Die Natur schlägt zurück. Regen, Hagel und Stürme nehmen zu. Das Bewusstsein für Katastrophen steigt laut Umfrage.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 19. Juni 2018 (00:48)
Einsatzdoku.at/Lechner
Die Unwetter der vergangenen Tage hinterließen im Bezirk Neunkirchen, wie auf den Bildern zu sehen ist, enorme Zerstörungen. An der ZAMG-Wetterstation in Puchberg am Schneeberg regnete es in wenigen Stunden 116 Millimeter. Das ist hier die größte jemals gemessene Regenmenge innerhalb eines Tages.

Seit April vergeht nahezu keine Woche, in der nicht die Naturgewalten das Land im Griff haben. Besonders heftig demonstriert hat die Natur ihre Zerstörungskraft in den vergangenen Tagen im Bezirk Neunkirchen: Mindestens 300 Objekte sind betroffen, es könnten aber noch weitaus mehr sein, weil „viele Zweitwohnsitzer den Zustand ihrer Häuser noch nicht kennen“, wie Bezirkshauptmann-Stellvertreter Martin Hallbauer der NÖN sagte. Am vergangenen Dienstag wurde Katastrophenalarm für den Bezirk ausgelöst, sogar das Bundesheer musste zum Aufräumen ausrücken.

Dass der Klimawandel immer mehr Naturkatastrophen auslöst, lässt sich mit Zahlen belegen: Die österreichischen Versicherungen bezahlen pro Jahr im Schnitt 300 bis 400 Millionen Euro an Versicherungsschäden, die durch Naturgewalten entstanden sind. Im Überschwemmungsjahr 2002 waren es vier Milliarden. Im Jahr 2005 kratzte man an der Milliardengrenze, sagt Michael Staudinger, Direktor der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik).

Prognose-Systeme werden laufend besser

Wie sieht es eigentlich mit dem Bewusstsein der Österreicher für Naturkatastrophen aus? Othmar Tann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) dazu: „Vergleiche von Studien aus den letzten fünf Jahren zeigen ein tendenziell steigendes Gefahrenbewusstsein.“ In einer aktuellen Umfrage des KFV gab von 1.000 Befragten die Hälfte an, Unwetter, Hagel und Stürme als große Gefahr zu sehen. 2013 sah das nur ein Viertel aller Befragten so. Während sich 2013 weniger als die Hälfte nicht vom Hochwasser bedroht sah, ist es 2018 nur mehr ein Drittel. Wichtiger Effekt: Damit steigt auch die Vorsorgebereitschaft.

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ZAMG-Direktor Staudinger sagt, es sei wichtig, das Bewusstsein der Menschen zu schärfen. Beim ZAMG versucht man das mit „auswirkungsorientierten Warnungen“. Das bedeutet, dass zum Beispiel eine Gewitterwarnung für jemanden, der im Büro sitzt, relativ unwichtig ist. Plant man allerdings eine Bergtour, kann diese Information lebensrettend sein.

Daher wird viel Geld in Prognose-Systeme investiert. Weltweit sind das pro Jahr mittlerweile drei Milliarden Euro. Was dazu geführt hat, dass verlässliche Prognosen früher für drei Tage möglich waren, heute liegt man bei fünf Tagen, Tendenz steigend.

Dennoch ist Prävention unerlässlich. Ein Punkt sei, die Bodenversiegelung zu stoppen, meint Versicherungsverbands-Präsident Othmar Ederer. „Es sollte vor allem am Land dahin gehen, dass nicht ständig neu versiegelt wird, sondern Altbestände genutzt werden.“

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