Vorsicht vor Trickdieben auf Autobahnen. Manch freundlicher Pannenhelfer entpuppt sich als fieser Trickdieb. Die Polizei warnt vor der Urlaubssaison.

Von Gila Wohlmann und Eva Hinterer. Erstellt am 12. Juni 2018 (02:57)
Vorsicht bei Pannen: Die Absichten mancher „Helfer“ in Not sind nicht immer redlich. Urlauber, die Hilfe vonUnbekannten annehmen, sollen ihr Fahrzeug versperren, rät die Polizei.
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Auf der A10 Tauernautobahn in Salzburg wurden Urlauber Anfang des Monats mit einem miesen Trick bestohlen: Das Paar hatte kurz nach Stadt Salzburg getankt und blieb wenige Kilometer später auf der A10 mit plattem Hinterreifen liegen. Es dürfte bereits an der Tankstelle ausgespäht worden sein. Nette „Helfer“, die gleich zur Stelle waren, stahlen einen dreistelligen Eurobetrag aus dem Fahrzeug der Urlauber.

Jetzt warnt die Polizei vor derartigen Vorfällen, gerade vor Start der Urlaubssaison.

„Die Täter beobachteten ihre Opfer auf Rastplätzen und stachen unbemerkt leicht die Reifen an, sodass erst ein wenig später die Luft ausging.“ Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung NÖ

„Wenn man am Pannenstreifen anhält und plötzlich andere Verkehrsteilnehmer ihre Hilfe aufdrängen, sollte man ein vernünftiges Maß an Misstrauen haben“, sagt Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion Niederösterreich. Man könne zwar nicht jeden Helfer unter Generalverdacht stellen, doch weiß Zuser aus der Praxis, „dass heute kaum noch jemand anhält, wenn ein Fahrzeug am Pannenstreifen steht, da ja fast jeder ein Handy hat und sich selbst um Hilfe kümmert“.

Aktuell gibt es in NÖ keine Vorfälle, doch Zuser erinnert sich an eine kosovo-albanische Tätergruppe, die 2014 verhaftet wurde. Diese schlug in Niederösterreich auf der Süd-, der Außenring- und der Westautobahn zu. Die Vorgangsweise war immer dieselbe. „Die Täter beobachteten ihre Opfer auf Rastplätzen und stachen unbemerkt leicht die Reifen an, sodass erst ein wenig später die Luft ausging. Sie folgten dem Fahrzeug und wenn der Lenker aufgrund des Reifenplatzers anhielt, boten sie ihre Hilfe an. Dabei lenkten sie die Fahrzeuginsassen ab und bestahlen diese“, so Zuser. Vorfälle wie jener in Salzburg seien daher nichts Neues. Als Opfer werden ältere Personen bevorzugt, da bei diesen mit mehr Bargeld und weniger Gegenwehr gerechnet wird.

"Sich Fahrzeug, Kennzeichen und Aussehen der Täter einprägen"

„Sein Auto vor solchen gezielten Reifenstecher-Attacken zu schützen, ist, wenn man alleine unterwegs ist, schwierig“, weiß Zuser. Wenn man Hilfsangebote bekommt, ist es daher ratsam, das Auto abzusperren.

Wer Opfer eines Trickdiebstahls oder Raubes wurde, soll „sofort die Polizei informieren, sich Fahrzeug, Kennzeichen und Aussehen der Täter einprägen“.

Das Verwenden von Bildmaterial, zum Beispiel aus einer der 8.000 Asfinag-Kameras, die entlang der Autobahnen und Schnellstraßen installiert sind, bedarf einer gerichtlichen Anordnung. Die wird gewährt, wenn etwa Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht.