Jeder Dritte kommt nicht mehr heim. „Die Lage ist ernst“, warnen Pfleger und Ärzte. 35 Prozent der Intensivpatienten sterben.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 21. April 2021 (05:06)
Besprachen die Situation auf den Intensivstationen und in den Krankenhäusern: Intensivmediziner Christoph Hörmann, LGA-Direktor Markus Klamminger, Stationsleiterin Sabine Gubi, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Intensiv-Pfleger Markus Korntheuer.
NLK/Burchart, NLK/Burchart

„Eine Pflegerunde bedeutet, dass ich vier Stunden in voller Schutzausrüstung bin. Ich muss mir schon vorher überlegen, wann ich aufs Klo muss oder wieder etwas trinken kann“, erzählt Markus Korntheuer. Er ist Pfleger auf der Intensivstation im Krankenhaus St. Pölten. Dort arbeitet er wie seine Kollegen seit über einem Jahr unter Hochdruck. Neben den körperlichen Belastungen nimmt die Arbeit die Pflegekräfte emotional mit. „Ich habe noch nie so viele junge Patienten auf der Intensivstation gesehen“, erzählt Korntheuer. Und nicht jeder Verlauf entwickelt sich positiv.

Der jüngste Patient, der momentan in St. Pölten wegen Corona intensivmedizinische Betreuung braucht, ist unter 30. Das Durchschnittsalter liegt österreichweit bei 61,5 Jahren.

Jeder dritte Patient, der wegen Corona auf einer Intensivstation landet, verlässt diese nie wieder. Die Sterberate liegt bei 35 Prozent. Den Ernst der Lage macht deshalb auch der für Kliniken zuständige Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) deutlich: „Es kommt von vielen Menschen die Frage, warum wir nicht einfach die Intensivbetten aufstocken.“ Würde man das tun, nehme man jedoch automatisch mehr Todesfälle in Kauf. Notwendig sei es daher, die Corona-Infektionszahlen zu senken, nicht die Kapazitäten aufzustocken.

Hälfte aller Betten mit Covid-Patienten belegt

Insgesamt gibt es 333 Intensivbetten in NÖ. Aktuell sind sie zu 80 Prozent ausgelastet. Christoph Hörmann, Leiter der Klinischen Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Uniklinikum St. Pölten, glaubt, dass nun eine Plateauphase erreicht sei. Er hofft, dass der Höhepunkt von 133 Covid-Intensivpatienten an einem Tag nicht mehr überschritten wird.

Zurzeit ist die Hälfte aller Betten mit Covid-Patienten belegt. Hinzu kommen Menschen, die aus anderen Gründen Intensivmedizin brauchen. Nach Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Unfällen. Um insgesamt genügend Betten zu haben, werden nicht-dringende Eingriffe nicht vorgenommen.

Neben der tragischen Situation, die man mit Covid-Intensivpatienten in Kauf nehme, ist das Aufstocken der Kapazitäten nicht einfach möglich. Sabine Gubi, Stationsleiterin in St. Pölten, erklärt, dass die Ausbildung zur Intensivpflegekraft ein weiteres Ausbildungsjahr verlangt. „Intensivpflege kann man nicht in einem Schnellsiedekurs lernen.“ Um die Situation stemmen zu können, habe man pensionierte Kräfte zurückgeholt. „Trotzdem können wir die Betreuung der Patienten nur durch Überstunden bewältigen“, berichtet Gubi. Die Mitarbeiter der Intensivstationen und die Verantwortlichen aus LGA und Politik appellieren daher, die Maßnahmen einzuhalten.

Was die Infektionszahlen betrifft, habe man der Einschätzungen von Fachleuten zufolge, den Höhepunkt erreicht. In den Spitälern bleibt die Lage aber angespannt. Hier entwickelt sich die Situation zeitverzögert: „Im Durchschnitt kommt jemand sechs bis acht Tage nach seiner Ansteckung auf die Intensivstation“, weiß Hörmann.