Arbeit in einer extremen Situation. Rotkreuz-Mitarbeiterin Maria Swittalek ist als „COVID-19-Abnahme-Mitarbeiter“ unterwegs.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 23. April 2020 (06:39)
Testerin Maria Swittalek.
RK NÖ/L. Hürner

Haben Sie gemerkt, ob sich die Menschen mehr umeinander kümmern?
Swittalek: Wie sonst auch, konnte ich feststellen, dass uns sowohl Familien, Freunde als auch Nachbarn meist sehr hilfsbereit entgegenkommen und sich um das Wohlergehen der Erkrankten bemühen. Doch in der momentanen Situation fällt mir dieses Entgegenkommen und „Füreinander-Dasein“ nicht nur während des Dienstes auf.

Wird Ihre Arbeit noch mehr wertgeschätzt als sonst?
Swittalek: Besonders jetzt bekommt man oft etwas wie „Gut, dass Du das machst, ich könnte das nie“, „Danke, dass Ihr sogar in solchen Zeiten für uns da seid“, „Hochachtung vor dem, was Du da leistest“ oder Ähnliches zu hören. Ich denke, dass uns allen in einer solchen Ausnahmesituation – möglicherweise besonders, wenn man seine eigene Arbeit im Moment nicht ausüben kann – bewusst wird, was, wen und wie viel wir tatsächlich benötigen. Der Unterschied zwischen Überschuss und systemrelevant wird deutlich, und Berufsgruppen des Einzelhandels, des Gesundheitssystems sowie des sozialen Bereichs werden mehr denn je wertgeschätzt. Wir sind so hilfsbereit, selbstlos, für andere da wie sonst auch, doch plötzlich scheint unsere Arbeit eine andere Bedeutung zu haben.

Gibt es etwas, das sich aus Ihrer Sicht zum Positiven verändert hat?
Swittalek: Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und die Gemeinschaft haben derzeit nicht nur im Dienst einen hohen Stellenwert. Auch im alltäglichen Leben ist erfreulicherweise zu beobachten, dass sich die Menschen aufgrund des Virus und der Angst, angesteckt zu werden, nicht völlig voneinander distanzieren. Zwar werden physische Abstände eingehalten, gemeinschaftlich kommen wir uns aber gerade wieder näher. Dinge wie Nachbarschaftshilfe, für Risikopatienten einkaufen zu gehen, die Haustiere Erkrankter zu pflegen, sich um andere, vielleicht sogar fremde Menschen zu sorgen, sind Dinge, die vor dieser Pandemie nur selten stattgefunden haben. Eine Gemeinschaft könnte an einer so großen Hürde möglicherweise zerbrechen. Ich habe aber das Gefühl, dass wir in dieser herausfordernden Zeit noch mehr zusammenwachsen. 

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