Haftstrafen nach groß angelegtem Handy-Raub. Weil sie im vergangenen Jahr bei einem Raubüberfall auf ein Lager eines Mobiltelefonanbieters mehr als 5.000 Smartphone im Wert von mehr als zwei Millionen Euro erbeutet haben sollen, mussten sich am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt zwei Serben verantworten.

Erstellt am 06. August 2013 (16:12)
NOEN, Erwin Wodicka
Sie erhielten - nicht rechtskräftig - drei bzw. viereinhalb Jahre Haft. Die Angeklagten nahmen die Urteile an. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Die Beschuldigten hatten sich vor Gericht als "Unschuldslämmer" präsentiert. Sie wollten bei dem Coup nur Aufpasserdienste geleistet haben. Von den Handys und den Komplizen fehlt jede Spur.

In der Nacht auf den 4. April 2012 waren in Wiener Neudorf drei maskierte Männer in die Lagerhallen einer Firma gestürmt. Zwei Mitarbeiter wurden mit Pistolen bedroht, geschlagen und gefesselt. Mit einer langen Stange verdrehten die Täter zuerst die Überwachungskamera, dann machten sie sich an die Arbeit: Gut zwei Stunden lang verluden sie stapelweise Smartphones, ein (bisher unbekannter) Serbe fuhr mit einem Lkw vor und transportierte die Geräte ab. Die außer Gefecht gestellten Lagerarbeiter beschrieben das Vorgehen der Täter als "zielstrebig, über Insiderwissen verfügend, die nur hochpreisige Ware" mitgehen ließen.

Ausforschung mittels Rufdatenerfassung

Aufgeklärt wurde der groß angelegte Raub über verschlungene Wege. In Zürich kam ein Mann mit einem Handy zur Polizei und erzählte etwas von einem Smartphone-Coup in der Nähe von Wien. Einen der am Dienstag angeklagten Serben nannte er als Drahtzieher des Überfalls. Mittels Rufdatenerfassung wurde der Mann ausgeforscht, ebenso der Zweitangeklagte.

Wirr auch die Geschichte, was letztlich mit den erbeuteten Smartphones geschehen sein soll: Ein Serbe, der die Geräte in sein Heimatland transportieren sollte, soll die Handys in einem Wald bei Sopron "entsorgt" haben, als man ihm mitteilte, dass es sich um eine Raubbeute handle.

Aber von alledem wollten die Angeklagten (Verteidiger Rudolf Mayer, Nikolaus Rast) ohnedies nicht wissen. Sie seien erst einen Tag vor dem Handyraub angeheuert worden und hätten lediglich Aufpasserdienste geleistet.