Gemeinnütziges Testament: Die gute Tat als letzter Wille

Mehr als 7 Millionen Euro fielen in Österreich in den vergangenen drei Jahren an den Staat zurück, weil Erben unauffindbar bzw. nicht feststellbar waren. Für immer mehr Erblasser ist auch die Testamentsspende eine Option, 19 Prozent der Niederösterreicher können sich ein gemeinnütziges Testament vorstellen.

Sarah Prankl Erstellt am 14. Oktober 2021 | 19:18

67 Prozent der Niederösterreicher über 40 Jahren haben kein Testament. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung, die Anzahl der Kinder pro Familie nimmt ab und es gibt tendenziell mehr Alleinstehende. Umso wichtiger wird die Frage, wem dann der Besitz nach dem eigenen Ableben zukommen soll: ob Kindern, Partnern, Angehörigen oder auch wohltätigen Organisationen.

Vor allem wenn der gesetzlich vorgeschriebene Erbweg nicht den eigenen Wünschen entspricht, müsse man sein persönliches Testament verfassen, sagt der St. Pöltner Notar Leopold Dirnegger. Wenn das nicht passiert, greife der gesetzliche Weg.

Dieser sieht für Kinder und Ehepartner sowie je nach Situation auch für Eltern und Geschwister einen Erbanteil vor. Für nicht eingetragene Partner könnte es aber problematisch werden: „Selbst wenn ich 25 Jahre in einer gemeinsamen Wohnung wohne, vor dem Erbrecht bin ich in Wahrheit fremd und habe wenige Ansprüche“, so Dirnegger. Auch eine wohltätige Organisation ist als Erbnehmer im gesetzlichen Rahmen nicht festgehalten. Mit einem Testament kann das geändert werden.

Auch nach dem Leben Gutes tun

„Viele Leute möchten selbstbestimmt regeln, was nach dem Leben mit ihrem Erbe passiert. Und viele wollen für gemeinnützige Organisationen spenden, die ihnen schon zu Lebzeitenwichtig waren“, erläutert Markus Aichelburg von der Initiative „Vergissmeinnicht“. Seit 2012 unterstützt der Verein jene Menschen, die mit einer Testamentsspende der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen. Dazu arbeiten sie mit 97 Partnerorganisationen aus Bereichen wie Gesundheit, Menschenrechte, Umweltschutz oder Wissenschaft und Bildung zusammen.

Das Hilfswerk International ist eine dieser Partnerorganisationen: „Es gibt Spenderinnen und Spender, die können sich erinnern wie es ist, Hunger zu leiden. Sie wünschen sich, dass das kein Mensch mehr erleben soll. Deswegen spenden sie dann an die Hungerhilfe“, betont Bianca Weissel vom Hilfswerk International. Die Organisation setzt sich für Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenschutz in Afrika, Asien und Teilen Europas ein. Mit den Testamentsspenden konnten sie beispielsweise Mutterhäuser in Mosambik errichten, wodurch die Kindersterblichkeit um 80 Prozent reduziert werden konnte. "Testamentsspenden sind ein Game-Changer. Sie machen den Unterschied zwischen Armut und Reichtum sowie zwischen Leben und Tod aus", ist sich Weissel sicher.

Für alle, die sich um ihre Verlassenschaften frühzeitig kümmern möchten, gibt Dirnegger den Tipp, dass auch handgeschriebene Testamente vom Notar auf deren Gültigkeit überprüft werden sollten. Dies ist im Rahmen der ersten Rechtsberatung kostenlos möglich.

Mehr Infos: Verein "Vergissmeinnicht"