Die Caritas hilft seit 100 Jahren. Die Not nach dem Krieg zu lindern, war die erste Aufgabe des Vereins. Heute kümmern sich 2.400 Mitarbeiter um Menschen in Not.

Von Daniel Lohninger und Lisa Röhrer. Erstellt am 11. Februar 2020 (01:07)
Bild links: Hilfe im Ausland: In vielen Ländern der Erde mangelt es an Lebensmitteln, sauberem Wasser und Hygiene – so etwa im Senegal. Mit zahlreichen Projekten in dem westafrikanischen Land will die Caritas einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten und Armut verringern. Bild rechts: In der Nacht von 6. auf 7. August 2002 setzte in Niederösterreich heftiger Regen ein, bald darauf stand die gesamte Kamptal- und Donauregion unter Wasser. Die Caritas unterstützte die vom Jahrhunderthochwasser betroffenen Menschen – etwa mit der Spende von Hygieneprodukten.
Caritas St. Pölten

„Wenn wir Not sehen, dann handeln wir.“ Dieses Prinzip stand bereits am Beginn der Caritas St. Pölten, die am 14. Februar 1920 gegründet wurde. Gründungsvater war der damalige St. Pöltner Dompfarrer und spätere Diözesanbischof Michael Memelauer. Er legte damit den Grundstein für eine soziale Organisation, die heute aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist.

Die Anfänge

Michael Memelauer ist der Gründungsvater der Caritas St. Pölten.
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Über Jahrhunderte war christliche Nächstenliebe von den Orden getragen. Vinzenz von Paul legte im 17. Jahrhundert die Grundlage für eine moderne Caritas – mit besonderem Fokus auf die Armen und Ausgegrenzten seiner Zeit. Daraus entwickelte sich die „Abteilung Caritas“ im katholischen Volksbund. 1920 rief Memelauer, dessen Wahlspruch „caritati“ war, dann den eigenständigen Caritasverband St. Pölten ins Leben.

Im Gründungsprotokoll steht: „Damit beginnt ein wichtiger Abschnitt der sozialen Tätigkeit der Katholiken der Stadt und der Diözese St. Pölten. Eingedenk der Verheißung Christi: ‚Was ihr dem Geringsten unter den Brüdern tut, habt ihr mir getan‘, wird diese Arbeit reichen Segen auf alle herabziehen.“ Die Hauptaufgabe in der Zwischenkriegszeit war die Bekämpfung der Armut – viele Menschen vor allem in der Stadt St. Pölten waren verarmt, hatten nicht genug zu essen, konnten ihre Wohnungen nicht heizen oder hatten kein Dach über dem Kopf. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann schließlich schrittweise der Ausbau der anderen Angebote.

Im Sommer 1964 zogen die ersten Bewohner in das Haus St. Elisabeth der Caritas in St. Pölten. Anfangs war das Haus ein Pensionistenheim, später wurde zugebaut, und Pflegestationen wurden eröffnet.
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„Eingedenk der Verheißung Christi: ‚Was ihr dem Geringsten unter den Brüdern tut, habt ihr mir getan‘, wird diese Arbeit reichen Segen auf alle herabziehen.“ Aus dem Gründungsprotokoll der Caritas St. Pölten

Die Caritas wird Körperschaft öffentlichen Rechts

1959 wird die Caritas der Diözese St. Pölten zur Körperschaft öffentlichen Rechts, der Verein wird aufgelöst und zum kirchlichen Institut. Sechs Jahre später wird Werner Scholz als erster Laie zum Caritas-Direktor berufen. Er bleibt das bis 1996. 1964 wird mit dem Haus St. Elisabeth in
St. Pölten das erste Pensionistenheim eröffnet.

1972 wird in der Diözesansynode der Auftrag der Caritas präzisiert. Bereits etablierte Einrichtungen wie die Familienhilfe werden ausgebaut und durch Formen der Altenpflege ergänzt. Neue Wege ging die Caritas damals auch mit der Schaffung von Einrichtungen für Behinderte und Suchtkranke. Als zwei Jahre später die Bezirksfürsorgeverbände aufgelöst werden, wird die Caritas zum Partner öffentlicher Stellen. 1978 wird mit dem Aufbau der Sozialstationen begonnen, von denen aus Krankenschwestern und Altenpfleger die Pflege zu Hause verrichten.

Die ersten Sozialstationen eröffnen in Purgstall, Zwettl und Waidhofen/Thaya. 1994 wird dann der Tagesmütter-Dienst gestartet, ein Jahr später übergibt die Aktion Leben das Mutter-Kind-Haus in St. Pölten zur Weiterführung an die Caritas. 1996 beginnt die Arbeitsassistenz für psychisch kranke Menschen. Gleichzeitig schafft die Caritas, dem Grundsatz „Jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit“ folgend, Werkstätten und Recycling-Betriebe, um Menschen mit Behinderungen Jobs bieten zu können.

Die moderne Caritas

100 Jahre nach ihrer Gründung engagieren sich mehr als 2.400 Mitarbeiter, 800 Freiwillige und rund 4.000 Haussammler für die Caritas der Diözese St. Pölten. An ihrer Spitze steht seit 2016 der Herzogenburger Hannes Ziselsberger als Direktor. Das Angebot reicht heute von Sozial- und Wohnungssicherungsberatung über Lerncafés und Familienhilfe bis hin zu Psychotherapie, mobiler Pflege und einem mobilen Hospizdienst. Außerdem werden im Caritas-Bildungszentrum Fachkräfte für den Gesundheits- und Sozialbereich ausgebildet.

Die Zukunft

Hannes Ziselsberger ist seit 2016 Direktor der Caritas Diözese St. Pölten.
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Der rasante Wandel der Gesellschaft stellt auch die Caritas vor ständig neue Herausforderungen. „Europa ist eine alternde Gesellschaft. Wir werden Zuwanderung benötigen, um den Arbeitskräftebedarf zu decken“, erläutert Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger. Neben der Migration und der Zukunft der Pflege zählen für ihn auch der Klimawandel, die Digitalisierung, zunehmende Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit zu den neuen Herausforderungen. „Caritas wird Antworten auf diese Nöte suchen und finden. So, wie Caritas das seit hundert Jahren macht“, betont Ziselsberger. Denn der Auftrag bleibt immer derselbe: „Wenn wir Not sehen, dann handeln wir.“