Bluttat mit drei Toten: Mordanklage eingebracht. Nach der Bluttat mit drei Toten im Oktober 2019 in Kottingbrunn (Bezirk Baden) hat die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt Mordanklage gegen den 31-jährigen Beschuldigten eingebracht. Da der Mann dem psychiatrischen Gutachten zufolge gefährlich ist, wurde auch die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Ein Prozesstermin stand am Montag noch nicht fest.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 27. April 2020 (17:01)
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Thomas Lenger, Monatsrevue

Der 31-Jährige, ein österreichischer Staatsbürger mit türkischen Wurzeln, soll seine Frau (29) am 27. Oktober 2019 mit vier Messerstichen getötet haben. Die zweijährige Tochter erlitt laut Obduktion zwei Stiche mit demselben Küchenmesser, der elf Monate alte Sohn starb an den Folgen eines Erstickungsversuchs.

Verheiratet war der von Verteidiger Wolfgang Blaschitz vertretene Beschuldigte seit 2014. Das Eheleben mit seiner Frau beschrieb der 31-Jährige laut Anklage als "konfliktfreudig" - vor allem seit der Geburt der gemeinsamen Kinder - und von unterschiedlichen Auffassungen in vielen Lebenslagen geprägt. Über mehrere Monate hinweg sei eine Scheidung im Raum gestanden.

Am 27. Oktober 2019 ging der Angeklagte in der Früh mit einem aus dem Wohnzimmer mitgebrachten Küchenmesser, einem Schneidbrett sowie einem Apfel in das im Obergeschoß des Wohngebäudes liegende Schlafzimmer, in dem sich alle drei späteren Opfer aufhielten. Im Wohnzimmer verbrachte der Mann zuvor rund zwei Stunden, nachdem er Schlafprobleme gehabt hatte. Angekommen im Schlafzimmer soll es zu einem Streit zwischen dem 31-Jährigen und seiner Partnerin gekommen sein, einmal mehr soll die Frau dabei von einer Trennung gesprochen haben.

Der Beschuldigte beschloss daraufhin laut Anklage "aus Angst, seine Familie zu verlieren und nicht mehr geliebt zu werden", seine Frau und die Kinder zu töten. Eine Rolle habe bei der Entscheidung für den Mann auch "die patriarchale Struktur, wie sie aus dem Herkunftsland seiner Vorfahren bekannt ist und auch in den Denkstrukturen des Beschuldigten tief verwurzelt ist" gespielt, befand die Staatsanwaltschaft.

Angeklagter verständigte selbst die Polizei

Nach der Tat verständigte der Angeklagte per Handy die Polizei und ließ sich widerstandslos festnehmen. Der 31-Jährige war geständig und nannte das Geschehene in einer ersten Reaktion einen "Ehrenmord". Spätere Behauptungen des Beschuldigten, während den Handlungen Stimmen gehört zu haben, erachtete die Staatsanwaltschaft als "nachträglich konstruierte Schutzbehauptung", die vom psychiatrischen Sachverständigen Manfred Walzl "nachvollziehbar widerlegt" würde.

Walzl bescheinigte dem 31-Jährigen in seinem Gutachten eine "kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägten narzisstischen bzw. auch dissozialen Anteilen" und ein Simulationsverhalten. Zudem sei davon auszugehen, dass der Mann "mit großer Wahrscheinlichkeit zu neuerlichen Tathandlungen mit schweren Folgen gegen Leib und Leben" neigen werde. Die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher gemäß Paragraf 21 Absatz 2 Strafgesetzbuch wurde vom Sachverständigen empfohlen und von der Staatsanwaltschaft auch beantragt.

Rechtskräftig ist die Anklageschrift noch nicht. Ein Termin für die Geschworenenverhandlung am Landesgericht Wiener Neustadt, bei der zwölf Zeugen gehört werden sollen, wurde daher auch noch nicht festgelegt.