Gestörte Netzwerke. Mit einem neuen Film für Schulen möchte die Polizei NÖ auf Probleme wie Cyber-Grooming, Sexting und Cyber-Mobbing aufmerksam machen. Gedreht hat ihn Kurt Mündl.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 14. April 2014 (00:00)
Screenshot "Cybercrime": Szene aus dem Film »Cybercrime«: Daniela ist verzweifelt. Ein vorerst Unbekannter hat Spaßfotos, die sie mit ihrer Freundin gemacht hat, ins Netz gestellt.
NOEN
Als Daniela an einem Sonntagmorgen aufwacht und aufs Smartphone schaut, ist sie schlagartig wach: 23 Mails hat sie über Nacht bekommen.

„Wusste gar nicht, dass du so einen fetten Hintern hast. Ein geiler Verehrer!“, schreibt ihr „:-p“. Was war passiert? Wie sind die Bilder, die Daniela zum Spaß mit ihrer Freundin gemacht hat, und die sie in High Heels der Mama, knappen Shirts und mit starker Schminke zeigen, bloß ins soziale Netzwerk gelangt?

Eine Frage, die sich die Generation Smartphone allzu oft stellen muss. Wenn die Resultate ausgelassener Fotoshootings im Netz landen – und dann meist recht peinlich rüberkommen. Und zu schweren Konflikten für die betroffenen Kids führen. Bei Opfern wie Tätern.

Um hier mehr Bewusstsein für Recht und Unrecht zu schaffen, hat Landespolizeidirektor Franz Prucher mit dem Kuratorium sicheres Österreich (KSÖ) ein spezielles Projekt gestartet: Den Präventionsfilm „Cybercrime“, der das Thema aus Sicht der Jugendlichen darstellt.

Laiendarsteller als Identifikationsfiguren

Präsentiert wurde das fertige Werk vergangene Woche im Panoramasaal der Hypo NÖ in St. Pölten. Kurt Mündl, bekannt als Naturfilmer, hat „Cybercrime“ im Sommer 2013 mit Schülern des BRG Waidhofen/Thaya gedreht. 100 Schüler wurden gecastet, vier schließlich ausgesucht.

Wie war für den Regisseur der Ausflug ins Biotop Cyberspace? Das Thema und die Arbeit mit Laien, denen er allesamt großes Talent attestiert, hätten ihn einfach interessiert.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wünscht sich für den Film „Einschaltquoten wie bei Universum“. Präventionsbeamte der Polizei, in NÖ gibt es rund 100, werden den Streifen auf Anfrage in Schulen präsentieren. Die DVD soll für ganz Österreich zur Verfügung gestellt werden.

Zielgruppe sind die 13- bis 15-Jährigen, „dann, wenn sie an der Schwelle zur Strafmündigkeit stehen“, sagt Andreas Bandion, Chef der Präventionsabteilung im Landeskriminalamt NÖ. Diese Schwelle zeigt auch der Film.

Wenn Rafael, der die Bilder aus der eingangs geschilderten Szene ins Internet gestellt hat, sich plötzlich im Polizeiverhör wiederfindet. Aus Eifersucht hat er seiner Freundin ihr Passwort abgeschwatzt und sich mit den Bildern, die privat sein sollen, gerächt: ALLE sollen sie sehen. Am Ende gibt’s nur Verlierer, Freundschaften sind dahin. „Cybercrime“ soll helfen zu verhindern, dass die Kids erst dann nachdenken, wenn der Schaden schon angerichtet ist.

 
x
NOEN, LPD NÖ
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Filmemacher Kurt Mündl, Schülerin und Schüler des BRG Waidhofen an der Thaya – fungierten auch als Darsteller und Landesrätin Barbara Schwarz