Solo-Sechser entspräche 23 Sechsern "der ersten Stunde". Die Ziehung des Lotto-Sechsfachjackpots am Heiligen Abend ist außergewöhnlich. Die Lotterien sprachen am Freitag vom "Höhepunkt des Lotto-Jahres 2017" und von einem Meilenstein für "6 aus 45". Rund elf Millionen Euro befinden sich im Sechsfach-Jackpot. Spannend wird es jedenfalls.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 22. Dezember 2017 (13:12)
Elf Millionen Euro warten im Jackpot
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Am Freitagvormittag wurden phasenweise bereits 200 bis 250 Tipps pro Sekunde abgegeben. Für Freitagnachmittag und Samstag rechneten die Lotterien sogar mit noch mehr Tipps. Bei Mehrfachjackpots, die an einem Sonntag ausgespielt werden, seien bisher grundsätzlich der Freitag und der Samstag die stärksten Tage gewesen, an denen insgesamt zwei Drittel aller Tipps gespielt werden. Das dritte Drittel verteile sich auf Donnerstag und Sonntag.

Rund 80 Prozent aller möglichen Tippkombinationen werden voraussichtlich gespielt werden. Das bedeute: Zumindest ein Sechser sei wahrscheinlich, ein Siebenfachjackpot aber nicht unmöglich.

Doch wie haben sich die Mehrfachjackpots eigentlich entwickelt? Der erste Jackpot trat mit der siebenten Lottoziehung am 19. Oktober 1986 ein. Der zehnte Jackpot wurde am 9. August 1987 zum ersten Doppeljackpot. Der achte Doppeljackpot machte am 13. Jänner 1991 den ersten Dreifachjackpot aus. Der 23. Dreifachjackpot wurde am 22. Juni 2005 zum ersten Vierfachjackpot. Der siebente Vierfachjackpot wurde am 25. Mai 2008 zum ersten Fünffachjackpot. Der 14. Fünffachjackpot wurde am 20. Dezember 2017 zum ersten Sechsfachjackpot.

Ein Solo-Sechser am Heiligen Abend wäre mit Sicherheit ein neuer Rekord-Sechser. Elf Millionen Euro, das wäre der erste zweistellige Millionen-Sechser. Der erste Sechser der Lotto-Geschichte im Jahr 1986 brachte einem Steirer umgerechnet 475.437,24 Euro. Das heißt: Ein Sechser mit elf Millionen Euro wäre gleichbedeutend mit 23 damaligen Sechsern (nach Zahlen, Inflation etc. nicht berücksichtigt).

Auf die Wahrscheinlichkeit, die "sechs Richtigen" zu tippen, hat die Wahl der Wettscheinart keinen Einfluss. Sie ist mit jedem Tipp gleich und beträgt rund eins zu 8,1 Millionen. Ob Quicktipp oder das Vertrauen in eine möglicherweise im Traum aufgetauchte Zahlenkombination - die Chancen sind gleich.

Die 20 höchsten Lotto Sechser (die im Bereich von 5,6 Millionen bis 9,6 Millionen Euro lagen), wurden jedoch überproportional oft per Quicktipp erzielt: 13 der Top-20-Gewinne wurden vom Computer "ausgewählt". Sechs wurden auf einem Normalschein angekreuzt, einer mit einem Systemschein erzielt.

Der Annahmeschluss für die Ziehung am Heiligen Abend ist am Sonntag um 18.00 Uhr. Manche Annahmestellen (sei es auf Bahnhöfen oder auch Tankstellen) haben am Sonntag geöffnet, zudem besteht die Möglichkeit, über die Internetseite win2day.at Tipps bis Sonntag, 18.00 Uhr abzugeben. Die Ziehung des Sechsfachjackpots findet um 19.17 Uhr statt, sie wird jedoch aufgrund des speziellen TV-Weihnachtsprogrammes zeitversetzt um 20.05 Uhr in ORF 2 (anstelle der "Seitenblicke") ausgestrahlt.

