KFV untersucht die "Zukunft der Kriminalität". In einer aktuellen Studie befasst sich das Kuratorium für Verkehrssicherheit KFV mit Kriminalitätsformen der Zukunft. Während die Zahl der klassisch begangenen Kriminalität wie Raub oder Diebstahl sinkt, explodieren die Zahlen in der Cyberkriminalität. Darauf müsse auch der Gesetzgeber reagieren, fordert die Präventions-Organisation.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 27. November 2020 (17:48)
Cloudsysteme, 5G, Internet of Things, Künstliche Intelligenz - unsere Gegenwart wird immer "smarter". Und genau das ist auch ein Einfallstor für Kriminelle. Eine Studie des KFV zeigt nun Gefahren auf und fordert den Gesetzgeber auf, hier rechtzeitig zu reagieren.
Sistemas Digitales

Mehr als 300.000 Geschädigte durch Online-Betrug gab es alleine im vergangenen Jahr in Österreich. Das besagt eine Dunkelfeldstudie, der der KFV gemeinsam mit dem Innenministerium kürzlich herausgegeben hat.

„Zukünftige technische Entwicklungen werden neue Kriminalitätsformen begünstigen: Jede Innovation auf der einen Seite kann natürlich auch von der Gegenseite zum Vorteil krimineller Machenschaften genutzt werden und führt zu einem ständigen Wettrennen um das nächste Schlupfloch", sagt Othmar Thann, Direktor des KFV.

Internet of Things: Spielwiese für Hacker

Die 5G-Technologie etwa wird eine drahtlose Konnektivität in Echtzeit für jedes Gerät des «Internet der Dinge» (Internet of Things/IoT) ermöglichen, wie autonome Autos oder sensorgesteuerte Fabriken. Auch Hacker können die Geschwindigkeit und das Volumen von 5G nutzen, um schneller mehr Daten zu erfassen - oder zu stehlen.

Die Digitalisierung bzw. die Vernetzung fast aller Wirtschaftsunternehmen im Internet of Things wird in Zukunft weiter an Fahrt aufnehmen. Das erhöht auch das Risiko, Opfer von Cyberangriffen zu werden.  

Cloud-Dienste: Sicherheitskonzepte nötig

Auch die Nutzung von Cloud-Diensten hat in Österreich in den letzten Jahren zugenommen, im privaten wie im gewerblichen Bereich. Je mehr Unternehmen ihre internen Abläufe in die Cloud verlagern, desto wichtiger wird ein durchdachtes Sicherheitskonzept, das auf alle Risiken vorbereitet ist. Hier gibt es laut KFT großen Nachholbedarf für Unternehmen, denn die momentane Absicherung der Cloudsysteme "ähnelt derzeit eher einem kleinen Vorhängeschloss als einem massiven Safe".

Künstliche Intelligenz - auch ein Fluch?

Künstliche Intelligenz ist in ihrer ersten Stufe bereits in Form von Alexas oder Siris seit einiger Zeit festes Element unserer digitalen Unterhaltung. In der zweiten Stufe, der starken oder General KI, gibt es für die künstliche Intelligenz keine Beschränkungen mehr. Das System ist dann im Stande, sein Wissen und seine Fähigkeiten in ganz unterschiedlichen Kontexten anzuwenden. Diese Stufe der AI ist noch Zukunftsmusik, sie wird wohl zwischen 2030 und 2060 Realität.

Studie zeigt Konsequenzen

„Unsere Studie stellt einen Auszug an technologischen Entwicklungen dar, mit komplexen Konsequenzen auf vielen Ebenen“, erläutert Armin Kaltenegger, Leiter des KFV-Forschungsbereiches Eigentumsschutz. „Die Zukunft der Kriminalität bedeutet eine enorme Herausforderung für den Rechtsstaat. Die hohe Innovationskraft und die Geschwindigkeit der Digitalisierung werden dazu führen, dass auch nationales, europäisches und internationales Recht auf vielfältige neue Art und Weise reformiert bzw. interpretiert werden müssen, um den neuen Bedrohungen zu begegnen."

Wo kann Cyberkriminalität normale Bürger treffen?

  • Taschen- und Trickdiebstahl:

Elektronischer Taschendiebstahl: Kreditkarten können
mittels versteckter Geräte ohne Abfrage eines PINs ausgelesen werden. Die Zahl von Fake-Shops, die entweder nicht oder falsch liefern, wird stark steigen.

  • Einbruch in den Wohnraum:
    Durch Digitalisierung wird der Anteil an Smart Homes stark ansteigen. Hacker oder KI können Schwachstellen von vernetzten Geräten in Smart Homes ausnutzen, um die Alarmanlage abzuschalten oder ein ferngesteuertes Türschloss zu öffnen.
  • Trickbetrug:
    Trickbetrug wird digital und steigt.
    Deep Fakes vereinfachen Enkel- oder Neffentrick.  Die zunehmende Einsamkeit von Menschen und KI machen es einfach, mittels Lovescams Geld oder Sachleistungen zu erschleichen.
  • Erpressung:
    DDoS-Attacke: 5G erleichtert Angriffe mit viel größeren Datenanfragen in viel kürzerer Zeit.  KI kann Angriffe automatisieren und schneller machen. Deep Fake-Programme ermöglichen auch für Privatpersonen neue Angriffsflächen mittels gefälschter Videos.
  • KfZ-Diebstahl:
    Keyless Entry stellt einen wichtigen Angriffsvektor für den Diebstahl von Fahrzeugen dar.
    Das Fahrzeug selbst wird immer mehr zum smarten Kfz. Das bedeutet, dass das Auto selbst auch gehackt werden kann, sobald es mit einem Netz kommuniziert.