsrate weiterer Menschen durch einen Infizieren - offenbar zwischen 1,4 und 2,5 liege. Ein Masern-Infizierter stecke aber im Durchschnitt 18 weitere Personen an.

Flughafen Wien-Vorstand Günther Ofner verwies auf den geringen Anteil direkt aus China kommender Flugpassagiere. Es seien eben nur die drei Flüge der Air China am Dienstag, Donnerstag und Samstag. "Das sind rund 400 Passagiere von pro Woche 250.000." Sie machen damit lediglich 0,15 Prozent aus.

Laut Anschober gab es Donnerstagvormittag in Österreich drei Coronavirus-Verdachtsfälle. Alle bisher durchgeführten 74 Tests hätten ein negatives Ergebnis gebracht.