Tödlicher Radanhänger-Unfall: Geldstrafe und Diversion. Eine Geldstrafe und eine Diversion sind am Montag in Korneuburg am Ende eines Prozesses um einen Fahrradanhänger-Unfall mit zwei toten Mädchen gestanden. Der Pkw-Lenker, der das Gespann erfasst hatte, muss nicht rechtskräftig 28.000 Euro Geldstrafe berappen, 21.000 Euro davon unbedingt. Das Verfahren gegen die Mutter der beiden Kinder, die das E-Bike gelenkt hatte, endete mit einer Diversion.

Von Jutta Hahslinger. Update am 02. Dezember 2019 (14:08)
Der Verkehrsunfall auf der B19 im Gemeindegebiet von Hausleiten (Bezirk Korneuburg) vom Sonntagabend, 4. August 2019, forderte zwei Todesopfer. Im Bild: Der Fahrradanhänger.
APA/LPD NÖ

Sichtlich von dem Schicksalsschlag, dem Tod ihrer beiden Mädchen gezeichnet, ringt die angeklagte Mutter (39) bei der Erinnerung an das furchtbare Geschehen immer wieder um Worte. Ja, sie fühle sich mitverantwortlich an dem Tod ihrer beiden Kinder, sagt sie, und bekennt sich zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung für schuldig.

Sie habe sich in der Dämmerung auf den Heimweg nach Tulln befunden, ganz normal und dann plötzlich einen „Stessa“ verspürt, schildert sie. Danach sei ihr benommen nur ein Gedanke durch den Kopf geschossen, als sie das zertrümmerte Gefährt erblickt habe: „Wo sind meine Kinder, meine Kinder.“   Mit zittriger Stimme sagt sie dann: „Als ich den Gurt der Kinder aufgemacht habe, hat es sich angehört, als würde jeder Knochen noch einmal brechen.“  Ihre eigenen schweren Verletzungen (Schulterbruch und Rippenbrüche, wobei sich eine Rippe in die Lunge gebohrt hat) habe sie aus Sorge um die Kinder zunächst  gar nicht bemerkt.

Für die einjährige Tochter kam jede Hilfe zu spät, sie starb an Ort und Stelle. Die vierjährige Schwester erlag wenige Stunden später im Spital den schweren Verletzungen.

Autolenker bekennt sich nicht schuldig

„Ich bin nicht schuldig“, erklärt der Wagenlenker (60). Er sei fahrtauglich gewesen, nicht zu schnell unterwegs gewesen und habe das Gefährt einfach nicht gesehen. „Ich habe kein Licht, keine Reflektoren gesehen“, beteuert er,  und er will keinerlei Schuld an dem Unfall übernehmen. Die Kollision sei unvermeidbar gewesen, meint er.

„Andere Verkehrsteilnehmer haben Lichter gesehen und konnten ausweichen“, entgegnet der Richter. Der 60-Jährige bleibt aber bei seiner Beteuerung: „Ich habe nichts gesehen“,  und sein Verteidiger will einen Experten hören, der  Fragen zu  der Beleuchtung und Erkennbarkeit des Radanhängers für andere Verkehrsteilnehmer klären soll.

Staatsanwalt Peter Zimmermann spricht sich gegen die Zuziehung eines weiteren Experten aus. Für ihn sei die Sachslage klar und bringt es auf den Punkt: „Fahren auf Sicht – jederzeit stehenbleiben können.“

"Der Tod der Kinder ist die schlimmste Strafe“

Der Richter bietet der schuldeinsichtigen Mutter schließlich eine Diversion an: Einstellung des Verfahrens gegen Erbringung von 200 Stunden gemeinnütziger Leistung. „Der Tod der Kinder ist die schlimmste Strafe“, befindet auch der Staatsanwalt und ist mit der Diversion einverstanden.

Für den uneinsichtigen Wagenlenker setzt es wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eine teilbedingte Geldstrafe: 28.000 Euro, davon muss er 21.000 Euro Strafe bezahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ankläger Peter Zimmermann ist es zu gering, und er meldet sofort Strafberufung an.