Krems

Erstellt am 28. Dezember 2016, 02:17

von Jutta Hahslinger

Zwei „milde“ Jahre für Raubüberfall. 37-Jähriger beteuerte, er habe aus Sorge um seine schwangere Freundin einen Optiker überfallen. Schöffen lassen sich erweichen.

Mit einem Spielzeugrevolver forderte der 37-Jährige Geld von einem Kremser Optiker.  |  Hahslinger

„Ich machte mir Sorgen um meine schwangere Freundin. Sie hatte Schmerzen und brauchte ärztliche Versorgung. Wir saßen am Kremser Bahnhof ohne Geld fest, da kam ich auf den depperten Gedanken, einen Raub zu begehen“, schildert ein 37-Jähriger vor Gericht, wie es dazu gekommen war, dass er am 17. Oktober dieses Jahres in das Optikergeschäft von Jürgen Jell marschierte, einen Spielzeugrevolver zog und Geld forderte. Der Überfall sei nicht geplant gewesen: „Ich war verzweifelt, hatte kein Geld, und meine Freundin stöhnte vor Schmerzen“, beteuert er unter Tränen.

„Wenn ich, wie Sie beteuern, so um die Gesundheit meiner schwangeren Gefährtin besorgt bin, gehe ich umgehend zum Arzt oder bringe sie ins Krankenhaus. Sie lassen sie alleine am Bahnhof zurück, begehen einen Raub, holen sie vom Bahnhof ab und lassen sich dann in aller Ruhe mit einem Taxi ins Hotel chauffieren. Am nächsten Tag gehen Sie beide seelenruhig einkaufen. Sind die Schmerzen einfach verschwunden?“, entgegnet Ankläger Franz Hütter sichtlich unbeeindruckt von der rührseligen Geschichte. Der Angeklagte legt aber noch ein Schäuferl nach. Erzählt von den schwierigen Tagen mit seiner Mutter, wo er zunächst untergekommen sei. Die Mama habe die neue Schwiegertochter in spe, die als „Pretty Woman“ (Liebesdame aus Rosenburg, die einen Millionär geheiratet und dann wieder verlassen hat) vor gut einem Jahr Schlagzeilen machte, so gar nicht leiden können. Sie wären praktisch aus dem Haus geekelt worden: „Die Not und Verzweiflung waren groß“, seufzt der Mann unter Tränen.

„Der Angeklagte trieft vor Selbstmitleid. Er gibt die Schuld an der Misere seiner Mutter, er, ein Mann von 37 Jahren. Das bedarf keiner Worte mehr“, meint der Ankläger. Der Schöffensenat verhängt mit zwei Jahren Gefängnis ein mildes Urteil.