Damit Frauen sicher zu Hause ankommen

Erstellt am 05. August 2022 | 05:16
Lesezeit: 4 Min
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Am Nachhauseweg fühlen sich Frauen oft nicht sicher. Mehrere Initiativen in NÖ wollen dagegen Abhilfe schaffen.
Foto: Shutterstock/FotoDuets
Im öffentlichen Raum erleben Frauen oft negative Begegnungen. Konkrete Initiativen gegen sexuelle Belästigung sollen für mehr Sicherheit im Land NÖ sorgen.
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Anstößige Bemerkungen auf der Straße, starrende Blicke im Freibad oder unerwünschte Berührungen beim Fortgehen. Das alles gehört für viele Frauen zum Alltag. Eine europaweite Studie dazu ergab, dass jede dritte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr sexuell belästigt wird. Auf die Frage, wie man in solchen Situationen am besten reagiert, finden jedoch auch Expertinnen und Experten nur schwer eine Antwort.

„Das wesentliche Problem ist, dass unsere Gesellschaft es zulässt, dass Frauen als Objekte betrachtet werden. So finden sich Frauen in Situationen wieder, in denen ihre Grenzen überschritten werden und sie dann oft auch noch selbst dafür verantortlich gemacht werden“, erläutert Alexandra Kosier, Klinsiche Psychologin der Lilith Frauenberatung in Krems.

Auch Verena Bogner aus Rossatz im Bezirk Krems-Land hat sich die Frage gestellt, wie man Frauen in derart unangehnehmen Situationen unterstützen kann. Die 24-Jährige kam auf die Idee, Frauen auf ihrem Nachhauseweg nach dem Fortgehen zu begleiten, um somit zumindest dort für ihre Sicherheit zu sorgen. Mit dem von ihr gegründeten Verein „Coming Home Safe“ gibt es seit 1. Juli letzten Jahres die Möglichkeit, sich mit dem „Heimwegtelefon“ moralische Unterstützung am Nachhauseweg zu sichern.

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Verena Bogner ist die Gründerin von „Coming Home Safe“.
Foto: privat

Außerdem stehen in Krems, St. Pölten und Wien auch sogenannte „Heimbringer und Heimbringerinnen“ zur Verfügung, welche einen persönlich bis vor die eigene Haustüre bringen. „Zur Ausweitung des Projekts fehlen uns sowohl neue Heimbringer als auch ein Sponsor. Bis dato kostet das Heimbringen leider noch 15 Euro“, bedauert die Vereinsgründerin.

Projekte stoßen auf geringe Resonanz

Eine weitere Initiative gegen sexuelle Belästigung gibt es in Amstetten. Das aus Deutschland stammende Projekt lässt Frauen mit der Frage„Ist Luisa da?“ Mitarbeitern in teilnehmenden Lokalen signalisieren, dass etwas nicht stimmt. Die geschulten Mitarbeiter reagieren dann dementsprechend: Sie begleiten die Frau zu einem Taxi, verständigen ihre Freunde oder rufen im Notfall die Polizei.

Auch bei der für das Projekt verantwortlichen Frauenberatung Mostviertel will man neben den drei teilnehmenden Lokalen noch weitere „Luisa-Lokale“ dazugewinnen.„Dazu braucht es mehr Personen, die sich wirklich für solche Projekte interessieren und engagieren“, sagt Sonja Mille von der Frauenberatung Mostviertel.

In Krems gibt es statt der Initiative „Ist Luisa da?“ den sogenannten „Angel Shot“. In zahlreichen Lokalen der Stadt kann man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit dem Bestellen eines Angel Shots ebenfalls signalisieren, dass man sich in einer unangenehmen Situation befindet. Verena Bogner wollte „Ist Luisa da?“ zum Beispiel auch in den Kremser Schwimmbädern umsetzen, bekam dabei aber nur selten Rückmeldungen. „Jeder, der in die Medien schaut, weiß, dass sexuelle Belästigung und Gewalt sowie Femizide ein reales Problem sind. Wir haben unseren Verein nicht ohne Grund ins Leben gerufen und deshalb wundert es mich, dass die Resonanz, die ich bekomme, so gering ist“, so Bogner. „Es passiert immer noch zu wenig“, stellt sie abschließend klar.

Planung weiterer Initiativen im Gange

Allerdings entstehen auch neue Projekte für die Sicherheit von Frauen. Der Verein Wendepunkt aus Wiener Neustadt plant derzeit die Initiative „Sichere Südbahnstrecke“. „Mit dem geplanten Projekt möchten wir erreichen, dass sich Frauen auch in öffentlichen Verkehrsmitteln sicher fühlen und keine Angst vor sexualisierten Übergriffen haben müssen“, sagt Claudia Prudic vom Verein Wendepunkt.

Das Projekt beziehe sich allerdings auch auf den allgemeinen Sicherheitsbegriff im öffentlichen Verkehr. Ziel sei eine Sensibilsierung der teilnehmenden Akteure sowie das Hervorrufen von Zivilcourage.