Tödliche Hundeattacke: Gutachten sieht keine Schuldigen. Etwas mehr als ein Jahr nach der tödlichen Hundeattacke auf einen 31-jährigen Soldaten in der Wiener Neustädter Flugfeld-Kaserne ist der Inhalt des Gutachtens einer deutschen Sachverständigen bekannt geworden. Wie der "Kurier" berichtete, sieht die von Esther Schalke erstellte Expertise die Schuld für den Vorfall weder beim zuständigen Hundeführer, noch beim Bundesheer. Die Conclusio lautet, dass der 31-Jährige ein zu großes Sicherheitsrisiko eingegangen war.

Von APA / NÖN.at Erstellt am 22. November 2020 (20:07)
Flugfeld-Kaserne in Wiener Neustadt
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Sowohl gegen den Hundeführer als auch gegen "Verantwortliche des Bundesheers, die nicht konkret ausgeforscht sind" wurde bisher seitens der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt ermittelt. Im Raum stand der Verdacht der grob fahrlässigen Tötung sowie der Gefährdung der körperlichen Sicherheit.

Die Sachverständige für Hundewesen sollte in diesem Zusammenhang klären, ob bei der Verwahrung und Betreuung der Tiere Nachlässigkeiten vorgelegen waren. Bestellt sei die Expertin aus dem Nachbarland deshalb worden, weil sämtliche in Österreich gemeldete Gutachter eine Nähe zum Militärhundewesen aufweisen würden, hatte Erich Habitzl, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, im April erklärt.

Schalke kommt in ihrem Gutachten nun zum Schluss, dass der 31-Jährige beim Ausführen der beiden Malinois ein zu großes Sicherheitsrisiko eingegangen ist. Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte der Mann die beiden Vierbeiner nämlich ohne Leine und Halsband frei laufen lassen. Warum sich der Oberwachtmeister des Jagdkommandos aus dem Bezirk Mödling "trotz seiner Ausbildung für den Freilauf der Hunde zur gleichen Zeit und ohne Hilfsmittel entschloss", sei nicht nachvollziehbar, zitierte der "Kurier" aus der Expertise. Grobe Fehler beim allgemeinen Training mit den Hunden verneinte Schalke.

Keine groben Fehler beim allgemeinen Training mit den Hunden

Christian Stocker, der Anwalt des beschuldigten Hundeführers, ortete im "Kurier" nach Ansicht des Gutachtens kein strafrechtlich relevantes Verhalten seines Mandanten. Weiters erwartete der Jurist eine baldige Einstellung des Verfahrens.

Der 31-jährige Soldat wurde am 14. November des Vorjahres kurz vor 2.00 Uhr tot aufgefunden. Der Mann war unter anderem für Auslauf und Fütterung der Tiere zuständig gewesen. Er war am Vortag gegen 16.00 Uhr zur Zwingeranlage aufgebrochen, um fünf Hunde in der Kaserne zu betreuen.

In der Nacht bemerkte der diensthabende Offizier dann die zwei freilaufenden Malinois. Der Offizier weckte einen Hundeführer auf, der die beiden Tiere wieder einsperrte und den leblosen Kollegen vor dem Zwinger fand.

Bei dem als verdächtig geltenden Hundeführer handelt es sich um den Besitzer der beiden in den Fall involvierten Tiere. Weil er sich am 13. November bei einer Übung befand, brachte er die beiden Hunde namens "Hati" und "Ragna" im Zwinger der Wiener Neustädter Kaserne unter.

Einem DNA-Gutachten zufolge wurden Bissspuren von "Hati" und "Ragna" am Körper des 31-Jährigen gefunden. Der im Dezember 2019 an die Staatsanwaltschaft übermittelte Untersuchungsbericht des Bundesheeres kam zum Ergebnis, dass eine "schwere Konfliktsituation" zwischen dem Getöteten und dem Malinois "Hati" vorgelegen habe. Zur Rolle des zweiten, jüngeren Hundes "Ragna" könnten keine Angaben gemacht werden, wurde betont.

Während "Ragna" nunmehr dem Züchter und Eigentümer zurückgegeben wurde, wurde "Hati" eingeschläfert. Das Verteidigungsministerium habe angeordnet, "die schmerzlose Tötung durch einen Tierarzt durchführen zu lassen", wurde Heeressprecher Michael Bauer vom "Kurier" zitiert.