Caritas im Kampf gegen Hunger. Niederösterreicher setzen sich im Senegal für Ernährungssicherheit ein. Corona hat die Situation dort nun weiter verschärft.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 30. Juni 2020 (08:19)
In Getreidebanken bewahren Senegalesen ihre Nahrung auf. Ein Bildmachte sich davon Annamaria Bokor (Zweite von links) von der Caritas der Diözese St. Pölten. Mittlerweile sind die Vorräte fast aufgebraucht.
Caritas

„Ich bin Verantwortlicher einer Getreidebank. Mit meinen drei Frauen und Kindern wohne ich in Sitaoulin. Die letzten Getreide-Reste haben wir unter den Familien im Dorf aufgeteilt. Wir haben nichts mehr zu essen“: Der 56-jährige Yaya Ndiaye führt vor Augen, wie stark Covid-19 die Situation im Senegal, in dem die Caritas St. Pölten seit den 90er-Jahren hilft, zugespitzt hat.

Mehr als die Hälfte der fast 16 Millionen Einwohner des westafrikanischen Landes leben unter der Armutsgrenze. Mit etwas über 5.000 Infizierten gibt es zwar vergleichsweise (Anmerkung: Österreich über 17.000) noch wenige Betroffene, die Dunkelziffer wird aber weit höher geschätzt. Es gelten daher Ausgangsbeschränkungen und ein Versammlungsverbot. Die haben weitreichende Folgen: Frauen können ihr Obst und Gemüse nicht mehr verkaufen. Den vielen Tagelöhnern bricht das Einkommen weg.

Caritas stellt Saatgut zur Verfügung

Schwieriger wurde die Situation bereits vor der Pandemie durch immer kürzer andauernde Regenzeiten, berichtet Anna-Maria Bokor von der Caritas St. Pölten. Die Ernte wird geringer. Der Fokus der Hilfsprojekte, die in NÖ koordiniert werden, liegt daher auf der Ernährungssicherheit. Die Caritas stellt Saatgut zur Verfügung und hilft mit landwirtschaftlichen Ausbildungen, etwa in der Kleintierhaltung. Außerdem unterstützt sie die Bevölkerung beim Brunnenbau. „Wichtig ist es, dass auch Schulungen vorgenommen werden“, sagt Bokor. Infrastruktur zur Verfügung zu stellen reiche nicht. Investiert werden in die Projekte jährlich zwischen 500.000 und 600.000 Euro – großteils aus Spenden.

Ein Team der Caritas sollte sich eigentlich gerade ein Bild von der Entwicklung der Projekte vor Ort machen. Aufgrund der Pandemie ist das nicht möglich. Auch Beratung, Schulungen und Sensibilisierungen von mehr als zehn Personen sowie die Untersuchung von unterernährten Kindern mussten ausgesetzt oder verschoben werden. Die Hilfe geht aber weiter. Gestartet wurde nun die Kampagne „Zukunft ohne Hunger“.

Landau nimmt Regierung in die Pflicht

„Es ist das Gebot der Stunde, jene Menschen, deren tägliche Mahlzeit nicht gesichert ist, nicht allein zu lassen“, sagt Caritas-Präsident Michael Landau. In die Pflicht nimmt Landau dabei auch die Regierung: „Die beschlossene Erhöhung der Ausgaben in der Entwicklungshilfe ist ein erster Schritt in die richtige Richtung auf einem Wachstumspfad, der weitergegangen werden muss.“

Und trotz aller Schwierigkeiten gibt es für Bokor etwas, das sich Österreich vom Senegal und seinen Bewohnern abschauen sollte: „Wenn jemand etwas mehr hat als der andere, wird geteilt“, ist Bokor begeistert von der gelebten Solidarität.