Tatwerkzeug Computer: Immer mehr Delikte im Internet. Kuratorium für Verkehrssicherheit: Zukunft der Kriminalität liegt im Internet.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 01. Dezember 2020 (07:25)
KFV-Präsident Othmar Thann.
APA/Neubauer

Rund 300.000 Menschen wurden in Österreich im Vorjahr Opfer von Onlinebetrug, das geht aus einer Dunkelfeldstudie von Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und Innenministerium hervor. Während die Zahlen bei klassischen Kriminalitätsformen stagnieren oder sinken, „explodieren“ sie bei Onlinedelikten, sagt KFV-Präsident Othmar Thann.

Die polizeiliche Kriminalstatistik bestätigt das: 2019 wurden 28.439 Kriminalfälle im Internet angezeigt, im Jahr 2018 waren es noch 19.627 gewesen. Angesichts dieser Zahlen hat das KFV jetzt eine Studie über die „Zukunft der Kriminalität“ vorgelegt. Hier wird davor gewarnt, dass neue Entwicklungen wie leistungsstarke 5G-Mobilnetze, praktische Cloud-Lösungen oder künstliche Intelligenz auch von Kriminellen genutzt werden. Die „Versmartung von Betriebsprozessen“ stelle für Klein- und Mittelbetriebe ohne eigene IT-Abteilung eine große Herausforderung dar, sagt Studienleiter Armin Kaltenegger. Denn automatisierte Abläufe sind auch Einfallstore für Kriminelle. Auch überforderte User sind dankbare Opfer für Cyberbetrüger.

"Enorme Herausforderung für den Rechtsstaat"

Der KFV sieht jetzt die Politik gefordert: „Die Zukunft der Kriminalität bedeutet eine enorme Herausforderung für den Rechtsstaat“, sagt Kaltenegger. Nationales und auch internationales Recht müsse reformiert werden, um den neuen Bedrohungen zu begegnen. Und es gilt zu überlegen, ob alle Formen der modernen Technologie allen Menschen zur Verfügung stehen sollen.

So plädiert Thann dafür, den legalen Zugang zu Quantencomputern, die auf künstlicher Intelligenz basieren, einzuschränken. Diese mit extremer Geschwindigkeit selbstlernenden Systeme, deren Vorboten wir heute als „Alexa“ oder „Siri“ kennen, stellen in den falschen Händen ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Systeme wie diese seien zwar erst in einigen Jahren so weit, dass sie die menschliche Intelligenz um ein Vielfaches übersteigen, aber die Frage der Sicherheit müsse man heute überlegen, fordert Thann.