Wiener Neustadt , Ebenfurth

Update am 08. März 2018, 12:55

von Eva Hinterer

Wirbel nach Schließung Therapeutischer Gemeinschaften. Wütende Personalvertreter und Mitarbeiter begehrten Zugang zur Pressekonferenz im Landhaus.

APA/Sophia Killinger

Ein Hausmeister will die aufgebrachten TG-Vertreter nicht in den Lift steigen lassen, der in den zweiten Stock des Landhauses führt. Dort findet die Pressekonferenz statt, in der Landesrat Franz Schnabl, Otto Huber Leiter der sozialpädagogischen Betreuungszentren des Landes und Rechtsanwältin Simone Metz, die die Sonderkommission zu Untersuchung von Missständen in den TGs geleitet hat, stattfindet.

Im Mostviertelsaal wollen die drei erklären, warum am frühen Morgen des Vortages (Mittwoch, 7. März) drei TG-Einrichtungen in den Bezirken Wiener Neustadt, Krems und Hollabrunn geschlossen wurden.

Das Heim der Therapeutischen Gemeinschaft Sitzendorf  |  Barbara Witzany

Nachdem die Transparente der TG-Mitarbeiter eingepackt sind, dürfen sie in den Lift – nicht aber in den Saal. Zwei Polizisten passen auf.

SOKO seit Mitte Dezember 2017

Kurz zur Vorgeschichte: Im November vergangenen Jahres tauchten Berichte über Missstände in den Therapeutischen Gemeinschaften auf. Anfang Dezember berief der zuständige Landesrat Franz Schnabl deshalb eine unabhängige Sonderkommission (SOKO) ein, um die Vorwürfen prüfen zu lassen. Grünen-Chefin Helga Krismer hatte die Vorwürfe auf politischer Ebene erhoben und Druck gemacht.

Nach Präsentation einiger Zwischenberichte ist der Endbericht der SOKO nun fertig. Er umfasst 250 Seiten – und soll unter Verschluss bleiben. Begründet wird das mit Rücksichtnahme auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen.

Insgesamt 16 Kinder und Jugendliche wurden am 7. März aus den TG in Ebenfurth, Jaidhof und Neufeld in andere Einrichtungen gebracht. Dabei sei es, so TG-Personalvertreterinnen, zu schlimmen Szenen gekommen: Kinder seien verängstigt gewesen, man habe sie aus ihrer Umgebung herausgerissen, sie hätten geweint.

SPÖ-Landesrat Franz Schnabl und Anwältin Simone Metz, die die Sonderkommission leitet.  |  Herbert Käfer

SOKO-Leiterin Simone Metz sagt, dass Versäumnisse des Landes und der TG festgestellt wurden. Nach 56 Einzelgesprächen mit Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern, Heimbewohnern und ehemaligen Heimbewohnern sowie sechs Besichtigungen habe man dem Land NÖ empfohlen, die seit dem Jahr 2000 bestehenden Verträge mit dem privaten Träger TG aufzulösen. Details zu den gefundenen Missständen nennt Metz nicht, weil sie den höchstpersönlichen Lebensbereich der zu schützenden Kinder und Jugendlichen beträfen.

Krisenstab nach „Hinweisen“

Otto Huber sagt, dass sich in den vergangenen drei Wochen Hinweise ergeben hätten, die Konsequenzen unabdingbar gemacht hätten. Ein Krisenstab wurde eigerichtet.

Selbstkritik gibt es auch: Man habe seitens des Landes  die krisenhaften Entwicklungen in den TG nicht erkannt, auch die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter sei teilweise nicht gegeben gewesen. Und es habe oft zu wenig Personal gegeben.

Zukünftig werde man mehr auf die Qualifikation sowie die personellen Rahmenbedingungen bei privaten Trägern achten. Auch darauf, wie es mit Personalfluktuation und der wirtschaftlichen Situation des Trägers aussieht.

Konsequenz: Mehr unangekündigte Prüfungen

Als Konsequenz soll es nun mehr unangekündigte Überprüfungen der Träger geben. Die Prävention soll verbessert werden und der Aufsichtsdienst des Landes soll periodisch zum Einsatz kommen. „Wir haben uns zu sehr auf die Zusagen des Rechtsträgers verlassen“, sagt Otto Huber. Und meint damit die Mitarbeitersituation bei den TG.

Die Arbeit der SOKO jedenfalls ist beendet. Die eingerichtete Hotline für Beschwerden im Zusammenhang mit den Einrichtungen soll noch eine Weile freigeschaltet bleiben. Und es ergeht eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt.

Die TG selbst haben bereits rechtliche Schritte gegen die Schließung ihrer drei Einrichtungen angekündigt. Sonja und Hermann Radler, die Geschäftsführer der TG, sind über die Vorgehensweise des Landes entsetzt.