Jede fünfte Frau wird Opfer von Gewalt. Gewalt in Beziehungen gegen Frauen nimmt in den letzten Jahren zu. Für Betroffene und Täter gibt es Stellen, die Hilfe anbieten.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 27. November 2018 (00:50)
Neben Prävention und Opferschutz ist auch Täterarbeit wichtig. So können Muster von Konfliktlösungen durchbrochen werden.
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„Wenn er mich geschlagen hat, habe ich ihn gebeten, zumindest leise zu sein, damit die Kinder nicht aufwachen.“ Diesen Satz liest Ursula Hein vom Verein „Frauen für Frauen“ vor, um ein Beispiel aus der Praxis ihrer Arbeit zu nennen. Viele Frauen, die in gewalttätigen Beziehungen leben, würden sich schämen, so Heine. Daher weist sie auf die Frauen- und Mädchenberatungsstellen hin. Diese sind anonyme und kostenlose Möglichkeiten, „wo man sich nicht schon vorab als Gewaltbetroffene deklarieren muss“.

Am 25. November starten die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. In diesem Kampagnenzeitraum zwischen dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und dem Internationalen Tag für Menschenrechte sind weltweit Aktionen geplant.

Hein möchte die Chance nutzen auf die vielen Möglichkeiten hinzuweisen, die Frauen in Niederösterreich haben, wenn sie sich Hilfe suchen wollen. „Es muss nicht so weit kommen. Bevor es wirklich eskaliert, sollen Frauen wissen, dass es Hilfe gibt“, sagt Hein.

Forderung nach Zahlen zu Gewalttaten

Jede fünfte Frau in Niederösterreich wird im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt. Im Jahr 2018 wurden bundesweit schon 32 Morde bzw. Mordversuche an Frauen gemeldet. Diese Zahlen kommen von den Opferschutzeinrichtungen. Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister fordert „eine genaue statistische Grundlage“ der Gewalttaten in Beziehungen. „Es müsste bei der Polizei aufgegliedert werden, wo die Morde passieren, und es müsste eine Statistik angeführt werden, dass es welche sind, die im häuslichen Umfeld passiert sind“, sagt die Landesrätin.

Im Kampf gegen Gewalt an Frauen sei außerdem die Täterarbeit wichtig. Um das Muster von Konfliktlösungen zu ändern, brauchen die Täter ebenso Hilfe. Dafür gibt es ein Antigewaltprogramm der Caritas, das in elf Beratungsstellen angeboten wird. Zielgruppe sind jene Männer, die Gewalt ausgeübt haben. Gewalt an Frauen wird in 93 Prozent der Fällen von Männern ausgeübt. Heuer wurden in NÖ 25 Männer betreut.