Christina Reisenbauer: Von Krumbach in die Karibik. Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Christina Reisenbauer ist Restaurantleiterin auf Grand Cayman.

Von Andreas Jaros. Erstellt am 31. Dezember 2019 (05:00)
Christina Reisenbauer
Andreas Jaros

Konzentriert und im Business-Kostüm eilt Christina Reisenbauer zur Morgenbesprechung. Besonders zwischen den Jahren ist sie eine viel beschäftigte Frau – da herrscht auf Grand Cayman, dem vielleicht funkelndsten Hochkaräter unter all den Karibik-Perlen, Hochsaison.

Als Restaurantleiterin des auf Seafood spezialisierten „Blue by Eric Ripert“ im Bauch des luxuriösen Ritz-Carlton-Strandhotels sind 14-Stunden-Tage keine Seltenheit. Genauso Normalität wie betuchte Gäste aus New York oder Florida, die im Privatjet einschweben und einen Cocktail aus denkwürdigen Geschmackserlebnissen und bestem Service erwarten.

Christina Reisenbauer an ihremluxuriösen Arbeitsplatz im „Blue“ auf Grand Cayman.
Andreas Jaros

Trotz dieser Herausforderungen hat die 27-jährige Niederösterreicherin noch nie den 9.000 Kilometer weiten Sprung auf die hochpreisige Trauminsel bereut. Im Jänner feiert sie bereits das Zwei-Jahres-Jubiläum – nach zuvor zwei Jahren als Restaurantleiterin des populären Steakhouse im Wiener Ritz-Carlton. Als ihr die freigewordene Stelle in Übersee angeboten worden war, musste Christina Reisenbauer erst einmal herausfinden, wo genau überhaupt ihre neue Wirkungsstätte liegt.

Die Koordinaten: 300 Kilometer nordwestlich von Jamaika, im langen Schatten von Kuba, 35 Kilometer lang, 13 Kilometer breit; britisches Überseeterritorium, etwas mehr als 60.000 Einwohner, die kleinen Nachbarn Little Cayman und Cayman Brac inkludiert.

Geschmalzene Preise irritieren viele Gäste

Die Umstellung war gar nicht so ohne. „Ich bin von einem Stadthotel in die Karibik gewechselt, von einer großen Metropole auf eine kleine Insel, von Businessgästen zu hauptsächlich amerikanischen Urlaubern“. Die US-Klientel feiert im „Blue“ Jahrestage, Geburtstage, Geschäftsabschlüsse, die College- und Highschool-Abschlüsse ihrer Kinder oder einfach das Leben.

Gelegentlich kommt es freilich angesichts des geschmalzenen Preisniveaus – ein siebengängiges Degustationsmenü kostet ohne Weinbegleitung und 17 Prozent Trinkgeld umgerechnet etwa 170 Euro – zu Irritationen, wenn es ans Zahlen geht. „Weil überlesen werden kann, dass auf der Karte alles in Cayman Dollar angeschrieben und die Summe in US-Dollar dann noch einmal höher ist“. Doch die Dienstleisterin aus Österreich hat mit ihrer unaufgeregt-sachlichen Art noch jeden Anflug von Unverständnis gekonnt entschärft.

Auch der Umgang mit Mitarbeitern will gelernt sein. Christina Reisenbauer: „Wir haben im Hotel 60 Nationalitäten, da ist behutsames Vorgehen Pflicht. Durch die große Vielfalt an Kulturen muss man unterschiedlich auf die Individuen eingehen, was es aber auch aufregend macht.“

Wann immer Christina Reisenbauer nicht arbeitet, genießt sie das Leben auf Grand Cayman – am liebsten beim Tauchgang vor dem Seven Mile Beach.
Andreas Jaros

Im „Blue by Eric Ripert“, das als einziges Restaurant der gesamten Karibik mit dem „AAA Five Diamond Award“ dekoriert ist und diese prestigeträchtige Auszeichnung seit 2008 erfolgreich verteidigt, ist sie für maximal 30 Tische und 100 Gäste verantwortlich. Sie führt ein Team von 15 Mitarbeitern. Als Schlüsselperson im Restaurant pickt sie die erfahrene kalifornische Top-Sommelière Heather Branch heraus. Mit dem Chef de Cuisine läuft die Konversation auf Deutsch: Der Kärntner Thomas Seifried aus Wolfsberg zaubert als Küchenchef schon seit vielen Jahren die Gerichte.

Christina Reisenbauer, in Neunkirchen geboren und bis zum 18. Lebensjahr in Krumbach zuhause, hat schon früh für die Gastronomie gebrannt. „Meine Großeltern haben in Schaueregg ein Wirtshaus gehabt. Nach der Haupt- war ich gleich auf der Tourismusschule – und bin als eine der wenigen Absolventen der Sparte treu geblieben.“

Reisenbauer will nach Asien und in die USA

Grand Cayman ist der bisherige Höhepunkt ihres Schaffens, als künftige Karriereschritte kann sich Reisenbauer einen Schauplatz-Wechsel in die USA oder nach Asien vorstellen: „Da ich jung bin, stehen mir noch alle Türen offen.“ Mit den Eltern – die Mutter Buchhalterin, der Vater Kfz-Meister – tauscht sie sich wöchentlich aus, sie waren auch schon auf Besuch in der exotischen Steueroase.

Die Weihnachtszeit ist in der Karibik natürlich anders zelebriert worden als in der Buckligen Welt: Christina Reisenbauer pflanzte eine Plastiktanne in ihr Apartment, das sie mit einer New Yorker Freundin teilt. Sonntags und montags ist das „Blue“ geschlossen, dann kann auch Reisenbauer blau machen. Schwimmen, schnorcheln, tauchen an ihren Lieblings-Spots Smith Cove, Governor’s Beach, Spott’s Beach. Kurz vom gleichen sonnigen Glück durchflutet werden wie die privilegierte Touristenschar an den tropischen Traumstränden von Grand Cayman.