„Littering“ nimmt immer mehr zu. Problemstoffe und achtloses Wegwerfen bereiten große Probleme, auch in NÖ.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 09. September 2020 (05:31)
Ein „Klassiker“: Alte Autoreifen, illegal deponiert.
NÖ Umweltverbände

Rund 160.000 Tonnen an Wertstoffen gehen in Österreich jährlich verloren, weil Müll nicht fachgerecht entsorgt wird. Das entspricht einem Wert von etwa 10 Millionen Euro.

Viel von diesem Müll wird von illegal tätigen Müllsammlern abtransportiert. „Teilweise warten diese Leute mit Auto samt Anhänger vor den Altstoffsammelzentren und sprechen die Leute an, die ihren Müll dort entsorgen wollen“, sagt Florian Beer von den NÖ Umweltverbänden.

Wenn Zeugen derlei „Müllgeschäfte“ bemerken, empfiehlt Beer: „Ansprechen, aufschreiben, anzeigen.“ Bei illegalen Sammlungen machen sich nämlich beide Parteien strafbar: Der, der sammelt, und der, der seinen Müll überlässt. „In Österreich braucht jeder, der Müll annimmt, eine Sammelerlaubnis, das ist gesetzlich festgelegt“ erläutert Beer. Auch jede Übernahme von „Siedlungsabfällen“ ist strafbar, das sind beispielsweise Kühlschränke, Fernseher oder alte Fahrräder.

Die Strafen, die auf illegales Müllsammeln stehen, sind hoch: Bis zu 7.279 Euro bei nicht gefährlichen Abfällen; bei gefährlichen Abfällen und Problemstoffen liegt der Strafrahmen bei bis zu 36.340 Euro.

"Enorme Mengen, die da achtlos entsorgt werden" Florian Beer 

Illegale Sammler, sagt Beer, nehmen von den Sekundärrohstoffen nur das Verwertbare. Dabei sind aber auch gefährliche Stoffe wie Lithium-Ionen-Akkus aus Elektrowerkzeugen. Sie sind hochentzündlich. In Altstoffsammelzentren werden sie in eigenen Containern gelagert.

In der Slowakei, rund 30 Kilometer hinter der Grenze, erzählt Beer, lagern auf einer illegalen Deponie rund 7.000 Tonnen Müll, der dort auch zerlegt und verwertet wird. „40 bis 50 Prozent davon kommen aus Österreich“, weiß Beer. „Wir wollen diese Art der Verwertung nicht, denn Abfall bedeutet auch Wertstoff und Rohstoff, und der geht so verloren.“

Dass Kühlschränke reihenweise im Wald entsorgt werden, komme zwar nicht mehr vor. Viele Kampagnen hätten hier ein Bewusstsein geschaffen. Was aber leider zunimmt, ist das „Littering“, das achtlose Wegwerfen von Müll. „2019 haben 44.000 Leute in 150.000 Stunden 200 Tonnen Müll gesammelt – nur in NÖ. Und dabei muss man sich vorstellen, dass das ja hauptsächlich Leichtverpackungen sind. Es sind also enorme Mengen, die da achtlos entsorgt werden“, bedauert Beer. Mit der „Stopp Littering“-Kampagne versuchen die NÖ Umweltverbände seit 2006, hier gegenzusteuern.