Im Scheckkarten-Format gegen Gewalt an Frauen. Ein Runder Tisch soll Lösungen erarbeiten. Eine Informations-Broschüre sei ein erster Erfolg. Außerdem müssten die Medien sensibler werden, so die Landeshauptfrau.

Von Maria Prchal. Erstellt am 10. Februar 2020 (18:35)
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Gewalt gegen Frauen ist schlecht. Eine der wenigen Dinge, auf die sich die Politik einigen kann. Und eine Binsenweisheit, die auch nicht weiterhilft. Stattdessen überlegen sich Bund und Land, wie dieser Gewalt vorgebeugt werden kann und wie mit ihr umgegangen werden soll.

NLK Pfeiffer

In einem ersten Arbeitsgespräch thematisierten Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab und Landeshauptfrau Mikl-Leitner genau das. Als Vorbild soll Niederösterreich dienen, meint Mikl-Leitner. Nach 14 Frauenmorden im vergangenen Jahr alleine in Niederösterreich, hat sich die Landesregierung Maßnahmen überlegt.

Infofolder in Geschäften

So wurden Runde Tische ins Leben gerufen, an denen Polizei, Gewaltschutzzentren, Frauenhäuser, Bezirkshauptmannschaften, Kinder-und Jugendhilfe sowie Bildungsdirektion und die NÖ Landeskliniken sitzen. Erster Teilerfolg: Eine Broschüre im Scheckkarten-Format, die Notrufnummern und Anlaufstellen enthält. 

Diese liegen in Geschäften und anderen "häufig frequentierten" Orten auf, um einen "niederschwelligen Zugang zu Informationen" zu liefern, meint die Landeshauptfrau.

Diese Woche findet wieder so ein Runder Tisch statt, an den auch die Medien geladen sind. Denn auch sie würden eine Rolle spielen, beispielsweise durch die Verharmlosung von Frauenmorden. 

Informations-Folder und ein Aufruf zur sensiblen Berichterstattung sind also, was diese Runden Tische bisher erarbeitet haben. 

Auch die Bundesministerin wird an manchen Sitzungen teilnehmen, kündigten die beiden Politikerinnen an.

Mehr Geld - oder nicht?

Diese versprach, wer Hilfe braucht, solle diese bekommen. Dafür wolle sie auch die Frauenhäuser stärken. Allerdings: Für Frauenhäuser gab es seid Jahren keine Inflationsanpassung mehr, das Budget wurde nicht erhöht. 

Raab betonte trotzdem, es wird mehr Geld für Gewaltschutz geben. Wie das genau aussehen soll, wird sich noch zeigen. 

Das große Unterstützungsangebot in Niederösterreich betonte Frauen-Landesrätin Christian Teschl-Hofmeister vor Kurzem ebenfalls bei einem Arbeitsgespräch mit der Frauen- und Integrationsministerin: "Niederösterreich verfügt über zehn Frauenberatungsstellen und sieben Außenstellen. Darüber hinaus gibt es sechs Frauenhäuser und Notunterkünfte, an denen Frauen und Kinder vor weiteren Übergriffen sicher sind sowie Schutz und Zuflucht finden. Einen wichtigen Stellenwert nehmen auch die Gewaltschutzzentren ein."

Mentoring-Programm für Frauen

Die Landesregierung hat sich aber noch mehr überlegt um Frauen zu stärken. 2020 gibt es wieder ein Mentoring-Programm, bei dem im Herbst 20 Frauen ein Start in die Politik ermöglicht werden soll. 

Diese Initiative sei parteiübergreifend, mein Mikl-Leitner. Den Frauen müsse der Mut gegeben werden, in Politik und Wirtschaft ihre Kompetenzen zu zeigen.

Mädchen und Buben sensibilisieren

Rollenklischees und alle Probleme, die mit ihnen erwachsen, sind zumindest teilweise anerzogen und antrainiert. Deswegen gibt es das Programm "Schulklima", ein Pilotprojekt in Niederösterreichs Schulen.

Dabei soll den Jugendlichen vermittelt werden: Mädchen und Buben sind gleich viel wert und außerdem bestimmte Regeln für ein gutes Miteinander. Die brauche es, damit die Gesellschaft funktioniert, sagt Mikl-Leitner.

Integration durch Frauen

Regeln werden auch bei den sogenannten "Wertekursen" für Asylwerber vermittelt. Genauso wie Deutschkurse sollen diese zur Integration beitragen. Mikl-Leitner und Raab sind beide Vetreterinnen von "Integration durch Leistung":

"Es ist nicht wichtig, wo jemand herkommt, sondern was er bereit ist, zu leisten", meint Raab, die neben den Frauenagenden auch die Integrationsagenden in der Hand hat. Die Zusammenlegung in einem Ministerium blieb nicht ohne Kritik. 

Als "Integrationsmotoren" bezeichnete Raab einmal mehr Asylwerberinnen. Sie würden Bildung, Familienbild und Werteverständnis an die Kinder weitergeben, sagt Raab, die sich explizit nicht als Feministin bezeichnen will.