Niederösterreich

Erstellt am 12. Februar 2019, 02:46

von Gila Wohlmann

Zielscheibe Security: „Watschn“ für Türsteher. Alkoholkonsum, Liebeskummer oder Rauferei: Sicherheitspersonal wird oft zum Abreagieren von Frust missbraucht. Manchmal geht sogar das Wachpersonal zu weit.

Symbolbild  |  David Stuart Productions/Shutterstock.com

Das Gesicht des Waldviertlers Bernhard Ziegler weist schwere Schnittwunden auf, zugefügt von einem Lokalgast, der ihn mit einer Glasflasche attackiert hat. Der Türlsteher postete ein Foto mit seinen Verletzungen auf Facebook, um die Öffentlichkeit zu informieren, dass Securitys mit zunehmenden Aggressionspotenzial konfrontiert sind.

Doch welche Möglichkeiten haben private Wachdienste, um einzuschreiten? „Securitys setzen das Hausrecht um. Dafür haben sie aber keine besonderen gesetzlichen Befugnisse. Gewalt darf grundsätzlich nicht angewendet werden. Sie können aber, wie andere Bürger auch, das Anhalterecht anwenden. Das bedeutet, dass nach einer wahrgenommenen gerichtlich strafbaren Handlung der Täter in einer angemessenen Art und Weise angehalten werden darf.

Bei sonstigen Gewaltanwendungen können sich Securitys auch auf die Nothilfe berufen“, erklärt St. Pöltens Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler. Die Polizei macht mit privaten Wachdiensten unterschiedliche Erfahrungen. „Es gibt hochprofessionelle Firmen, die wirklich geschultes Personal einsetzen. Da klappt die Zusammenarbeit sehr gut. Einige Firmen haben aber Securitys, die ihre Befugnisse überschreiten. Dann werden auch diese angezeigt“, sagt er.

„Einige Firmen haben aber Securitys, die ihre Befugnisse überschreiten. Dann werden auch diese angezeigt.“ Franz Bäuchler, St. Pöltner Stadtpolizeikommandant

Seit 13 Jahren veranstaltet Gerhard Bauer das Traisner Oktoberfest, das rund 17.000 Leute besuchen. „Kleinigkeiten kommen vor. Meistens ist Alkoholkonsum im Spiel. Bei Streits geht es oft um Frauengeschichten. Das Schlimmste, was passiert ist, war ein Nasenbeinbruch“, so Bauer. Wird Wachpersonal angegriffen? Bauer: „Durchaus. Wenn Securitys einschreiten, fühlen sich Betroffene oft ungerecht behandelt.“ Deren Frust richtet sich gegen das Sicherheitspersonal, mitunter auch gegen die Polizei.

Betriebseigene als auch externe Dienstleister bewachen die St. Pöltner Disco „La Boom“. „Eine leicht steigende Tendenz an Gewaltbereitschaft macht sich bemerkbar“, stellt Betreiber Andreas Brandstätter fest. Von gröberen Vorfällen ist sein Personal verschont geblieben, nur vor zwei Jahren erlitt ein Security leichte Verletzungen. Die Videoüberwachung zeigt jedenfalls Wirkung.