Taskforce gegen Vogel-Vergifter. Vergiftungsfälle und Schussattacken: Niederösterreich ist trauriger Spitzenreiter bei Attacken gegen Greifvögel.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 02. April 2019 (02:43)

Seeadler, Rotmilane, Mäusebussarde: Sie alle wurden in den vergangenen Wochen in den Bezirken Gänserndorf und Mistelbach tot aufgefunden. Bei den meisten liegt der Verdacht auf Vergiftung nahe. Erst in der Vorwoche hat sich bei einem im Waldviertel im Jänner tot aufgefundenen Seeadler der Verdacht einer Carbofuran-Vergiftung bestätigt. Einem toten Mäusebussard, der bei Haringsee entdeckt wurde, fehlten die Fänge, ein weiteres Exemplar wurde bei Ottenthal abgeschossen. Der Wiener Tierschutzverein hat mittlerweile 3.000 Euro zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

Hotspot Weinviertel

Laut Vogelschutzorganisation „BirdLife“ ist Niederösterreich trauriger Spitzenreiter bei der Greifvogelverfolgung. Seit 2010 wurden rund 70 Greifvögel vergiftet und ebenso viele illegal abgeschossen. BirdLife geht von einer noch höheren Dunkelziffer aus. Die meisten Tiere werden im Weinviertel getötet. Trauriger Tiefpunkt war Windisch-Baumgarten 2016 mit mehr als 30 toten Greifvögeln. In Großenzersdorf wurden in diesem Jahr bereits rund zehn Greifvögel und ebenso viele Säugetiere vergiftet. Allein zehn tote Rotmilane wurden in den letzten Jahren im Raum Zisterdorf gemeldet. Je ein Kaiseradler wurde 2016 bei Tulln und 2015 bei Zwingendorf vergiftet. 37 Rohrweihen wurden 2015 in Stronsdorf abgeschossen.

Sylvia Scherhaufer, Generalsekretärin des Landesjagdverbandes, nennt den Gifteinsatz gegen Wildtiere „offenen Rechtsbruch, den der Verband auf das Schärfste verurteilt. Es widerspricht den Grundsätzen der Jagd und Weidgerechtigkeit“.

Das Täterprofil

Die Ausforschung ist laut Polizei oft schwierig. Die wenigen überführten Täter hatten aber laut BirdLife einen jagdlichen Hintergrund. „Es geht oft um ein veraltetes Naturverständnis, dass Greifvögeln und anderen Beutegreifern keinen Platz einräumt. Greifvögel werden für geringe Niederwilddichten verantwortlich gemacht, obwohl der Wandel der Landwirtschaft oder Straßenverkehr die Hauptgründe sind. Nicht zuletzt auch die Jagd selbst. Leider wird vonseiten mancher Jäger öffentlich Stimmung gegen Greifvögel gemacht“, sagt Matthias Schmidt, Greifvogelexperte von BirdLife. Dass die Beutegreifer Konkurrenten der Jäger wären, sei falsch. „Hasen machen nur einen geringen Teil der Nahrung von Mäusebussarden aus, trotzdem ist er das häufigste Opfer.“

Dass solche Taten unter dem Vorwand passieren, das Niederwild zu schützen, bestätigt Josef Friedl, Leiter des Bereichs Umweltkriminalität im Landeskriminalamt. Die Täter, sagt er, sind meist männlich und kennen die Gegend, in der sie wildern, „wie ihre Westentasche“.

Die Vorgehensweise

Meist werden Greifvögel mit Planzenschutzmitteln wie dem Insektizid „Carbofuran“ vergiftet. Die lilfarbenen oder farblosen Carbofuran-Kügelchen sind seit 2008 in Österreich verboten.

Auf eine derartige „vorsätzliche Gefährdung des Tier- und Pflanzenbestandes“ stehen übrigens bis zu zwei Jahre Haft.

Taskforce als Gegenstrategie

Die Jägerschaft unterstützt bei Giftverdachtsmeldungen die Polizei, sei es durch die rasche Anzeige, bei der Beweissicherung oder mit Expertise. Aufgrund der Häufung der Vergiftungsfälle ist eine Taskforce von Jagdverband, Behörde und Polizei geplant, die Mitte April ihre Arbeit aufnehmen soll.

Seit 2003 engagieren sich die Umweltschutzorganisation WWF und der Landesjagdverband mit der Aktion „Vorsicht – Gift“ gegen das illegale Auslegen von Giftködern. Seither ist die Zahl an ausgelegten Ködern zurückgegangen. Scherhaufer: „Wir appellieren an die Jägerschaft und Spaziergänger, tote oder verletzte Tiere zu melden.“