Vorerst kein Anstieg bei häuslicher Gewalt in NÖ. Zwei Wochen nach Inkrafttreten des Anti-Corona-Maßnahmenpakets sowie der darin verankerten Ausgangsbeschränkungen ist in Niederösterreich vorerst kein Anstieg der bekannt gewordenen häuslichen Gewalt festgestellt worden.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 30. März 2020 (15:11)
Symbolbild
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Auch in den sechs Frauenhäusern im Bundesland wurde noch keine Zunahme der Akutfälle verzeichnet. Generell war von einem Rückgang der Kriminalität die Rede.

Bezüglich der häuslichen Gewalt befand Polizeisprecher Walter Schwarzenecker am Montag auf APA-Anfrage, dass aktuell "keine Steigerung feststellbar" sei. Die Exekutive gehe jedoch davon aus, "dass es in den nächsten Wochen dazu kommen könnte".

Seit das Covid-19-Maßnahmengesetz in Kraft ist, gab es im Bundesland zwei aufsehenerregende Gewalttaten. Zu Beginn der Vorwoche soll ein 51-Jähriger in Bad Vöslau (Bezirk Baden) seine schlafende Ehefrau (49) mit einem Holzstück attackiert und verletzt haben.

Am Samstagabend soll ein 61-Jähriger in Maria Taferl (Bezirk Melk) auf seine Partnerin geschossen haben. Die 50-Jährige wurde schwer verletzt, befand sich aber nicht in Lebensgefahr:

Während der erstgenannte Fall einen deutlichen Bezug zu den Corona-Maßnahmen haben dürfte - der Verdächtige bezeichnete die vorherrschende Isolation bei seiner Einvernahme laut Staatsanwaltschaft als belastend - dürfte ein solcher direkter Zusammenhang bei der jüngsten Bluttat nicht bestehen.

In Summe wurden im Bundesland bis Montag 815 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Anti-Corona-Maßnahmenpaket erstattet. Eine Woche zuvor waren es noch 246 gewesen. Alleine am vergangenen Wochenende wurden nach Angaben des Innenministeriums 186 Verfehlungen gezählt.

Omar Haijawi-Pirchner, der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, ortete seit Inkrafttreten des Covid-19-Maßnahmengesetzes im Bundesland einen starken Rückgang der Kriminalität. Die Entwicklung verlief ähnlich zum von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Montag verkündeten Bundestrend. "Besonders im Diebstahl- und Einbruchssegment sind die Zahlen stark rückläufig", sagte Haijawi-Pirchner der APA. Einige Deliktsfelder würden sich derzeit allerdings ins Internet verlagern. Zudem würden im Cyber- und Betrugsbereich "neue Phänomene auftauchen". Dazu zählen etwa Unternehmen, die Desinfektionsdienste anbieten, diese aber nicht durchführen dürfen bzw. Personen, die Schutzmasken verkaufen wollen, "die in Wirklichkeit nur Stofffetzen sind".

Auf einen Anstieg der häuslichen Gewalt aufgrund der Corona-Maßnahmen deutete auch die gegenwärtige Situation in den sechs niederösterreichischen Frauenhäusern nicht hin. "Eine Zunahme bei Akutfällen zeichnet sich derzeit nicht ab", hieß es aus dem Büro von Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Es gebe allerdings vermehrt telefonische Anfragen und Beratungen. Die Auslastung sei zudem hoch, was allerdings nicht im Zusammenhang mit der Situation um das Coronavirus stehe. Für den Fall, dass ein sprunghafter Anstieg der Gewalttaten eintritt, wurde laut einem Sprecher die Errichtung von Notquartieren in Planung genommen. "Damit es für Frauen und Kinder in allen Landesteilen einen sicherer Platz gibt."