Gesucht: Ärzte für das Heer. Medizinabsolventen können eine Karriere beim Militär starten, im In- wie auch im Ausland.

Von Gila Wohlmann und Eva Hinterer. Erstellt am 01. August 2017 (02:52)
Bei jeder Schießübung des Bundesheeres (hier die „Dynamic Response“ 2015 in Allentsteig) muss medizinisches Personal anwesend sein, wobei gilt: Je größer die Waffen, desto mehr.
Bundesheer/Walter

Die Aufgaben eines Arztes beim Bundesheer sind vielfältig. Karrierechancen für Mediziner – Männer wie Frauen – gibt es genug. „Derzeit sind 80 Militärärzte bundesweit im Einsatz. Wir würden aber rund 150 brauchen“, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Nicht zuletzt daher ist eine Kooperation zwischen Heer und AUVA angedacht, die die Ausbildung von medizinischem Militärpersonal auf neue Beine stellen soll. Konkrete Vorgaben gibt es aber derzeit noch nicht.

Gleich für zwei Bundesländer zuständig ist Arzt Andreas Lickl, er sei sozusagen der „Landessanitätsdirektor“, wie er sagt. Lickl ist seit den 80er-Jahren im Dienst. Seither hat sich viel geändert. „Bis 2010 hatte jedes Militärkommando einen eigenen leitenden Sanitätsoffizier“, erklärt er. Lickls Aufgabe in leitender Funktion ist es, „die Verbindung zum Land, Rettungsorganisationen und Spitälern zu halten.“

Eigene Heeresspitäler wie in Wien-Stammersdorf, wo sich auch Exekutiv- oder Justizwachebeamte fortbilden können, gibt es in Niederösterreich nicht mehr. In St. Pölten gab es in der Hesserkaserne bis 2010 eine kleine Heeressanitätsanstalt; wie auch in Baden – Letztere unterstand dem Militärkommando Burgenland.

Von der Tauglichkeit bis zur Kriegsverletzung

In den nächsten Jahren stehen aber im Bereich des medizinischen Heerespersonals Pensionierungswellen an, auch Lickl wird bald in den Ruhestand gehen. „Derzeit sind in Niederösterreich sechs Stellen frei“, weiß er, dass Arzt beim Militär „ein durchaus attraktiver und sicherer Job ist.“ Junge Mediziner, die eine Familie gründen wollen, würden manchmal „aufgrund etwaiger Auslandseinsätze abgeschreckt.“

Beim Bundesheer sind Allgemeinmediziner und Fachärzte gefragt. „Jeder sollte aber eine Notarztausbildung haben“, sagt Lickl, denn bei Übungen kann es zu Verletzungen kommen. „Meistens handelt es sich um Verkehrsunfälle, aber natürlich kann es auch bei unsachgemäßer Handhabung zu einer Schuss- oder Sprengverletzung kommen“, weiß er. Und wer im Ausland Dienst versieht, sollte nicht nur Führungskenntnisse, sondern auch chirurgische Qualitäten aufweisen. Da kann der Arzt mitunter mit einer schlimmen Kriegsverletzung konfrontiert sein. Auch Anästhesisten sind daher sehr gefragt.

Der Alltagsbetrieb ist weit ruhiger. „Es geht um die Feststellung der Tauglichkeit für den Grundwehrdienst oder einer Berufsunfähigkeit, um Hygiene in den Kasernen“, schildert er. Die Tauglichkeit junger Männer wird heute nicht besser. „Psychische Auffälligkeiten nehmen zu“, weiß Lickl. Auch, dass viele junge Männer Kontakt mit Suchtmitteln haben. Die haben beim Heer nichts verloren. Hier stellt der Militärarzt sofort den Befund „nicht tauglich“ aus.

Andreas Lickl ist seit den 80er-Jahren Arzt beim NÖ Militärkommando.
Albin Fuss