Messerattacke auf Jugendlichen: 16-Jähriger vor Gericht. Im Prozess in Korneuburg gegen einen 16-Jährigen, der einen 15-Jährigen vor einer Schule in Wien-Währing mit einem Küchenmesser attackiert haben soll, haben sich die Geschworenen am Freitagnachmittag zur Beratung zurückgezogen.

Von APA Red. Update am 11. Januar 2019 (15:35)
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Der Staatsanwalt forderte in seinem Schlussvortrag eine Verurteilung wegen versuchten Mordes, die Verteidigerin einen Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung.

Seitens des Staatsanwaltes wurde erneut betont, dass zwei Mal auf das Opfer eingestochen worden war. "Wenn der sich nicht so geschickt weggedreht hätte, gehe ich davon aus, dass der zweite Stich Richtung Herzgegend eingedrungen wäre", so der Vertreter der Anklagebehörde. Der 16-Jährige habe gewollt, dass die Erpressung aufhört. "Und die hört auf jeden Fall auf, wenn der Erpresser tot ist." Der einschlägig vorbestrafte 15-Jährige sei wegen schwerer Erpressung schuldig zu sprechen.

Davorka Situm-Ceovic, die Verteidigerin des 16-Jährigen, sagte in ihrem Plädoyer: "Es ist klar, wer in den Bauch oder den Arm sticht, will nicht töten." Mildernd zu werten sei bei einem Schuldspruch unter anderem die massive Drucksituation, in der sich der Kroate befunden habe.

Die Laienrichter haben hinsichtlich des 16-Jährigen über die Hauptfrage nach versuchtem Mord und die Eventualfragen nach absichtlicher schwerer Körperverletzung und schwerer Körperverletzung zu beraten. Im Bezug auf den 15-Jährigen stehen die Hauptfragen nach Erpressung und schwerer Erpressung im Raum. Der Verteidiger des 15 Jahre alten Zweitangeklagten, Manfred Ainedter, forderte für seinen Mandanten eine Verurteilung wegen Erpressung "mit einer moderaten Strafe". Eine Drohung gegen Leib und Leben habe "in keiner Weise stattgefunden."

Der 15-Jährige wurde nach der Messerattacke am 2. Mai stationär im Wiener AKH aufgenommen. Er hatte laut einem vorgetragenen medizinischen Gutachten Stichverletzungen am rechten Unterbauch, am linken Oberarm sowie in der linken, seitlichen Brustwand erlitten, mehrere Bauchorgane wurden lädiert.

Durch massive Einblutungen in die Bauchhöhle habe sich ein "unmittelbar lebensbedrohliches Verletzungsbild" ergeben, hielt der Gutachter fest. Das Opfer musste operiert werden. Das Verletzungsbild sei durch zwei Stichbewegungen "nachvollziehbar zu erklären". Beim Vortrag des psychologischen Gutachtens wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Geschworenen gingen gegen 15.00 Uhr in Beratung. Ein Urteil wurde für den späten Nachmittag erwartet.

 

Wir hatten berichtet:

Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen einen 16-Jährigen sind am Freitagvormittag der Beschuldigte und das 15-jährige Opfer befragt worden. Der Ältere erklärte, dass er nicht wisse, warum er das Messer gezogen habe, sein Kopf sei in diesem Moment "wie leer" gewesen. Unterschiedliche Angaben machten die beiden zur Anzahl der verübten Stiche.

Der 16-jährige kroatische Staatsbürger beschrieb, dass er vor anderen Jugendlichen über die Schwester des 15-Jährigen gesagt habe, dass diese hübsch sei. Der Jüngere habe ihn später angerufen und gesagt, dass es Klärungsbedarf gebe. Bei einem vereinbarten Treffen in der Nähe der Schule habe er ein Butterfly-Messer mitgehabt, "weil ich gefürchtet habe, dass er mit jemandem kommt". Der 15-Jährige habe danach auf ihn eingeschlagen, er habe blaue Flecken davongetragen.

Einige Tage darauf habe das spätere Opfer zwei Mal telefonisch 200 Euro verlangt. "Ich habe mir gedacht, besser ich gebe ihm das Geld, bevor etwas Schlimmeres passiert. Ich hatte Angst, dass er mich wieder verprügelt", sagte der Kroate. Ende April wollte der Jüngere weitere 1.700 Euro - Geld, das der 16-Jährige nicht hatte. Am 2. Mai habe er das Küchenmesser in der Früh zur Schule mitgenommen, wo es zu einem Treffen mit dem 15-Jährigen kommen sollte. "Ich habe mir vorgestellt, dass er auf mich losgehen wird, wenn ich sage, dass ich das Geld nicht habe."

Auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt "war mein Kopf einfach wie leer", gab der 16-Jährige zu Protokoll. Das Küchenmesser habe er in seinem Pullover versteckt gehabt. "Ich weiß auch nicht, warum ich das Messer sofort rausgezogen habe", dies sei "automatisch" passiert. Es sei kein Wort gesprochen worden, er habe dem Opfer einmal in den Bauch gestochen. An einen zweiten Stich könne er sich nicht erinnern. Danach habe ein älterer Mann gerufen: "Leg das Messer weg!" Das habe er dann auch getan. Mit dem Messer habe er seinen Kontrahenten nur einschüchtern und leicht verletzen wollen, damit dieser die Erpressungen bleiben lässt.

Der 15-Jährige, der zuerst einvernommen worden war, sagte, er habe seinem ehemaligen Mitschüler beim Treffen vor der Schule die Hand zur Begrüßung geben wollen. "Dann habe ich plötzlich gesehen, dass ich ein Messer im Bauch hatte", sagte der Jüngere, der von zwei Stichen sprach. Auch ein Zeuge, der die Attacke aus nächster Nähe gesehen hatte, sagte im Rahmen der Befragung, dass der Kroate zweimal zustach.

Der 16-Jährige habe in der Schule sehr deftige Worte über seine Schwester geäußert und diese auch bei dem späteren Treffen wiederholt, sagte das Opfer. Daraufhin sei es zu einer Schlägerei gekommen. "Für mich ist meine Schwester einfach wichtig und ich mag nicht, wenn jemand sowas äußert vor einem anderen." Bedroht habe er den 16-Jährigen "erst bei den 1.700 Euro", sagte der Jüngere. Er habe am Telefon gesagt: "Wenn du das Geld nicht bringst, werde ich dich schlagen." Zwei Mal habe ihm der Kroate davor ohne Drohungen 200 Euro übergeben.