Kampusch: Pleischl kritisierte Aussagen von Richter Putz. Der im Fall Natascha Kampusch des Amtsmissbrauchs beschuldigte Leiter der Wiener Oberstaatsanwaltschaft (OStA), Werner Pleischl, hat am Freitag den Innsbrucker Ermittlungsrichter Georg Putz nach der Nicht-Stattgabe seines Ablehnungsantrages durch das Innsbrucker Landesgericht kritisiert.

Erstellt am 15. Juli 2011 (13:47)
"Ein angeblich unvoreingenommener Richter sollte nicht öffentlich über die Sache sprechen", sagte Pleischl.

"Ich akzeptiere selbstverständlich die Meinung des Gerichtes", sagte der Oberstaatsanwalt zur Entscheidung, Putz als "nicht befangen" anzusehen. Seine Gefühlslage wolle er nach dieser Entscheidung jedoch "nicht kommentieren". Er sei jedenfalls "weiterhin derselben Meinung", weswegen er den Ablehnungsantrag gestellt habe. "Ein Richter hat nicht öffentlich Fakten zu bewerten", spielte Pleischl auf eine Äußerung von Putz an, wonach er, Pleischl, angeblich vor der Vernehmung schriftlich eine "sehr oberflächliche Stellungnahme" abgegeben habe.

Weiters prangerte der OStA-Leiter eine für siebeneinhalb Stunden angesetzte Videoaufzeichnung seiner Vernehmung an. Das sei für ihn eine "inakzeptable und sehr ungewöhnliche Bedingung" gewesen, sagte Pleischl. "Ich habe gesagt, dass ich unter diesen Bedingungen nicht aussagen werde und mich nicht filmen lasse", erklärte er. Er kenne keinen Fall, bei dem im Vorverfahren zu einer derartigen Maßnahme gegriffen worden sei.

Außerdem habe er in seiner schriftlichen Stellungnahme angekündigt, auf eine mündliche Aussage zu "verzichten". Pleischl und Thomas Mühlbacher, Leiter der Staatsanwaltschaft Graz und ehemalige Kampusch-Sonderermittler, waren vor rund zwei Wochen vor dem Ermittlungsrichter zur Beschuldigtenvernehmung erschienen. Laut Putz hätten sie sich aber "überraschend" der Aussage entschlagen.

Pleischl verteidigte auch sein Vorhaben, ursprünglich erst gar nicht zur Einvernahme nach Innsbruck anreisen zu wollen: "Die Beschuldigung wurde mir im Vorfeld nicht im Detail mitgeteilt. So war keine sinnvolle Vorbereitung möglich." Deshalb habe er Putz in seiner schriftlichen Stellungnahme ersucht, ihn zu entschuldigen. Erst nachdem ihm der Ermittlungsrichter für den Fall mit einer Vorführung gedroht habe, sei er gekommen. "Es stimmt, es besteht eine Pflicht zum Erscheinen. Aber von vielen Richtern wird ein solches Ersuchen akzeptiert", meinte der OStA-Leiter.