Hochwasser: Jungtiere besonders gefährdet. Dutzende Rehe, Schulter an Schulter auf einem sogenannten Rettungshügel bei Tulln gefangen, umgeben vom Hochwasser: Auch für Wildtiere sind die Überflutungen der vergangenen Tage eine massive Bedrohung.

Erstellt am 07. Juni 2013 (14:33)
APA13112910-2 - 07062013 - TULLN - …STERREICH: ZU APA 0364 CI - Ein Luftbild zeigt dutzende Rehe auf einem Rettungshügel der vom Hochwasser eingeschlossen ist am Mittwoch, 5. Juni 2013, in Tulln. +++ WIR WEISEN AUSDRÜCKLICH DARAUF HIN, DASS EINE VERWENDUNG DES BILDES AUS MEDIEN- UND/ODER URHEBERRECHTLICHEN GRÜNDEN AUSSCHLIESSLICH IM ZUSAMMENHANG MIT DEM ANGEFÜHRTEN ZWECK ERFOLGEN DARF - VOLLST€NDIGE COPYRIGHTNENNUNG VERPFLICHTEND +++ APA-FOTO: RICHARD FEISCHL/N… LFV
NOEN, RICHARD FEISCHL/N… LFV (APA)
"Besonders gefährdet sind Jungtiere", sagte Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Boku. "Bisher haben wir 156 Tierrettungen dokumentiert", sagte Franz Resperger, Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos Niederösterreich. Nicht alle Bergungen würden jedoch aufgezeichnet werden, "wir gehen von hunderten geretteten Tieren aus", so Resperger.

Die Rehe bei Tulln wurden bereits am Mittwoch bei einem "Erkundungsflug mit dem Polizeihubschrauber, bei dem auch Stabsmitglieder der Feuerwehr an Bord waren", entdeckt, erklärte Resperger. Die Tiere hatten sich auf einen für solche Zwecke extra aufgeschütteten Rettungshügel, wie es sie überall entlang der Donauauen gibt, gerettet.

Auch am Freitag befand sich das Rotwild noch auf der kleinen Insel, das Wasser rundherum war am Sinken. "Wir gehen davon aus, dass die Rehe garantiert überleben werden", war Resperger überzeugt.

"Im Prinzip können alle Wildtiere schwimmen, die Frage ist nur, wie lange?"

"Vor allem Jungtiere, die nicht so mobil sind, wie beispielsweise auch Rehkitze, sind besonders gefährdet", erklärte Hackländer. Dazu kommen auch kleinere Nagetiere oder bodenbrütende Vögel. Arten wie beispielsweise der Biber würden gut mit dem Hochwasser zurechtkommen, "nicht allerdings die Jungtiere in den Bauten, werden die geflutet, ertrinken sie".

"Im Prinzip können alle Wildtiere schwimmen, die Frage ist nur, wie lange? Sie sind nun mal nicht dafür ausgerüstet", sagte der Experte. Hasen können sich beispielsweise "eine Weile über Wasser halten, aber irgendwann saugt sich das Fell voll, sie entkräften und ertrinken".

"Sozialstress" auf den Inseln: Fuchs und Hase, aber auch bei Tieren unter ihresgleichen

Als Ausweichmöglichkeiten bei Hochwasser wurden eben kleine Inseln innerhalb der Auen aufgeschüttet, allerdings "nicht genügend", sagte der Biologe: Denn wenn auenbewohnende Tiere keine Ausweichmöglichkeiten haben, gibt es einen großen Verlust, wenn das Hochwasser kommt. Die Tiere würden auch auf Dammkronen ausweichen, sich prinzipiell auf erhöhte Punkte zurückziehen.

Daher ist es wichtig, dass ihnen "von den Menschen die Ruhe gegeben wird, die sie brauchen". Wildtiere dürfen nicht gestört werden, man müsse ihnen "Rückzugsmöglichkeiten bieten". Ansonsten "weichen sie zurück ins Wasser und ertrinken", warnte der Forscher.

Eine Schätzung, wie viele Tiere in den Fluten umgekommen sind, sei nicht möglich, allerdings gebe es definitiv "einen Rückgang der Population". Probleme sind aber auch auf den Rettungsinseln möglich: "Es erklärt sich von selbst, was passiert, wenn Fuchs und Hase auf dem selben Hügel landen", sagte Hackländer. Dazu komme auch "Sozialstress": "Insbesondere Rehe sind es nicht gewohnt, mit anderen Artgenossen auf einer kleinen Fläche zu sein", erklärte der Biologe.