Hacker-Angriff auf die Polizei. ANONYMUS / Die Hacker von Anonymus haben Tausende Daten teils hochrangiger Polizisten online gestellt. Polizeigewerkschafter fordern nun mehr Durchgriffsrechte und mehr Personal.

Erstellt am 03. Oktober 2011 (00:00)
NOEN
Reinhard Zimmermann.
NOEN
x

VON CHRISTOPH REITERER

UND GILA WOHLMANN

Neben der Vorratsdatenspeicherung wird das Thema „Anonymous“ am 3. Oktober auf der Tagesordnung der Sitzung des Datenschutzrates stehen, kündigte dessen Vorsitzender, SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier, an.

Die Hackergruppe AnonAustria hat 24.938 Datensätze der österreichischen Polizei ins Netz gestellt: Namen, Adressen und Geburtsdaten von Polizisten. Am Freitag wurde auch die Website des NÖ Landesschulrates gehackt, hier wurden aber keine Daten gestohlen, heißt es.

AnonAustria will damit gegen die Vorratsdatenspeicherung protestieren, die mit April 2012 in Kraft treten soll. Dabei werden Telefon- und Internetverbindungsdaten für sechs Monate gespeichert und der Exekutive zu Fahndungszwecken zur Verfügung gestellt. Sonja Jell, Sprecherin im Innenministerium: „In diesem Fall wurden ja nicht die Daten des BMI gehackt, sondern von einem polizeinahen Verein. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.“ Zum genauen Ermittlungsstand sagt sie aber derzeit nichts.

„Für die Täter gibt es  jeglichen Datenschutz!“

Für Reinhard Zimmermann, Landesvorsitzender der Kameradschaft der Exekutive (FCG-KdEÖ), ist die Hacker-Attacke ein weiterer Beweis dafür, dass der Schutz für die Beamten verbesserungswürdig ist. „Für Täter gibt es jeglichen Datenschutz. Wir dürfen keine Namen elektronisch verwerten, die irgendwelche Rückschlüsse zulassen würden.“ Hier gehe es um personenbezogene Daten von Polizisten, die in der Öffentlichkeit nichts verloren haben. „Wir brauchen mehr elektronisches Material und Personal, um in die richtige Richtung steuern zu können“, fordert Zimmermann.

Johann Maier hat indes einen offenen Brief an AnonAustria verfasst. Darin kritisiert er das „egomanische Geltungsbedürfnis“ der Gruppe und weist darauf hin, dass durch die Veröffentlichung die Familien der Polizisten gefährdet werden. Diesen Brief findet Zimmermann „mehr als peinlich“, denn er werde die Hacker, so der Gewerkschafter zynisch, „wirklich erschüttern“.

Der Vorsitzende der FSG, Hermann Greylinger, über die Reaktionen auf den Hacker-Angriff: „Wir werden bombardiert, dass wir etwas unternehmen sollen, aber es gibt aktuell keine neuen Erkenntnisse – nicht einmal, ob hier überhaupt gehackt worden ist.“ Auch er fordert mehr Personal gegen die Cyber-Kriminalität: „Unsere Cyber-Polizei besteht in Wirklichkeit gerade einmal aus sechs Personen. Wir werden aber wohl keine Spezialisten bekommen, die es mit diesen Hackern tatsächlich aufnehmen können, wenn wir sie mit einem Inspektor-Gehalt zahlen …“

Leopold Etz, Chef der Gruppe „Mord“ des Landeskriminalamts NÖ, ist auch ein „Gehackter“: „Ich sehe das Ganze für mich nicht so dramatisch, obwohl ich mit Mördern zu tun habe. Wichtig ist es natürlich, seine Daten prinzipiell ordentlich zu verwalten und nicht zu sorglos damit umzugehen.“

Die österreichische Sektion des Verbands International Police Associations (IPA), der als mögliche Quelle für die veröffentlichten Daten genannt wurde, wies diese Vermutung zurück. Die Datenbank, die AnonAustria beim Speicherdienst pastehtml eingestellt hatte, wurde kurz nach Veröffentlichung gelöscht.

WODICKA, VINCENT DIAMANTE, ZVG