Dieses Mal könnte Fortunas Füllhorn damit glatt für ein finanzielles Weihnachtswunder sorgen. Freilich, die Chancen für Mehreinnahmen stehen damit vor allem für das Finanzministerium bestens, während die Spieler selbst naturgemäß bescheidene Erfolgsquoten haben. Aber fantasieren wird man ja noch dürfen.

Die Kultur: In Johann Nestroys "Lumpazivagabundus" ist vom erträumten großen "Numero" die Rede, wenn es um die richtigen Lottotipps geht. In Albert Lortzings komischer Oper "Der Wildschütz" wird von "5.000 Talern" als Brautpreis gesungen. Der in "Anatevka" mit den Seinen unter akuter Pogromgefahr stehende Milchmann Tevje ist mit seinem "Wenn ich einmal reich wär" wohl der auf der Bühne bekannteste Träumer, was Reichtum angeht.

Elf Millionen Euro: Der "Allgemeine Einkommensbericht" des Rechnungshofes aus dem Jahr 2016 ging für 2015 in Österreich von einem mittleren Jahres-Bruttoeinkommen von unselbstständig Erwerbstätigen von 26.678 Euro aus. Der Solo-Sechser würde somit in etwa 412 durchschnittlichen Bruttoeinkommen von unselbstständig Erwerbstätigen entsprechen. Zieht man allerdings das mittlere Jahreseinkommen der Frauen mit unselbstständiger Erwerbstätigkeit heran, wären es fast 541 Brutto-Jahreseinkommen (Männer: 333 Brutto-Jahreseinkommen).

Die elf Millionen Euro, das sind aber auch aktuell in etwa zehn Jahresgehälter von Vorständen der Verbund AG. Dividiert man den Jackpot durch die 304.020 Euro, welche der Bundeskanzler zuletzt pro Jahr erhielt, sind es immerhin 36 Jahre, in denen sich ein Solo-Glückspilz bei reinem jährlichen Abheben dieser Summe ("Von heute an jedes Jahr wie der Bundeskanzler bezahlt sein - ohne dessen Stress") vom Konto an seinem Geldsegen erfreuen könnte.

Aber oft ist von hemmungslosem Reisen als großer Traum die Rede. Für fast 14.000 Euro könnte man beispielsweise mit einem großen Passagierdampfer 118 Tage rund um die Welt fahren. Das wären rund 800 solcher Reisen - allerdings in der billigsten Kabinenkategorie. Mit einer Balkonkabine gingen sich 300 solcher Touren aus. "Einfach weg?" Man könnte in der Luxusvariante bei ununterbrochener Reise für das Geld theoretisch fast 100 Jahre auf hoher See sein.

Alles auf einmal ausgeben: Ein Leonardo da Vinci geht sich nicht aus. Immerhin erzielte das "Salvator Mundi"-Gemälde vor kurzem einen Gesamtpreis von umgerechnet etwa 383,6 Millionen Euro. Aber man hätte für elf Millionen Euro im November 2016 "locker" alle Objekte aus der Marilyn-Monroe-Auktion inklusive des hautengen "Happy Birthday, Mr. President"-Kleidchens in Los Angeles ersteigern können. Die Auktion brachte damals umgerechnet rund zehn Millionen Euro, bliebe also noch eine Million übrig.

Nicht ganz ausgegangen wäre sich allerdings beispielsweise der Kauf des 19,07 Karat schweren legendären pinkfarbenen Diamanten "Grand Mazarin" (zunächst im 17. Jahrhundert im Besitz des französischen Kanzlers Kardinal Mazarin, dann von vier Königen, vier Königinnen und zwei französischen Kaisern getragen). Der erzielte bei der Auktion im Jahr 2015, wie Medien berichteten, einen Preis von umgerechnet rund 12,3 Millionen Euro. Man kann nicht alles für einen österreichischen Lotto-Sechsfach-Jackpot haben.