Justizbeamter zog Drogenhandel auf, um älterer Schwester zu helfen. Der ranghohe Justizbeamte, der im Wiener Straflandesgericht seit 2008 kiloweise Suchtgift abgezweigt hatte, war dazu von seiner Schwester überredet worden. Das geht aus der Anklageschrift gegen die Geschwister hervor. Demnach war die 55-jährige Pensionistin die treibende Kraft hinter dem Drogenhandel, der mit von der Justiz beschlagnahmtem und zur Vernichtung bestimmtem Kokain aufgezogen wurde.

Erstellt am 28. März 2011 (12:53)
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Die finanzielle Situation der Witwe war aufgrund erheblicher Spielschulden äußerst trist. Ihr jüngerer Bruder missbrauchte daher seine berufliche Position als stellvertretender Leiter der Verwahrstelle im Grauen Haus, um ihr aus der Patsche zu helfen.

"Dabei ging er jeweils so vor, dass er Suchtgift, das bereits zur kommissionellen Vernichtung freigegeben war und zum Abtransport in Kartons verpackt wurde, entweder im Nachhinein wieder aus den Kartons entnahm oder aber anlässlich der Verpackung beiseitelegte und zu einem späteren Zeitpunkt aus der Verwahrstelle brachte", heißt es in der Anklageschrift.

Dabei kamen dem Beamten die laxen Sicherheitsvorkehrungen im Grauen Haus zugute. Ab dem Zeitpunkt des Verpackens wurde der Inhalt der Kartons nicht mehr mit den Papieren abgeglichen, in denen die genaue Menge des sichergestellten Kokains verzeichnet war. Der Beamte musste auf den Vernichtungsaufträgen bzw. Standblättern nur mehr seine Paraphe hinterlassen - mehr an Kontrolle, ob das im Zuge von Amtshandlungen nach dem Suchtmittelgesetz angefallene Gift ordnungsgemäß gänzlich vernichtet wurde, gab es nicht.

Das an sich vorgesehene Vier-Augen-Prinzip umging der 51-Jährige, indem er bei Bedarf eine zweite Paraphe hinterließ und damit die Anwesenheit eines zweiten Kollegen vortäuschte.

4,35 Kilogramm Kokain kamen der Justiz auf diese Weise abhanden, wobei das Suchtgift laut Anklage von großteils überdurchschnittlicher Qualität mit einem Reinheitsgehalt von bis zu 60 Prozent war.

Das "Koks" ließ die Schwester des Beamten zunächst über ihren Lebensgefährten verkaufen. Nachdem dieser 700 Gramm in Verkehr gesetzt hatte, klickten allerdings für den Mann im Dezember 2009 die Handschellen. In seinem Strafverfahren, in dem er zu einer dreijährigen teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, behauptete er wahrheitswidrig, das Gift in einer Sporttasche gefunden zu haben.

Da er die wahre Bezugsquelle nicht nannte, konnten die Witwe und ihr willfähriger Bruder nach einer kurzen Unterbrechung ihren Drogenhandel wieder aufnehmen: Im Zuge eines Rehabilitations-Aufenthaltes lernte die Frau im März 2010 einen Mann kennen, der ihr seine Drogen-Vergangenheit anvertraute. Als er erwähnte, mehrere potenzielle Kokain-Abnehmer zu kennen, händigte ihm die Witwe zunächst 300 Gramm zum Weiterverkauf aus.

Weil sich die Geschäfte blendend anließen - der 52-Jährige streckte das Gift und brachte es zum Grammpreis von 60 bis 80 Euro an den Mann - , zweigte der Justizbeamte im September mit einem Schlag zwei Kilogramm ab. Für den Dezember, bevor er eine mehrwöchige Kur antreten wollte, stellte er eine Lieferung von einem weiteren Kilogramm in Aussicht.

Tatsächlich übergab er seiner Schwester am 22. Dezember 1.018 Gramm, ehe die beiden am selben Abend vom Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK), das den Beamten nach einem anonymen Hinweis schon länger observiert hatte, festgenommen wurden. Auch der Bekannte der Witwe wurde in weiterer Folge aus dem Verkehr gezogen.

Das Trio muss sich nun am 5. Mai wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels vor einem Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg verantworten. Dem mittlerweile fristlos entlassenen Justizbeamten wird zudem Missbrauch der Amtsgewalt zur Last gelegt, wobei seine Schwester zu diesem Delikt als Bestimmungstäterin zur Anklage gebracht wurde.