Erstellt am 02. Juli 2012, 00:00

Hoffnung mitbringen. in Bethlehem auf dem Krippenplatz neben der Geburtskirche Jesu ein zweitägiges Fest.

 |  NOEN

VON MARTIN GEBHART

Die Menschen in Bethlehem wussten teilweise nicht, wie sie reagieren sollten. Die einen tanzten, die anderen verfolgten das Geschehen von einer gewissen Distanz aus interessiert. Aber allen dürfte letztlich klar gewesen sein, dass der 23. und 24. Juni auf dem Krippenplatz in unmittelbarer Nähe der Geburtskirche Jesu ein besonderer Augenblick war. Über 100 Kinder und Jugendliche aus Herzogenburg musizierten mit ihren Alterskollegen aus Palästina und bereiteten so der durch eine Mauer abgeriegelten Stadt ein historisches Kinderfest. Was Bethlehems Bürgermeister Victor Batarseh gleich mehrmals würdigte: „Dass diese Kinder gekommen sind, ist eine Botschaft von Liebe und Frieden an unsere Kinder.“ Nachsatz: „Wenn wir in diesem Teil der Welt Frieden haben, haben wir auf der ganzen Welt Frieden.“

Dass man sich in Herzogenburg über dieses Projekt gewagt hat, fußt auf mehreren Jubiläen. Heuer feiert das Stift Herzogenburg seinen 900. Geburtstag, die NÖ Kindersommerspiele (NÖKISS) gibt es seit 40 Jahren. Und da war 2010 noch der 70. Geburtstag von Propst Maximilian Fürnsinn, wo dieses Fest in Bethlehem zum Geburtstagsgeschenk gemacht worden ist.

Andreas Kickinger, Kopf der Bethlehem-Aktion: „Zum Jubiläum haben wir uns einiges überlegt gehabt. Wir haben uns dann aber entschieden, das zu machen, was wir am besten können, ein Kinderfest. Und zwar in der Geburtsstadt Jesu, in Bethlehem.“ Rund ein Jahr lang dauerte die Vorbereitung, bei der fast die ganze Stadt mitmachte. Die Jugendlichen setzten sich intensiv mit dem Heiligen Land auseinander, Andreas Kickinger und sein Team beseitigten alle Hürden, die auf dem Weg nach Bethlehem standen. Und sie trieben auch das notwendige Geld auf. Kickinger: „Die Idee hat immens viele Türen aufgestoßen.“

244 Personen pilgerten  in das Heilige Land

Dass die Umsetzung nicht so einfach war, dass in dem Projekt auch sehr viel Brisanz steckte, war klar: Ein Fest im palästinensischen Bethlehem wird in Israel nicht gerade bejubelt. Ähnlich zurückhaltend bis negativ waren ja auch zuletzt die Meldungen aus Jerusalem, als nun die Geburtskirche Jesu zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Andreas Kickinger ließ sich aber nicht entmutigen: „Es war keine Aktion gegen Israel.“ Und Propst Maximilian Fürnsinn: „Man muss auch aufpassen, dass man sich nicht instrumentalisieren lässt.“ Aber: „Solche Initiativen bringen sehr, sehr viel. Sie bringen die Menschen näher.“

Wie sehr die Herzogenburger hinter dem Projekt stehen, zeigte die Teilnahme an der Pilgerreise in das Heilige Land. 244 Personen machten kamen nach Bethlehem mit, darunter 110 Kinder und Jugendliche. Darunter auch Bürgermeister Franz Zwicker, der in Bethlehem mit seinem Amtskollegen zu einem Gespräch zusammentraf. Während des Kinderfestes gab es einen Live-Stream, der in der Stadt Herzogenburg von rund 200 Personen gemeinsam verfolgt wurde – sofern die Technik mitspielte.

Matinee für österreichische  Überlebende des Holocausts

Für die Pilgertruppe waren es jedenfalls überaus intensive Tage, in der sie all die Probleme im Heiligen Land kennen lernten. So gestalteten die Jugendlichen in Jerusalem eine Matinee für die „Vereinigung der Pensionisten Österreichs in Israel“. In dem Klub, wo sich Überlebende des Holocausts regelmäßig treffen, konnten die Jugendlichen mit den Mitgliedern Gespräche führen. Darunter auch eine Frau, die noch mit Albert Einstein in einem Orchester gespielt hatte. Gideon Eckhaus, Vorsitzender des Klubs, der mit der österreichischen Unterstützung nicht immer zufrieden ist, zu dem Treffen: „Erstmals ist so eine Kindergruppe zu uns gekommen. Das war eine ausgezeichnete Idee.“ Danach besuchten die Herzogenburger die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, die an die Gräuel der Nazi-Zeit erinnert.

Viele Aktionen für Kinder  in Bethlehem

In Palästina wurden von den Kindersommerspielen, der Stadtkapelle und der Musikhauptschule Herzogenburg nicht nur die Aufführungen auf dem Krippenplatz gestaltet. Es gab auch Aktionen im Baby-Hospital der Caritas in Bethlehem, im SOS-Kinderdorf wurden Palatschinken für die Kinder gebacken, auf dem Krippenplatz wurden die Gesichter von einheimischen Kindern bemalt.

Den offiziellen Abschluss bildete eine Sonntagsmesse auf den Hirtenfeldern bei Bethlehem. Da setzten die Kindersommerspiele noch ein besonderes Zeichen: Erde von den Gräbern der Gründungsväter der Sommerspiele wurde im Heiligen Land verstreut und so an sie gedacht.