Frauen-Pension ist nur halb so hoch wie Männer-Pension. Rund 2.130 Euro Pension erhält ein durchschnittlicher Mann in Niederösterreich. Das sind genau 42,4 Prozent mehr, als die durchschnittliche niederösterreichische Frau, die mit nur rund 1.227 Euro zurechtkommen muss. Bereits in jungen Jahren sollte man deshalb an seine Pension denken.

Von Anna Perazzolo. Erstellt am 03. August 2021 (13:27)
Equal Pension Day
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Der „Equal Pension Day“ soll auf die ungleiche Aufteilung von Pensionen aufmerksam machen. In Niederösterreich wird dieser Stichtag drei Tage nach dem Bundesschnitt begangen. Die Gründe für die geringere Pension von Frauen sind allerdings vielseitig, , sagt Winfried Pinggera, Generaldirektor der Pensionsversicherungsanstalt (PVA). „Einer davon spiegelt sich im aktiven Berufsleben wider“. Da Frauen häufig in schlechter bezahlten Branchen und Positionen arbeiten, sei auch das Pensionseinkommen geringer.

Teilzeit als Pensionskiller

Aber auch lange Teilzeitperioden senken das Pensionsniveau, sagt Christine Mayrhuber, Pensions-Expertin vom Wifo (Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung). Allein in Niederösterreich waren im Jahr 2019 46,6 Prozent der Frauen in Teilzeit beschäftigt. Jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet nicht Vollzeit, während nur 9,3 Prozent der niederösterreichischen Männer in Teilzeit beschäftigt sind, so die Zahlen des Statistischen Handbuchs Niederösterreich.

Grund dafür sei, wie auch eine aktuelle Studie des Wifo gemeinsam mit der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) zeigt, dass noch immer Frauen den Großteil der Pflegearbeit übernehmen. Die unentgeltliche Arbeit belaste die Frauen doppelt und dreifach, so die Expertin.

Trend geht in Richtung Teilzeit

Equal Pension Day
Viele Frauen können aufgrund der von ihnen zusätzlich verrichteten Pflegearbeit, sei es von Kindern, Großeltern oder dem Haushalt, nur Teilzeit arbeiten. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der in Teilzeit beschäftigten Frauen ohne Kind.
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Trotz der schlechten Pensionsbeitragszahlungen bei Teilzeitanstellungen gehe der Trend aber genau in diese Richtung, so Winfried Pinggera von der PVA. „Vor allem auch gut ausgebildete Frauen, bei denen der wirtschaftliche Druck geringer ist, bleiben länger in einer Teilzeitanstellung.“

Und tatsächlich hat die Teilzeitquote der Frauen seit 2004 um 8,3 Prozent zugenommen, so die Befunde des Wifo. Einen Zusammenhang von Teilzeitbeschäftigungsquote und Kindern gebe es aber nur bedingt. Während 12,6 Prozent mehr Frauen mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit arbeiten, ist auch die Teilzeitbeschäftigungsrate von Frauen ohne Kinder um 6,3 Prozent gestiegen.

Angleichung des Pensionsantrittsalters 

Ein Mittel zur Angleichung der Pensionen zwischen Männern und Frauen könnte die ab 2024 geplante Anhebung des Pensionsantrittsalters von Frauen auf 65 Jahre sein, so Pinggera von der PVA. Grund dafür seien neben den längeren Beitragszahlungen, Fortbildungen und Karrieresprünge, die noch im höheren Alter absolviert werden können. Anders schätzt das die Wifo-Expertin ein: „Ich bin da nicht so optimistisch“, so Mayrhuber. Die Betriebe seien auf die Anhebung des Pensionsalters nämlich noch nicht vorbereitet.

Tipps für junge Frauen

Um dem vorzubeugen sei es wichtig schon in jungen Jahren an die Pension zu denken. „Auch, wenn man noch in der Ausbildung ist und geringfügig arbeitet, sollte man die Pensionsversicherung in Anspruch nehmen“, so die Pensions-Expertin. Aber auch lange Teilzeitperioden seien nicht ratsam. „Ein kurzfristiger Rückzug aus dem Arbeitsmarkt kann nämlich langfristige Folgen haben“. Dafür gebe es aber gute Beratungsstellen, so Mayrhuber.

Die Pensionsvorsorge beginne aber schon vor Berufsantritt, so Pinggera von der PVA. „Junge Frauen sollen sich auf jeden Fall gut ausbilden lassen und sich nicht sagen lassen, welche Berufe für sie geeignet sind und welche nicht. Denn dort findet die unterschiedliche Bezahlung ihren Ursprung“.